Kerzenmeer für einen Kriegsverbrecher

In Bosnien Herzegowina haben Hunderte Menschen eine Totenwache für den verurteilten Kriegsverbrecher Slobodan Praljak gehalten. Der frühere bosnisch-kroatische General hatte an diesem Mittwoch im Gerichtssaal des Den Haager Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien Selbstmord begangen. Kurz zuvor war die lebenslange Haftstrafe gegen ihn bestätigt worden.

Miro war zu Zeiten der Jugoslawien-Kriege jung. Auch er verteidigt Praljak. "Oft werden die Rechtschaffenen bestraft. Heute wurde einer von ihnen verurteilt. Wir haben wir einen gerechten Menschen aus politischen Gründen verloren," sagt er.

Es ist keine Seltenheit, dass in Den Haag verurteilte Kriegsverbrecher in ihrer Heimat als Helden angesehen werden. Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic nannte die Bestätigung des Urteils "eine moralische Ungerechtigkeit" , und sprach gleichzeitig den Kriegsopfern seinen Mitggefühl aus.

Eine Haltung, die durch den Selbstmord weiter bestärkt wird. Der sei  "eine sinnlose kriminelle Tat" , meint der muslimische Politiker Bakir Izetbegovic. Die Opfer dieses Täters würden niemals in Vergessenheit geraten. Die internationale Gemeinschaft habe das schreckliche Kapitel in der Geschichte des Staates Bonsien-Herzegowina mit ihrem Urteil besiegelt.

Mit dieser Tragödie endete die 24-jährige Aufarbeitung der Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien. Dass Praljak sein Leben aus Verzweifelung beendete, ist umstritten. Einen Großteil seiner Strafe hatte er bereits abgesessen und wäre wohl demnächst frei gekommen.