Kerzenlichter gegen das Vergessen: Tausende Besucher gedenken Aids-Opfern

Am Samstagabend gab es auf dem Kölner Heumarkt einen Moment der Stille.

Tausende Besucher hielten am Samstagabend auf dem Heumarkt schweigend brennende Kerzen in ihren Händen, um der Menschen zu gedenken , die an Aids gestorben sind. So bunt und laut es auch sonst auf dem Straßenfest des Kölner CSD zugeht – der Kölner Lesben- und Schwulentag (Klust), der den „Cologne Pride“ veranstaltet, und die Aidshilfe Köln legen alljährlich Wert darauf, dass zum Programm des „Cologne Prode“ dieser Moment der Stille gehört, in dem sich der große Platz in der Altstadt ein Lichtermeer verwandelt.

Doch nicht nur der Opfer der HIV-Infektion wurde gedacht, sondern auch, wie Elfi Scho-Antwerpes vom Vorstand der Aidshilfe sagte, all der Menschen „an anderen Stellen der Welt“, die wegen ihrer von der Mehrheitsnorm abweichenden Sexualität „gedemütigt, verfolgt oder sogar ermordet wurden".

Zahl der Straftaten gegen Homo- und Transsexuelle vervierfacht

Ina Wolf vom Klust-Vorstand wies darauf hin, im vorigen Jahr habe sich die Zahl der Straftaten gegen Homo- und Transsexuelle in Deutschland vervierfacht, die Brutalität anderswo auf der Welt sei noch viel größer; so seien 2016 allein in Brasilien rund 100 „Transpersonen“ umgebracht worden. „Diese Menschen gehören zu uns.“

Stunden zuvor waren beim „Polit-Talk“ auf der CSD-Hauptbühne ebenfalls die Zustände in anderen Ländern zur Sprache gekommen. Ausgerechnet am Internationalen Tag gegen Homophobie im Mai sei in Indonesien ein schwules Paar zu 85 Peitschenhieben verurteilt worden, erwähnte Sven Lehmann, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in NRW.

„Nehmt euch jetzt in den Arm“

Matthias Birkwald, Bundestagsabgeordneter der Linken, forderte, Deutschland dürfe in Länder wie Saudi-Arabien, die Homosexualität mit der Todesstrafe bedrohen, keine Waffen mehr liefern. Ulrich Breite, der für die FDP im Stadtrat sitzt, richtete den Blick auf Europa: Die EU brauche „andere Sanktionsmöglichkeiten“, wenn in Ländern wie etwa Polen und Ungarn die Diskriminierung von Schwulen, Lesben und Transgendern „so weitergeht wie bis jetzt“.

In der Dämmerung auf dem Heumarkt endete das lange Schweigen, in dem die „Kerzenlichter gegen das Vergessen“ leuchteten, mit Gesten der Solidarisierung; Elfi Scho-Antwerpes bat die Besucher: „Nehmt euch jetzt voller Liebe in den Arm, auch wenn ihr euch rechts und links noch nicht kennt.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta