Kernerkenntnisse zum EZB-Protokoll: Manche wollten nur 25 Bp

(Bloomberg) -- Einige der Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank haben sich bei der Sitzung im Juli dafür ausgesprochen, die Zinsen nur um 25 Basispunkte zu erhöhen - statt um die 50 Basispunkte, um die sie dann angehoben wurden.

Einigkeit gab es angesichts der Renditesprünge am europäischen Rentenmarkt indessen bezüglich des neuen Instruments zur Absicherung der geldpolitischen Transmission, wie das am Donnerstag vorgelegte Sitzungsprotokoll zeigte.

Am Geldmarkt wird inzwischen auf Sicht der nächsten beiden EZB-Entscheidungen darauf gewettet, dass die Leitzinsen zur Eindämmung der Rekordinflation um insgesamt weitere 100 Basispunkte angehoben werden.

Im Folgenden Eckpunkte des EZB-Protokolls:

  • Zu den Zinsen:

    • “Mit Blick auf den aktuellen geldpolitischen Kurs hielten es sehr viele Ratsmitglieder für angemessen, die Leitzinsen der EZB wie von Herrn Lane vorgeschlagen um 50 Basispunkte anzuheben. Angesichts der Verschlechterung der Inflationsaussichten seit der Juni-Sitzung des EZB-Rats wurde eine Erhöhung um 50 Basispunkte als gerechtfertigt erachtet.”

    • “Damit unternehme der EZB-Rat unter Berufung auf die Grundsätze der Datenabhängigkeit und Optionalität einen größeren ersten Schritt in Richtung Leitzinsnormalisierung, als er auf seiner vorherigen Sitzung signalisiert habe. Auf diese Weise bringe er deutlich seine Entschlossenheit zum Ausdruck, zu handeln und sein Mandat zu erfüllen.”

    • “Einige Ratsmitglieder sprachen sich indes für eine Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte aus. Dies sei der auf der Juni-Sitzung signalisierte Schritt und entspreche der vorangegangenen Kommunikation des EZB-Rats. Es wurde vorgebracht, dass eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte angesichts der drohenden Rezessionsrisiken eher mit einer graduellen geldpolitischen Normalisierung im Einklang stehe.”

  • Zu Stress am Anleihemarkt:

    • “Fragmentierungsrisiken wurden im aktuellen Umfeld als wahrscheinlicher erachtet, denn die Normalisierung der Geldpolitik finde in einer Zeit großer angebotsseitiger Schocks und steigender Risiken für das Wirtschaftswachstum statt.”

    • “Während die EZB Maßnahmen ergreife, um die Effizienz der Geldpolitik sicherzustellen, sollten die europäischen Regierungen in ihrem Zuständigkeitsbereich institutionelle Reformen vorantreiben, um die Ursachen der Fragmentierung im Euroraum besser zu bekämpfen.”

    • “Darüber hinaus wurde daran erinnert, dass persistentere und grundlegendere Probleme mit dem OMT-Programm angegangen werden sollten, und dass die Geldpolitik zwar in der Lage sei, auf sich selbst erfüllende Liquiditätskrisen zu reagieren, Solvenzprobleme aber von anderen Akteuren gelöst werden müssten.”

    • “Die Ratsmitglieder waren sich einig, dass die Flexibilität bei der Wiederanlage der Tilgungsbeträge fällig werdender Wertpapiere im PEPP-Portfolio die erste Verteidigungslinie bleibe”

  • Zur Forward Guidance:

    • “In Zeiten, in denen die Zinssätze nahe an der effektiven Untergrenze lägen, stelle die Forward Guidance zu den Zinssätzen ein mächtiges Instrument dar. In der Normalisierungsphase hingegen sei ihr Nutzen deutlich geringer.”

    • “Es wurde die Ansicht vertreten, dass eine spezifische Forward Guidance zum künftigen Zinspfad den EZB-Rat unter den gegenwärtigen Umständen und angesichts der außergewöhnlich hohen Unsicherheit mit Blick auf die Grundsätze der Optionalität, Flexibilität und Datenabhängigkeit übermäßig einschränke. So bestehe das Risiko, dass er sich auf Entscheidungen festlege, die er später bei veränderten Umständen revidieren müsse.”

    • “In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Beibehaltung der Forward Guidance zur Entwicklung der Bilanz des Eurosystems verwiesen.”

Überschrift des Artikels im Original:

Some ECB Officials Favored Smaller Interest-Rate Hike in July

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