Wiedergewählter Präsident Kenias ruft bei Vereidigung zur Versöhnung auf

Kenyatta leistet seinen Amtseid im Stadion von Nairobi

Nach Monaten gewaltsamer Proteste in Kenia hat der wiedergewählte Präsident Uhuru Kenyatta bei seiner Vereidigung zur Versöhnung aufgerufen. Kenyatta versprach am Dienstag im Kasarani-Stadion von Nairobi vor 60.000 Zuschauern, er wolle "Brücken bauen, vereinen und Wohlstand bringen". Am selben Tag kündigte Oppositionsführer Raila Odinga jedoch an, in zwei Wochen seine eigene Amtseinführung abzuhalten - weil er der "rechtmäßige Präsident" Kenias sei. Bei Zusammenstößen zwischen seinen Anhängern und Sicherheitskräften wurden zwei Menschen getötet.

Die erste Präsidentschaftswahl in Kenia vom 8. August, nach der Kenyatta sich erstmals zum Sieger erklärt hatte, war wegen Unregelmäßigkeiten annulliert worden. Bei den danach einsetzenden Protesten wurden in dem ostafrikanischen Land fast 60 Menschen getötet. Auch aus dem wiederholten Wahlgang Ende Oktober war Kenyatta als Sieger hervorgegangen, bei dem allerdings nur gut ein Drittel der Wahlberechtigten an die Urnen gegangen waren.

Odinga hatte seine Kandidatur aus Protest zurückgezogen und zum Wahlboykott aufgerufen. Am Montag vergangener Woche bestätigte der Oberste Gerichtshof schließlich Kenyattas Wiederwahl und wies zwei Einsprüche gegen das Wahlergebnis zurück.

Der Präsident sagte bei seiner Vereidigung, das Ende des Wahlprozesses sei endlich erreicht. Er kündigte verschiedene politische Vorhaben für seine fünfjährige Amtszeit an, etwa eine Krankenversicherung für alle Bürger sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen vor allem in der Industrie.

Afrikaner, die Kenia besuchen wollten, sollen künftig leichter ein Visum bekommen, kündigte Kenyatta an. Bürger der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) sollen außerdem allein mit ihrem Ausweis in Kenia arbeiten, Geschäfte machen und leben können. Unter den Zuschauern der Vereidigung befanden sich 13 Staatsoberhäupter, hauptsächlich aus Afrika, und mehrere Regierungschefs.

Der 12. Dezember, an dem Oppositionsführer Odinga seine eigene Amtseinführung abhalten will, ist der Tag der Unabhängigkeit Kenias von der britischen Kolonialherrschaft. Er sprach auf einer Straße im Südosten Nairobis vor hunderten Anhängern; die Polizei setzte Tränengas ein und löste die Versammlung auf. Bei Auseinandersetzungen seiner Anhänger mit Sicherheitskräften wurden der Polizei zufolge zwei Menschen erschossen, sechs weitere wurden verletzt.