Kekse, Motoren, Finanzen: Was Investoren nach Polen lockt

Wie schafft es ein Land, das sich vor knapp drei Jahrzehnten vom Kommunismus lossagte, auch während der weltweiten Finanzkrise weiter zu wachsen? Wir nehmen Sie mit auf eine Reise durch Polen, um das herauszufinden. Wir untersuchen, wie und warum internationale Unternehmen hier investieren. Und was Polen dafür tut, dass sie ins Land kommen.

In Warschau wachsen die Wolkenkratzer und stellen den Kulturpalast aus kommunistischen Zeiten langsam in den Schatten. Etliche internationale Konzerne haben sich hier angesiedelt. In der 1,7-Millionen-Metropole profitieren sie von qualifizierter Arbeitskraft, niedrigeren Kosten und einen unternehmerfreundlichen Umfeld.

Kompetente Fachkräfte: Goldman Sachs stockt auf

Der amerikanische Finanzgigant Goldman Sachs will hier in diesem Jahr kräftig aufstocken. Warum gerade Polen? Brent Watson, Geschäftsführer bei Goldman Sachs Polen: “Wegen der Talente. Wenn ich mir die Kompetenzen ansehe, die wir in den vergangenen Jahren hier finden konnten, dann ist das beeindruckend. Sprachkompetenzen, großes technisches und Ingenieursfachwissen, Kompetenzen im Bankwesen und anderen Sektoren, die wir betreuen. Alles, was wir sonstwo auf dem ganzen Globus finden können. Wir sind hier jetzt etwa 570 Leute, und bis Ende des Jahres werden wir wohl rund 750 Leute sein. Das Umfeld in Polen ist sehr kooperativ. Wir haben ein gutes Verhältnis zur Regierung und zur Stadt Warschau. An dem Standort kann man gut Geschäfte machen, und er ist von anderen Teilen Europas aus gut zu erreichen.”

Neues Werk für Mercedes-Benz

Weiter Richtung Breslau. Mercedes-Benz baut in der Region ein Werk, in einer der polnischen Sonderwirtschaftszonen, die mit Steuervergünstigungen und verkürzten bürokratischen Verfahren locken. Das Werksgelände erstreckt sich über einen Quadratkilometer. Hier sollen künftig Vierzylindermotoren für Mercedes-Benz Pkw gebaut werden. Andreas Schenkel,Geschäftsführer von Mercedes-Benz Polen: “Wir investieren 500 Millionen Euro in diesen Standort, und es ist die erste Produktionsstätte von Mercedes Benz Cars in Polen. Die Hauptkriterien, die für diesen Standort sprachen, waren die gut ausgebildeten Leute und die Unterstützung der polnischen Regierung, der Lokalregierung und der örtlichen Behörden.”

Roter Teppich für ausländische Investoren

Das Vertrauen in Polens wirtschaftliche Basis, die das Land für Investoren interessant macht, ist groß. Die Wirtschaft ist seit den neunziger Jahren mit Raten von rund vier Prozent gewachsen, unter anderem auch dank der ausländischen Direktinvestitionen. Tomasz Pisula, Präsident der Polnischen Agentur für Investitionen und Handel: “Als sich die polnische Wirtschaft zu entwickeln begann, kamen auch immer mehr Firmen hierher, nicht nur, um einfach irgendetwas, von sagen wir Massenqualität, zu produzieren, sondern Waren höherer Qualität, ausgefeiltere Waren.”

Zur Förderung von Start-ups erläutert er: “Wir haben das Äquivalent von rund einer halben Milliarde US-Dollar für die ‘Seed phase’, die Vorgründungsphase zur Verfügung.”

Und wie profitieren die Sonderwirtschaftszonen von ausländischen Direktinvestitionen? Pisula: “Wir versuchen, für jeden ausländischen Investor den roten Teppich auszurollen. Wenn er aber tatsächlich ausgefeilte Technologie bringt, die auf lange Sicht der polnischen Wirtschaft zugute kommt, zum Beispiel die polnischen Arbeitkräfte weiter qualifiziert, dann versuchen wir, zusätzliche Anreize zu schaffen. Wir versuchen, ihm alles zu ermöglichen.”

Schneeballeffekt: Andere Investoren kommen nach

In einer anderen Sonderwirtschaftszone betreibt der Snack-Gigant Mondelēz ein Forschungs-, Entwicklungs- und Qualitätscenter, in einem Gebiet, in dem viele internationale Firmen angesiedelt sind. Mit Personal, das aus der ganzen Welt kommt, entwickelt das Zentrum neue Produkte und testet die bestehenden, mit Rücksicht auf regional spezifische, typische Geschmacks-Vorlieben. Adam Gajewski leitet den Betrieb: “Vierzig Prozent unseres Teams kommen aus dem Ausland, aus 27 Ländern und vier Kontinenten. Und in Polen haben wir auch einen sehr guten Zugang zu einen großen Pool junger, talentierter, technischer Profis.”

Gibt es einen Schneeballeffekt? Je mehr interntionale Firmen nach Polen kommen, desto attraktiver und verführerischer wird das Land für weitere Firmen, die nachkommen? Gajewski ist überzeugt: “Ja, es gibt einen Schneeballeffekt. Tatsächlich siedeln sich mehr und mehr internationale Konzerne in dieser Gegend an, aber wir waren einer der ersten.”

Mit der Investition in Polen haben große Konzerne wie kleinere Betriebe aus dem Ausland nicht nur Zugang zu qualifizierter Arbeitskraft und günstigen Wirtschaftsbedingungen, sondern auch zu einem Markt von über dreißig Millionen Verbrauchern, deren Kaufkraft wächst.