"Keiner würde behaupten, dass bei der Einführung des Golf 8 und ID.3 alles perfekt lief": So erklärt VW seine Software-Probleme

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Beim Marktstart des Elektro-SUV ID.4 Anfang diesen Jahres waren die meisten Probleme beseitigt.
Beim Marktstart des Elektro-SUV ID.4 Anfang diesen Jahres waren die meisten Probleme beseitigt.

Die Fahrzeugsoftware wird in den kommenden Jahren maßgeblich über die Zukunftsfähigkeit der großen Autobauer entscheiden. Dies hat natürlich auch Volkswagen erkannt und versucht derzeit mit aller Kraft die eigene Kompetenz auf diesem Gebiet auszubauen und zu einem der führenden Hersteller zu werden. Mittlerweile befinden sich die Wolfsburger mit ihren modernen Assistenzsystemen, dem Head-up-Display mit Augmented Reality-Funktionen von ID.3 und ID.4, sowie den bisher nur von Premium-Herstellern wie Tesla, Mercedes oder Polestar eingesetzten Over-the-Air-Updates auf einem guten Weg.

Software gewinnt an Bedeutung

Auf lange Sicht möchte sich der VW-Konzern von einem Autobauer im klassischen Sinn zu einem Anbieter von Software-Lösungen wandeln. Und tatsächlich hat VW in diesem Bereich in den letzten zwei Jahren große Fortschritte gemacht. Wobei sie die eigene Messlatte beim Marktstart des Golf 8 Ende 2019 und der Einführung des elektrischen Hoffnungsträgers ID.3 unfreiwillig niedrig gelegt hatten. Beide Modelle litten anfangs unter teils katastrophalen Software-Problemen, die beim Erstling auf der neuen MEB-Plattform im darauffolgenden sogar für eine Verzögerung des Marktstarts gesorgt haben. Natürlich zog dies auch das Image des ansonsten nicht gerade für seine Experimentierfreudigkeit bekannten Konzerns in Mitleidenschaft.

VW ist sich der Probleme bewusst

Im Rahmen des hauseigenen "Innovation Talk 2021" stellte Volkswagen am Dienstag nicht nur die neuesten Software-Entwicklungen vor, sondern ging auch auf die anfänglichen Startschwierigkeiten in die neue Ära ein. Als er auf die anfänglichen Software-Probleme der beiden Volumenmodelle angesprochen wurde, räumt Klaus Zellmer, der Vertriebs- und Marketingvorstand von Volkswagen, ein: "Keiner würde behaupten, dass bei der Markteinführung des Golf 8 und ID.3 in Sachen Software alles perfekt lief."

Solche Probleme seien nicht untypisch

Obwohl der Manager damals noch bei Porsche für das Amerika-Geschäft verantwortlich war, hat er für die Komplikationen auch eine Erklärung parat: "Das sind hochkomplexe Zusammenhänge, die da zu managen sind und wir haben unseren Weg über die Software-Optimierung noch gefunden." Laut Klaus Zellmer seien derartige Startschwierigkeiten im Umfeld von Software-basierten Produkten nicht untypisch. Böse Zungen würden behaupten, dass mit dieser Aussage die frühzeitige Einführung eines noch nicht serienreifen Produkts auf Kosten des Kunden gerechtfertigt werden soll. VW stand damals nämlich ziemlich unter Zugzwang und musste schnell liefern, was zu einer für die Wolfsburger bis dahin eher untypischen Überstürzung geführt hat.

Besserung via Software-Update

Die Mängel waren bei beiden Modellen vielseitig und reichten von nicht mehr reagierenden Bildschirmen bis zum Abstürzen des gesamten Systems. Berichten zufolge führte dieses Problem beim ID.3 sogar dazu, dass sich das Auto überhaupt nicht mehr bewegen ließ. Beim Golf 8 funktionierte der innerhalb der EU gesetzlich vorgeschriebene Notrufassistent nicht, weshalb die Produktion des Kernmodells im Mai 2020 sogar für einige Wochen ausgesetzt werden musste. Einige ursprünglich eingeplante, aber bei den ersten Fahrzeugen nicht funktionierende Funktionen wurden für eine gewisse Zeit komplett abgeschaltet.

Nach und nach konnten die meisten Probleme jedoch mithilfe von in der Werkstatt aufgespielten Software-Updates beseitigt werden. Mittlerweile laufen sowohl der aktuelle Golf, sowie die MEB-Modelle ID.3 und ID.4 weitgehend problemlos. Die Mitglieder der Elektro-Familie kommen zudem in den Genuss von Over-the-air-Updates, müssen also für Software-Nachbesserungen nicht mehr den VW-Vertragshändler aufsuchen. Die anfänglich verprellten ID-Kunden der ersten Stunde dürften über diese Verbesserung mehr als erleichtert sein.

Der Golf galt über Jahrzehnte als zuverlässig. Mit der achten Generation kamen jedoch die Software-Probleme.
Der Golf galt über Jahrzehnte als zuverlässig. Mit der achten Generation kamen jedoch die Software-Probleme.
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