Keine Zeit für Egoismen beim TV-Geld

Robert Schäfer
·Lesedauer: 2 Min.

Burger King wirbt in einer jüngsten Kampagne für McDonalds und ruft damit in der schlimmsten Krise der Gastronomiebranche eine nie gekannte Solidarität aus.

Wie verhält sich der Profifußball? Es gibt einen Verteilungskampf, um einen gerade erst abgeschlossenen TV-Vertrag.

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Einige Vereine rufen die große Umverteilung zulasten anderer Vereine aus, um die große Ungerechtigkeit der Vergangenheit zu beseitigen und vermeintliche Wettbewerbsgleichheit herzustellen. In normalen Wachstumszeiten kann man eine solche Diskussion führen und eigene Interessen verfolgen. Vor vier Jahren habe ich sie im Rahmen der Diskussion um den aktuellen Verteilungsschlüssel selbst geführt, um die Interessen der 2. Liga zu wahren.

Jetzt aber ist die Situation grundlegend anders: Der Fußball befindet sich in seiner größten existenziellen Krise und muss mit Geschlossenheit und Solidarität dem drohenden wirtschaftlichen Kollaps und der schwindenden Akzeptanz begegnen.

Der Profifußball in Deutschland schaffte im Frühjahr den Restart vor allen anderen Profiligen der Welt, was zu Recht eine weltweit beachtete Leistung war. Dies ist der überzeugenden Arbeit von Christian Seifert und seinem Team zu verdanken, gelang aber auch deshalb, weil die Vereine im Angesicht des Abgrundes als Einheit handelten und den Neustart nicht zerredeten.

Von diesem Geist ist nicht viel geblieben. Es scheint, als schielen einige Vereine weiter darauf, neue Einnahmen für sich selbst aus einer anderen Verteilung des Fernsehgeldes zu generieren. Das ist doppelt schlecht.

Erstens werden TV-Mehreinnahmen aus einer geänderten Verteilung nicht reichen, um die Corona Ausfälle zu kompensieren. Viel schlimmer ist aber die weiter schwindende Identifikation der Fans und der Bevölkerung mit dem Fußball. Kein Mensch, der gerade selbst um seinen Arbeitsplatz fürchtet, kann nachvollziehen, dass der Fußball gerade nichts anderes tut, als sich um die Verteilung von Milliarden zu streiten, die andere gar nicht haben.

Zusätzlich wird die Solidarität der Vereine untereinander leichtfertig aufs Spiel gesetzt und vorgegaukelt, dass die Großen die Kleinen brauchen. Das war schon vor Corona nicht der Fall.

Corona beschleunigt auch hier die Entwicklung durch die finanziellen Nöte des Fußballs in Europa insgesamt. Es wäre fatal, wenn die großen deutschen Vereine sich wegen einer öffentlichen Verteilungsdebatte aus der Bundesliga in eine Super Liga verabschieden würden.

Das ist durch die Corona bedingte Beschleunigung des Projektes kein abstraktes Drohszenario mehr: Der FC Barcelona hat gerade seinen Beitritt zur europäischen Super Liga verkündet, die sich offensichtlich bereits gegründet hat.

Zum Autor: Robert Schäfer startete seine Karriere als Funktionär im Fußball beim TSV 1860 München. Über Dynamo Dresden landete er 2016 bei Fortuna Düsseldorf und fungierte dort bis April 2019 als Vorstandsvorsitzender. Zudem war er von September 2016 bis August 2019 auch Aufsichtsratsmitglied der DFL.