Keine Streiks bei der Deutschen Bahn in den Sommerferien — dafür könnte es im August zu längeren Arbeitskämpfen kommen

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Freie Bahnfahrt zu Beginn der Sommerferien in Deutschland: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat am Donnerstag in Berlin erklärt, zunächst ihre Mitglieder über mögliche Streiks abstimmen zu lassen.

Die Stimmen sollen am 9. August ausgezählt werden - bis dahin drohen also keine Warnstreiks bei der Bahn. Sollte die Mehrheit der Mitglieder für Streiks stimmen, drohten längere Streiks, „die bestimmt nicht bloß zwei oder drei Stunden dauern“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky in einer Pressekonferenz. „Es gibt keine gute Zeit für einen Arbeitskampf bei der Bahn“, erklärte Weselsky mit Blick auf den öffentlichen Druck in Bezug auf Streiks ausgerechnet zu Beginn der Sommerferien. Der Gewerkschafts-Boss ist sich sicher, dass die Streikbereitschaft hoch sei: "Der Raum ist gefüllt mit einem explosiven Gas-Luft-Gemisch. Wir müssen nur das Streichholz rein halten und es anzünden."

Forderungen der GDL sind der Bahn zu hoch

Bahn und GDL machen sich gegenseitig für das Scheitern der bisherigen Tarifverhandlungen verantwortlich. Die GDL fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent und eine deutliche Corona-Prämie im laufenden Jahr. Nach Lesart der Bahn summieren sich die gesamten Forderungen aber auf etwa das Dreifache davon. Das Unternehmen will sich wegen der Pandemie am "Notlagentarifvertrag" der Flughäfen orientieren, der eine ähnliche Erhöhung um 3,2 Prozent auf einen längeren Zeitraum und spätere Stufenpunkte verteilen würde.

Die Konkurrenzgewerkschaft EVG hatte schon im vergangenen Herbst einen Tarifabschluss unterschrieben. Ab Anfang 2022 erhalten die Beschäftigten 1,5 Prozent mehr Geld – wenig im Vergleich zu Tarifrunden in besseren Zeiten. Dafür sind bis Ende 2023 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Die GDL will nun mit Streiks mehr herausholen.

Deutsche Bahn: GDL soll an den Verhandlungstisch zurückkehren

Die Bahn hat die Gewerkschaft wiederholt aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Es lägen fundierte Angebote für mehr Lohn und zusätzlichen Kündigungsschutz auf dem Tisch, zu denen die GDL-Spitze bislang seriöse Verhandlungen verweigert habe, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Die GDL wolle nach den harten Pandemie-Monaten die Aufbruchsstimmung zunichtemachen.

Steigende Buchungszahlen hatten den Staatskonzern gerade auf eine Atempause in der Corona-Krise hoffen lassen. Eine Lücke von mehr als 4 Milliarden Euro habe die Krise allein 2020 gerissen. Bis 2024 rechnet der ohnehin stark verschuldete Konzern mit einem Gesamtschaden von rund 10 Milliarden Euro durch die Pandemie.

Mit Material der dpa

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