„Keine schlechten Menschen“: Ein 15-jähriger Kölner auf Spielbergs Spuren

Der Gymnasiast Justus Eifler hat bereits seine erste Kinoproduktion gedreht.

So etwas Profanes wie einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde hat er nie angestrebt. Und dass er Steven Spielberg toppen wollte, der seinen allerersten Film bereits mit 16 Jahren drehte, behauptet Justus Eifler nur zum Spaß. Ganz ernst ist es dem Schüler aus dem Königin-Luise-Gymnasium allerdings mit seinem beruflichen Plänen: Der 15-Jährige will Drehbuchautor und Regisseur werden. Ach was – will. Er ist es bereits. Am Mittwoch, 28. Juni, läuft im Turistarama-Kino (Lupe II) am Mauritiussteinweg um 19 Uhr sein filmisches Erstlingswerk: „Keine schlechten Menschen“.

Der 45 Minuten lange Schwarz-Weiß-Streifen erzählt von einem Jungen, der von seinem einzigen Freund dazu gedrängt wird, Einbrüche zu begehen und dabei Geld zu stehlen. Davon will er Schmuck kaufen, um die Aufmerksamkeit einer Mitschülerin zu gewinnen.

Wenn man weiß, dass Eifler bei diesem No-Budget-Projekt neben der Regie auch für Drehbuch, Kamera, Schnitt und Organisation verantwortlich war, wird man die Frage, von wem die Filmmusik stammt, allenfalls rhetorisch stellen wollen. Natürlich auch von ihm. „Wenn man so was macht, macht man es richtig!“

Kein Interesse an Youtube und Serien

Wenn ein Neuntklässler davon schwärmt, welche Faszination Fritz-Lang-Filme wie „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ auf ihn ausüben, vermutet man, dass er wohl schon mit Vorträgen von Vater oder Mutter über den künstlerischen Wert von Schwarz-Weiß-Filmen aufgewachsen ist. Weit gefehlt: Als Friseure mit eigenem Salon in Riehl waren beide Elternteile definitiv einer nuancenreichen Farbwelt zugetan. Während sie jedoch damit beschäftigt waren, ihrer Kundschaft die richtige Tönung zu verpassen, tauchte ihr jüngerer von zwei Söhnen in die Faszination des „Film Noir“ ein oder berauschte sich an Hitchcock-Klassikern.

Anders als andere Teenager hatte Eifler nie Interesse an der sich ständig selbst überholenden Youtube-Welt. Nach einem Versuch mit „Dr. House“ stand für ihn bereits fest, dass Serien nicht sein Ding sind. „Ich mag auch Fernsehen nicht.“ Er sei jemand, der aus der Beobachtung der Wirklichkeit oder aus Büchern, die er liest, Anregungen für seine Drehbücher ziehe.

Kürzlich sei er bei der Lektüre der morgenländischen Erzählungen „Tausendundeine Nacht“ bei Aladin hängengeblieben. Und sofort habe er eine Idee gehabt, wie man aus dem nicht so bekannten Teil der Geschichte einen Western machen könnte, der quasi in der Zeit der Französischen Revolution in Deutschland spielt.

Wenn er seine schon ziemlich detailgenauen Vorstellungen ausbreitet, ist der 15-Jährige schwer zu bremsen. Man kann sich gut vorstellen, wie im Hause Eifler Tischgespräche ablaufen, obschon der Junge beteuert, nicht immer den größten Redeanteil zu haben.

Drehbücher werden per Hand geschrieben

Aus dem Mund eines 15-Jährigen klingen Satzanfänge wie „Früher habe ich noch...“ zwar ein wenig so, als wolle eine Euro-Münze von der guten alten D-Mark-Zeit erzählen. Andererseits muss man anerkennen, dass dieser Teenager in der Lage ist, differenzierte Bewertungen abzugeben, anstatt Dinge einfach nur „mega“, „krass“ oder „geil“ zu finden. Ist bei ihm eigentlich schon mal ein Intelligenztest gemacht worden? Justus grinst. Sein IQ liege bei 127, entgegnet er, „damit bin ich drei Punkte von hochbegabt entfernt“.

Gleichwohl hat er bereits als Siebenjähriger Kurzgeschichten geschrieben und ist als Viertklässler mit einem – für seine Zwecke jedoch nur bedingt tauglichen – Camcorder zu Werke geschritten. Außerdem begann er, Drehbücher zu verfassen, die der Schüler bis heute per Hand schreibt. Dass er dies nicht irgendwo im Freibad oder im Park tut, verrät die auffallend bleiche Haut am Unterarm, die so wirkt, als sei sie noch nie mit einem direkten Sonnenstrahl in Kontakt gekommen.

Sorgen, dass der junge Mann einen eklatanten Vitamin-D3-Mangel aufweisen könnte, muss man trotzdem nicht haben. „Ich war mal sehr antisozial, als ich zehn oder zwölf war, das bin ich jetzt nicht mehr so“, erklärt der 15-Jährige. „Und so der Stubenhocker bin ich auch nicht mehr.“

Darsteller für neues Projekt gesucht

Danach befragt, welchen Film er als allererstes gesehen hat, denkt Justus länger nach; fast so lang, als müsse er ein fünfzig Jahre altes Gedächtnis durchforsten. „»Star Wars« vielleicht.“ Und Bud-Spencer-Filme habe er auch schon relativ früh geguckt. „Fand ich absolut genial.“

Sein Vater sei eher der Fotografierer, berichtet der Schüler. Allerdings stammt von dem die Kamera, mit der er den Kinofilm drehte, an dem überwiegend Mitschüler mitwirkten. Gage konnte sich der Regisseur natürlich keine aus dem Ärmel schütteln, aber das Essen, betont er, habe er bezahlt. Er habe so viele Filmideen, dass er – so das Geld reiche – bis zum 80. Lebensjahr beschäftigt wäre.

Sein nächstes Projekt möchte er im kommenden Jahr realisieren, einen Film, bei dem eine Entführung und eine Lösegeld-Erpressung im Mittelpunkt stehen wird. Für die Dreharbeiten im Sommer 2018 suche er noch weibliche und männliche Darsteller im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Wer Interesse hat, soll diesen Mittwoch zu seiner Filmpremiere kommen.

Justus Eifler feiert im November seinen 16. Geburtstag. Dass er in seiner Freizeit keine Kölschgläser leert, über keinen Fußballplatz fegt und keine Ambitionen hegt, die perfekte Grastüte zu drehen, wird spätestens dann zum Thema werden, wenn er Steven Spielberg in Hollywood abgelöst hat.

„Keine schlechten Menschen“ ist der Titel des 45-minütigen Films von Justus Eifler, der am Mittwoch, 28. Juni, um 19 Uhr im Kino Turistarama, Mauritiussteinweg, zu sehen ist....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta