Keine Panik, ein Fehler wird dich nicht ruinieren

Sven Vogel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Alle vier Jahre bringen die olympischen Winterspiele traurige, glückliche und einfach unglaubliche Geschichten hervor – auch dieses Jahr in Pyeongchang.

Mich persönlich haben die Biathlon-Rennen ganz besonders begeistert. Erstens, weil auch ich jeden Winter regelmäßig im Skating-Schritt die Loipe jage, oder vielmehr im Vergleich zu den olympischen Biathleten krieche. Und zweitens, weil die Kombination aus Kraft, Ausdauer und Athletik in der Loipe und aus Ruhe, Konzentration und Nervenstärke am Schießstand einfach ein faszinierender Mix ist.

Vor dem ersten Rennen in Pyeongchang, dem 10 Kilometer-Sprint, gab es nur eine Frage: Johannes Thingnes Bø oder Martin Fourcade – welcher der beiden Ausnahmeathleten steht am Ende der 10 Kilometer und zweier Schießübungen ganz oben auf dem Siegerpodest? Aber es kam dann ganz anders.

Auf eine Entfernung von 50 Metern fanden bei beiden Favoriten nur zwei der notwendigen fünf Kugeln den Weg in die Zielscheiben mit einem Durchmesser von 4,5 cm. Beide Favoriten verloren in den drei nun notwendigen Strafrunden wertvolle Zeit. Der Traum vom olympischen Gold war passé.

Aber nun genug von Biathlon, denn bei The Motley Fool geht es noch immer ums Investieren. Und glücklicherweise bedeutet beim Investieren ein einzelner oder auch mehrere Fehler nicht gleich das Aus vom Traum von marktschlagenden Renditen.

Einzelne Investitionsfehler werden dich nicht ruinieren

Während beim Biathlon am Schießstand wenige Millimeter zählen und zwei oder drei Fehler oftmals über Sieg und Niederlage entscheiden, ist die Fehlertoleranz beim Investieren deutlich höher – zumindest, wenn man die Sache richtig angeht.

Natürlich, wir alle wollen auch beim Investieren keine Fehler machen, das sollte unser Anspruch sein. Aber es ist utopisch, immer alles richtig zu machen – ganz besonders beim Investieren. Denn hier geht es um die Zukunft. Es geht darum, wie sich Unternehmen entwickeln, welche Trends die kommenden Jahre bestimmen und welche Unternehmen von diesen Trends profitieren werden und welche eben nicht.

Wir sollten also davon ausgehen, Fehler zu machen und unsere persönlichen Aktiendepots sollten diese Fehler verkraften können. Das ist gar nicht so schwer, denn es geht einfach darum, eine ausreichende Anzahl unterschiedlicher Aktien im Depot und einen langen Zeithorizont zu haben.

Wie groß diese Anzahl nun exakt sein soll, darüber lässt sich trefflich streiten. Ein guter Richtwert dürften aber 15 oder mehr unterschiedliche Aktien sein. Über einen langen Zeitraum sollten deine Gewinneraktien deine persönlichen Fehler mehr als ausgleichen. Denn während eine Verliereraktie nur maximal 100 % an Wert verlieren kann, kann eine Gewinneraktie mehrere 1.000 % steigen. Ich nenne das die Ungleichverteilung von möglichen Gewinnen und möglichen Verlusten.

Natürlich sollte man sich dabei dann auch auf Aktien von Unternehmen einlassen, die über einen langen Zeitraum das Potential für eine Verzehnfachung ihres aktuellen Wertes haben. In meinen Augen sind das aber nicht gecrashte Penny-Stocks oder heiße Turnaround-Wetten, sondern eher die besten Wachstumsaktien.

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