Keine Entwarnung bei Schiffskrediten

Die NordLB baut zwar ihr Schiffskreditportfolio schneller ab als erwartet. Doch die Risikovorsorge für die Schiffsdarlehen belastet weiterhin das Ergebnis. Und die Landesbank kämpft noch an weiteren Fronten.


Die NordLB erzielte im ersten Halbjahr ein Ergebnis vor Steuern von 409 Millionen Euro, das maßgeblich auf eine signifikante Verringerung der Risikovorsorge von einer Milliarde Euro auf 446 Millionen Euro zurückzuführen ist. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 364 Millionen Euro angefallen. Auf ein konkretes Ergebnis für das laufende Jahr wollte sich Vorstandschef Thomas Bürkle nicht festlegen. „Wir halten an unserem Ziel fest, für 2017 wieder einen Gewinn zu erwirtschaften. Oberste Priorität hat weiterhin die Stärkung unserer Kapitalquoten“, so Bürkle.

Nach dem Rekordverlust von rund zwei Milliarden Euro im vergangenen Jahr versucht die NordLB, in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Die Schiffssparte, die mit einer Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite in Höhe von drei Milliarden Euro für den riesigen Verlust 2016 verantwortlich war und die Eigenkapitalquote gedrückt hatte, steht aber weiter vor großen Herausforderungen. „Die Risikovorsorge für Schiffskredite drückt weiter unser Ergebnis. Eine nachhaltige Belebung an den Schiffsmärkten ist weiterhin nicht festzustellen“, beschrieb Bürkle die Situation.


Angesichts der lang anhaltenden Schiffskrise hatte die NordLB schon 2015 beschlossen, das Schiffskreditportfolio von damals 19 Milliarden Euro abzubauen. Bereits in diesem Jahr und damit ein Jahr früher als geplant will die NordLB ihre Zielgröße – zwölf bis 14 Milliarden Euro – erreichen. Von den aktuellen Schiffskrediten in Höhe von 14,5 Milliarden Euro gelten 9,1 Milliarden Euro als ausfallgefährdet. Diese sind durch eine Risikovorsorge von 4,1 Milliarden Euro abgeschirmt, was einer Quote von 45 Prozent entspricht. Ratingagenturen halten diese Quote für tendenziell zu niedrig.

Die nach der Bilanzsumme drittgrößte Landesbank kämpft an verschiedenen Fronten. Zwar wird die Fusion mit der Bremer Landesbank am 31. August 2017 formell vollzogen, doch die Bank wird noch Monate mit der Integration beschäftigt sein. Die vollständige Übernahme der Bremer Landesbank und den erlittenen Verlust der NordLB, der das Eigenkapital reduzierte, hat Vorstandschef Bürkle zum Anlass genommen, alle Beteiligungen auf den Prüfstand zu stellen. Bis Ende 2020 will die NordLB Kosten von 150 bis 200 Millionen Euro einsparen und mit bis zu 1250 Stellen weniger auskommen – jeder fünfte Arbeitsplatz steht damit zur Disposition.


Parallel hat das Institut die Investmentbank Rothschild beauftragt, nach Käufern für die Immobilientochter Deutsche Hypo zu suchen. Die Deutsche Hypo zählt zwar zu den Perlen der NordLB. Von einem Verkauf könnte die NordLB aber doppelt profitieren – die Bank könnte einen anständigen Kaufpreis erzielen und durch den Abbau von Risikoaktiva Eigenkapital freisetzen. Bis Ende des Jahres soll eine Entscheidung fallen.

Die NordLB gehört traditionell zu den eigenkapitalschwächsten Landesbanken. Im ersten Halbjahr ist es der Bank gelungen, die Eigenkapitalquote auf 11,5 Prozent zu erhöhen, nachdem sie Ende März durch die anteilige Verrechnung der Verluste auf 10,5 Prozent gesunken war. Damit erfüllt die Bank zwar problemlos die Vorgaben der Finanzaufsicht, doch im Lager der Landesbanken ist die NordLB damit Schlusslicht. Der Spitzenreiter Landesbank Baden-Württemberg weist eine harte Kernkapitalquote von 15,9 Prozent aus.