"Kein sportliches Projekt" - Marseille versinkt im Chaos

Lukas von Hoyer

Bei Olympique Marseille ist die allgegenwärtige Coronakrise derzeit nicht das größte Problem. 

Im Gegenteil: Durch den Abbruch der Saison in der Ligue 1 hat sich der Traditionsklub endlich wieder für die Champions League qualifiziert. Zum ersten Mal seit sieben Jahren. 


Dennoch ist im Verein in der Hafenstadt im Süden von Frankreich das reine Chaos ausgebrochen. Im Mittelpunkt stehen Schulden, die Vereinspolitik und die Unsicherheit um die Zukunft von Trainer André Villas-Boas.

Villas-Boas: "Kein sportliches Projekt mehr"

Am Donnerstag kam es zur Trennung von Andoni Zubizarreta, der bis dahin als sportlicher Leiter des Klubs fungierte.

An eben diesem Tag kündigte Präsident Jacques-Henri Eyraud an, in diesem Sommer 60 Millionen Euro durch Spielerverkäufe einnehmen zu wollen. Trotz aller Widrigkeiten, die es wegen der Krise auf dem Transfermarkt wohl geben dürfte. 

Der Grund für die drastische Vereinspolitik ist, dass Marseille schon seit einiger Zeit mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat. Laut RMC fehlen dem Verein derzeit rund 90 Millionen Euro. 

Die "einvernehmliche Trennung" von Zubizarreta dürfte ihre Gründe in der Ankündigung Eyrauds haben. Das größte Problem: Villas-Boas hat seine Zukunft bei OM eigentlich an die Zubizarretas geknüpft. Der Vertrag des Portugiesen läuft noch bis 2021, ob er in der kommenden Saison tatsächlich auf der Trainerbank sitzt, ist derzeit aber alles andere als sicher. 

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"Das ist kein sportliches Projekt mehr, sondern ein finanzielles", soll Villas-Boas laut L´Equipe nach Eyrauds Ansage entgegnet haben. Bei den Fans ist der Coach sehr beliebt, von Experten wird er geschätzt. 

Eyraud bemüht sich derzeit um Schadensbegrenzung: "Ich hoffe, dass er noch viele Jahre bleiben wird", sagte er in Richtung Villas-Boas. "Nicht jeder steht zum Verkauft", in Richtung der Spieler.

Die erhitzen Gemüter der Fans konnte er damit kaum beruhigen. 

Übernahme durch Investor aus Saudi-Arabien?

Dem Ausverkauf von OM könnte beispielsweise Defensivtalent Boubacar Kamara zum Opfer fallen. Der 20-Jährige sollte als Eigengewächs des Klubs eigentlich als Aushängeschild der Jugendarbeit fungieren.

Jetzt steht er aber vor dem Abschied. Frankreichs Serienmeister Paris Saint-Germain soll bereits Interesse signalisiert haben.


Was zu all den Unsicherheiten noch hinzukommt, ist ein Bericht der Tutto Mercato, wonach Olympique Marseille an einen Investor aus Saudi-Arabien verkauft werden soll. Dabei soll es sich um Prinz Al-Waleed Bin Talal handeln.

Sollte es tatsächlich dazu kommen, wären die finanziellen Probleme wohl Geschichte. Die als äußerst enthusiastisch geltenden Fans des Klubs wären dann aber wohl kaum mehr zu besänftigen.