Comeback-Held del Potro - selbst Federer verneigt sich

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Roger Federer verlor sein Viertelfinale gegen den Argentinier Juan Martin del Potro

Roger Federer konnte es kaum erwarten, dem Partycrasher von New York den roten Teppich auszurollen.

Keine zehn Minuten nach seinem bitteren Viertelfinal-K.o. bei den US Open gegen Juan Martin del Potro saß der Schweizer um Punkt Mitternacht vor der Weltpresse.

Und seine Analyse war der eines Superstars mehr als würdig.

Federer verneigt sich vor del Potro

"Es ist besser, dass ich ausgeschieden bin und jemand anders jetzt die Chance bekommt, es besser zu machen. Juan wird im Halbfinale eine größere Chance auf einen Sieg haben, als ich es hätte. Er hat es verdient", sagte Federer nach dem 5:7, 6:3, 6:7 (8:10), 4:6 im Duell mit dem Argentinier.

Das Traum-Halbfinale gegen Rafael Nadal? Geplatzt!

Federer, der im Tiebreak vier Satzbälle und eine mögliche 2:1-Satzführung vergab, gestand sogar eine Verunsicherung ein. "Ich habe gespürt, dass für mich im Halbfinale kein Platz war. Meine Leistung war körperlich, mental und spielerisch nicht gut genug, um solch ein Turnier gewinnen zu können."

Dieses Gefühl eigener Schwäche und Verletzbarkeit, nein, das möge er gar nicht, verriet der diesjährige Wimbledon- und Australian-Open-Champion in einer denkwürdigen Fragerunde: "Ich habe schon das ganze Turnier über gespürt, dass ich verlieren werde, wenn ich auf einen guten Gegner treffe."

Del Potro fordert Nadal

In der Vorschlussrunde von Flushing Meadows steht nun del Potro (Nr. 24), der hünenhafte Gaucho mit der Hammer-Vorhand und dem sanften Gemüt.

Bereits im kräftezehrenden Achtelfinale gegen den Österreicher Dominic Thiem (Nr. 6), in dem er zwei Matchbälle abgewehrt hatte und mit 0:2-Sätzen zurück lag, hatte er mit einem epischen Comeback die Massen begeistert.

Nach dem Triumph über Federer bekreuzigte sich del Potro unter den Jubelgesänge seiner Fans. Und das fast exakt acht Jahre nach seinem Sieg gegen Federer im US-Open-Finale 2009 an selber Stelle.

Comeback-Story nach Operationen und Depressionen

"Dieser neuerliche Erfolg an diesem besonderen Ort war so wichtig für mich. Gegen Roger ist es nicht leicht, die Liebe der Zuschauer zu erobern", sagte der Weltranglisten-28.

Nach drei Handgelenk-Operationen und Depressionen war der "Turm von Tandil" zeitweise bis auf Platz 1045 des Rankings (Februar 2016) abgestürzt.

Während Federer vor dem Endspurt einer "insgesamt tollen Saison" erst einmal pausiert, rüstet sich Nadal für den Schlagabtausch mit del Potro. "Er hat wahrscheinlich die schnellste Vorhand auf der Tour", sagte der French-Open-Rekordsieger, der seinen dritten New-York-Titel holen will.

Kein Duell Federer vs. Nadal

Del Potro war beim Match gegen Federer für viele an diesem Abend aber einfach nur ein Spielverderber.

"Delpo" verhinderte durch seine Gala das ersehnte Traum-Halbfinale zwischen Federer und dem topgesetzten Nadal, der seine Weltranglistenführung nun vorerst behalten wird.

Es wäre die 38. Auflage des in dieser Saison wiederbelebten Klassikers gewesen - und kurioserweise der erste Vergleich der Dauerrivalen bei den US Open. Gut möglich, dass dieser weiße Fleck auf der historischen Tennis-Karte für immer bleibt.

Bezeichnend für das allgemeine Wunschdenken war, dass Nadal nach seinem lockeren 6:1, 6:2, 6:2 im Viertelfinale gegen den 19-jährigen Andrej Rublew (Russland) sieben Fragen zu einem möglichen Duell mit Federer beantworten musste - und nur eine zu del Potro. Ein paar Stunden später aber war nur noch diese relevant.

Federer leistet sich ungewohnte Fehler

Nicht zuletzt, weil Federer vor 23.771 Zuschauern im ausverkauften Arthur-Ashe-Stadium ungewohnte Fehler (41 Unforced Errors) fabrizierte. In seiner Box war nicht nur Vogue-Chefin Anna Wintour und Ikone Stefan Edberg die Anspannung anzusehen.

Symptomatisch: Ein ins Netz geschlagener Überkopfball des 19-maligen Major-Champion im vierten Satz ermöglichte del Potro einen Breakball, den der argentinische Davis-Cup-Held zur vorentscheidenden 3:2-Führung nutzte.

Im anderen Halbfinale stehen sich ebenfalls am Freitag Pablo Carreno Busta (Spanien/Nr. 12) und Kevin Anderson (Südafrika/Nr. 28) gegenüber.