Kein Durchbruch beim Stahlgipfel

Weltweite Überkapazitäten werden die Stahlbranche weiterhin beschäftigen. Vor allem China produziert weit mehr Stahl als benötigt wird. Der G20-Stahlgipfel in Berlin brachte keine konkreten Fortschritte.


Der G20-Stahlgipfel in Berlin hat den Konflikt über Überkapazitäten und Strafzölle im weltweiten Stahlgeschäft nicht grundlegend gelöst. Offiziell bewertet die Gastgeberin, Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), den Gipfel am Donnerstag zwar positiv: „Ich freue mich sehr, dass sich die G20 Staaten und weitere OECD Länder auf einen Stahl-Bericht mit konkreten Handlungsempfehlungen zum globalen Kapazitätsabbau im Stahlbereich verständigt haben“, sagte die Ministerin. Zugleich räumte sie aber ein, es gebe keine konkreten Verabredungen zum Kapazitätsabbau.

Der US-Stabschef im Büro des Handelsbeauftragten, Jamieson Greer, bemängelte: „Die grundlegenden Probleme sind noch nicht wirklich angegangen worden.“ Die USA würden sich daher weiterhin vorbehalten, in geeigneter Weise auf Marktverzerrungen zu reagieren, erklärte er mit Blick auf angekündigte Pläne für Strafzölle auf Stahl aus dem Ausland, die nach wie vor auf dem Tisch liegen.

Chinas Vize-Minister Li Chenggang bekundete die grundsätzliche Bereitschaft des weltgrößten Stahlproduzenten zum weiteren Abbau von Produktionskapazitäten.


Nach Schätzungen der OECD liegen die Überkapazitäten weltweit bei knapp 900 Millionen Tonnen – einem Verbrauch von 1,6 Milliarden Tonnen steht eine Produktionskapazität von gut 2,4 Milliarden Tonnen gegenüber. Mehr als die Hälfte der Überkapazitäten entfallen auf China. Trotz aller Bekundungen der Regierung in Peking, alte Stahlwerke zu schließen, geht selbst die OECD davon aus, dass die chinesischen Stahlkonzerne ihre Produktion in diesem und im kommenden Jahr noch einmal leicht ausweiten werden. Aber auch die europäischen Stahlkocher produzieren mehr als nachgefragt wird: Die Differenz liegt zwischen 30 und 40 Millionen Tonnen – auch hier ist eine Reduzierung nicht in Sicht.

Gerade chinesische Konzerne haben in den vergangenen Jahren ihre Überproduktion auf die weltweiten Märkte geworfen und dadurch einen dramatischen Preisverfall ausgelöst, der gerade europäische Stahlhütten in Existenznöte gebracht hat. Die EU und auch die USA haben auf diese, aus ihrer Sicht „unfairen Praktiken“ mit zahlreichen Anti-Dumping-Maßnahmen geantwortet. Dadurch, aber auch wegen der guten Nachfrage nach Stahl und Erzeugnissen aus diesem Werkstoff – vor allem aus der Autoindustrie und dem Maschinenbau –, haben sich die Preise in diesem Jahr deutlich erholt. Viele Stahlkonzerne aus Europa schreiben wieder kräftige Gewinne.