Kein Anschluss unter dieser Flugnummer

Die Air Berlin-Pleite trifft Geschäftsreisende, Touristen – und Politiker: Mindestens bis Januar gibt es keine Flüge zwischen dem Saarland und Berlin. Wie Altmaier, Wagenknecht und Co. trotzdem in die Hauptstadt kommen.


Wenn am Freitagabend die letzten Kurzstreckenflieger der insolventen Air Berlin auf den Landebahnen dieser Republik aufsetzen, endet für viele Stammgäste der Fluggesellschaft eine Ära: Geschäftsreisende, die etwa im Wochentakt zwischen München und Berlin pendeln, werden sich dann ebenso nach einer Alternative umsehen müssen, wie Touristen, die bisher traditionell mit dem Billigflieger in ihren Jahresurlaub nach Mallorca geflogen sind.

Während die meisten von ihnen schon ab Samstag bei der Lufthansa oder ihrer Tochter Eurowings unterkommen dürften, stehen viele Bundespolitiker aus dem Saarland, die regelmäßig zwischen dem Flughafen in Saarbrücken und Berlin-Tegel hin- und herfliegen müssen, vor einem Problem: Für ihre Strecke fand sich nach Verhandlungen der Landesregierung mit der luxemburgischen Fluggesellschaft Luxair zwar am Montag zügig eine Nachfolgerin. Doch die wird den Betrieb erst im nächsten Jahr aufnehmen.

Mit den Bundestagsabgeordneten Peter Altmaier (CDU), Simone Peter (Grüne), Sahra Wagenknecht (Linke), Heiko Maas (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ist von dem mehrmonatigen Ausfall der Strecke die A-Riege der Bundespolitik betroffen: Altmaier ist Kanzleramtsminister und soll bis zur Bildung einer Regierung auch kommissarisch das Finanzministerium leiten. Peter und Wagenknecht dürften allein in ihrer Funktion als Partei- beziehungsweise Fraktionsvorsitzende mehrmals im Monat zwischen ihren Wohnsitzen im Saarland und ihrem Arbeitsplatz in Berlin pendeln, während Maas noch bis zur Regierungsbildung als kommissarischer Justizminister verpflichtet ist.


Bisher flog Air Berlin rund 170.000 Passagiere im Jahr aus Saarbrücken in die Hauptstadt, vier Maschinen starteten pro Tag. Anders als viele andere Flughafen-Standorte, wie das rund 180 Kilometer entfernte Frankfurt, ist Saarbrücken eher schlecht an das Schienennetz der Deutschen Bahn angeschlossen, was das Problem noch verschärft.

Erst im Sommer übergab die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) öffentlich eine „Saarbrücker Erklärung“, unter anderem an Verantwortliche der Deutschen Bahn. Darin beklagt sie die „seit 1994 rückläufige Anzahl an Fernverkehrsverbindungen“ in ihre Stadt. Zwischen 11 und 15 Uhr sei Saarbrücken täglich „ein reiner Regionalverkehrsbahnhof ohne ICE-Verbindungen“.

Grünen-Chefin Simone Peter sagte dem Handelsblatt dennoch: „Für mich steht die Bahn als Verkehrsmittelalternative klar an erster Stelle.“ Mit dem Flugzeug sei sie „von Tür zu Tür rund drei Stunden unterwegs“, mit der Bahn dauere es vier bis fünf Stunden länger. „Aber in der Regel sind die Aktenberge so groß, dass ich die Zeit im Zug gut füllen kann“, so Peter.


Air Berlin-Pleite kostet den Steuerzahler


Fährt sie vor 11 Uhr morgens, kann sie die Strecke nach Berlin innerhalb von sechseinhalb Stunden mit dem französischen Schnellzug TGV und dem ICE mit Umstieg in Mannheim schaffen. Fährt sie danach, muss sie bis Mannheim mit der Regionalbahn vorliebnehmen, die etwa eine halbe Stunde länger unterwegs ist.

Die kürzlich wiedergewählte Fraktionschefin der Linken, Sahra Wagenknecht, bleibt dem Fliegen treu – und will bis zum Januar vorerst auf den Frankfurter Flughafen ausweichen. „Der Zeitverlust beträgt etwa zwei Stunden“, sagte Wagenknecht dem Handelsblatt. Ob die Flüge dadurch auch teurer werden, wisse sie allerdings nicht: „Da ich vor allem mandatsbezogen fliege und die Kosten vom Bundestag getragen werden, entzieht sich die Höhe möglicher Mehrkosten meiner Kenntnis.“

Grundsätzlich werden Dienstreisekosten für Inlandsflüge, Übernachtzüge und „sonstige schienengebundene Verkehrsmittel“ bis zur höchsten Klasse vom Bundestag übernommen, die jeweilige Verkehrsverbindung hängt jedoch vom Einzelfall ab. Ob die Bundestagsverwaltung nach der Air-Berlin-Insolvenz mit steigenden Reisekosten der Abgeordneten rechnet, konnte Bundestagssprecher Claus Hinterleitner nicht beantworten.


Mittelfristig dürfte es für den Steuerzahler aber auf jeden Fall teurer werden – nämlich dann, wenn der Flugverkehr zwischen Saarbrücken und Berlin ab dem 1. Januar 2018 von der Luxair übernommen wird. Die Airline, die mehrheitlich dem luxemburgischen Staat gehört, gilt im Gegensatz zur Air Berlin nicht gerade als günstig.

Luxair rechnet ausgehend von den bisherigen Beförderungszahlen mit 170.000 Passagieren pro Jahr. Schon jetzt können Flugreisende die Strecke über die Portale von Luxair und dem Saarbrücker Flughafen buchen, angeboten werden bisher drei Flüge pro Tag. Am Dienstagnachmittag ließ sich ein Flug am 1. Januar 2018 für rund 215 Euro buchen – fast anderthalb mal so teuer wie einst bei Air Berlin.