Kauft sich die Premier League in den Ruin?

Sebastian Mittag, Robin Wigger
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Der Transfermarkt in Europa läuft auf Hochtouren! Und einige Mega-Wechsel sind bereits fix. Vor allem in der Bundesliga, die bis Ende Juni bereits rund 295 Millionen Euro investiert hat

Satte Gehälter, exorbitante Ablösesummen, ein spannender Wettbewerb: England ist aktuell das gelobte Land des Fußballs.

Doch die Premier League steht finanziell vor massiven Problemen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Finanzanalysten "Vysyble".

Die Untersuchung mit dem Titel ""Wir sind so reich – das ist unglaublich! Die Illusion von Vermögen im Fußball" kommt zu dem Schluss: Wenn die englischen Klubs so weiter wirtschaften wie bisher, ist der Ruin unaufhaltsam.

Rund eine Million am Tag verbrannt

Die Autoren der Studie analysierten die Spielzeiten von 2008 bis 2016 und berechneten, dass die Vereine in diesem Zeitraum rund 2,26 Milliarden Euro verbrannten.

Aktuell verlieren die Klubs der höchsten englischen Liga demnach 876.000 Pfund pro Tag, also knapp eine Million Euro.

Zur Verdeutlichung: 876.000 Pfund pro Tag - das sind 36.500 Pfund pro Stunde, 608 Pfund pro Minute oder rund 10 Pfund pro Sekunde.

Roger Bell, Co-Autor der Studie erklärte: "Finanziell versagt der Fußball. Die britischen Fußballklubs geben viel, viel mehr aus als sie einnehmen. Die Premier League und Boss Richard Scudamore sollten sich große Sorgen machen."


Bells Kollege John Purcell sagte der Presseagentur PA Sport: "Die meisten Vereine geben mehr aus als sie einnehmen."

Einbußen bei TV-Geldern drohen

Der chronische Ausgabenüberschuss wurde demnach durch zwei Faktoren verursacht. Zum einen durch ausländische Investoren bei Klubs wie Chelsea und City, zum anderen durch den TV-Deal, der das Geld in der Premier League lockerer machte als angemessen.

Investiert wurde in Spieler mit hohen Ablösesummen und teuren Gehältern.

Der derzeitige TV-Vertrag garantiert der Premier League unglaubliche 9,5 Milliarden Euro für drei Jahre ab 2016. Die Klubs müssen sich also auf der Einnahmenseite noch keine Sorgen machen.

Doch die Studie von "Vysyble" warnt: Zwar wurden seit 1991 bei jedem Vertragsabschluss über die Übertragungsrechte noch mehr Einnahmen erzielt - das könnte sich jedoch bereits bei den nächsten Vertragsverhandlungen ändern.


Die Sehgewohnheiten hätten sich verändert, zudem bedrohten illegale Streams im Internet die Einnahmen der Pay-TV-Sender.

Kommt die europäische Superliga?

Sollten die TV-Sender Sky und BT sowie die weltweiten Fernsehanstalten in Zukunft weniger Geld anbieten, könnte das die Zukunft des englischen Fußballs bedrohen.

Bell vermutet, dass die Topklubs Chelsea, Tottenham, Manchester City, Liverpool, Manchester United, Arsenal und Everton dann mit einer europäischen Superliga liebäugeln würden.

Dort könnten sie sich dann mit deutschen, spanischen und italienischen Topklubs messen - bezahlt durch Einnahmen aus einem noch höher dotierten TV-Deal. 

Bell prognostiziert: "Ich vermute wir bewegen uns in Richtung einer europäischen Superliga mit einer neuen Art von Eigentümern, viele von ihnen aus Nordamerika. Sie können dann die Art von Liga organisieren, die sie kennen und verstehen: Ohne Auf- und Abstieg, mit Einkommensobergrenzen und großen TV-Events."