Kaufhof-Mitarbeiter sollen für Sanierung zahlen

Kaufhof will sich Karstadt zum Vorbild nehmen und aus dem Flächentarif aussteigen. Weil das Unternehmen auch dieses Jahr nicht mit einem Gewinn rechnet, sollen die Mitarbeiter deutliche Einschnitte akzeptieren.


Der Warenhauskonzern Galeria Kaufhof will die eigenen Mitarbeiter an der Sanierung des Unternehmens finanziell beteiligen. Angesichts anhaltender Verluste hat Kaufhof-Chef Wolfgang Link die Gewerkschaft Verdi aufgefordert, über den Abschluss eines Sanierungstarifvertrags zu verhandeln. Die Mitarbeiter müssten dabei deutliche Einschnitte akzeptieren.

„Wir brauchen eine wirtschaftliche Atempause“, begründet Link im Interview mit dem Handelsblatt den Vorstoß. „Uns ist klar, dass ein neuer Tarifvertrag für die Mitarbeiter Einschnitte bringt. Aber wir haben keine andere Wahl“, ergänzt er. Wie der Kaufhof-Chef dem Handelsblatt bestätigte, ist die Lage des Unternehmens prekär. Schon im vergangenen Jahr habe Kaufhof einen „deutlichen Verlust“ gemacht. „Und wir erwarten auch für 2017 ähnliche Ergebnisse.“ Auch der Umsatz liege in diesem Jahr erneut unter dem des Vorjahres.


Am Montagabend trafen sich der Kaufhof-Chef und sein Arbeitsdirektor Peter Herlitzius in Berlin mit Verdi-Chef Frank Bsirske und Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger zu ersten Gesprächen. Das Kaufhof-Management hofft, noch vor Weihnachten zu einem Ergebnis zu kommen. Doch angesichts der Komplexität der Materie und der notwendigen Zugeständnisse der Arbeitnehmerseite scheint dieser Zeitplan sehr ambitioniert. Denn verhandelt werden soll über die ganze Palette der Möglichkeiten – von der Kürzung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld, dem Verzicht auf Tariferhöhungen bis zu niedrigeren Einstiegsgehältern. Kaufhof will im Gegenzug langjährige Arbeitsplatzgarantien bieten, jedoch keine Standortgarantien.

In einer ersten Stellungnahme signalisierte die Gewerkschaft zumindest Gesprächsbereitschaft. Verdi werde den Antrag von Kaufhof, über einen Tarifvertrag zu verhandeln, intensiv prüfen, sagte Stefanie Nutzenberger. Sie stellte jedoch Bedingungen. So müsse beispielsweise ein unabhängiger, von Verdi benannter Wirtschaftsprüfer die Zahlen des Unternehmens prüfen. Außerdem verlangte sie überzeugende Konzepte, wie der Umsatz wieder gesteigert werden kann.

Im Gegensatz zu Karstadt und vielen anderen Konkurrenten zahlt Kaufhof bisher noch nach dem Flächentarifvertrag. Dies bedeutet deutlich höhere Personalkosten. Link bezifferte diesen Kostennachteil auf über zehn Prozent. „Das hat über die Jahre zu einer deutlichen Wettbewerbsverzerrung geführt“, so Link.

Während Kaufhof nicht ganz aus der Tarifpartnerschaft aussteigen, sondern nur einen eigenen Tarifvertrag aushandeln will, hatte Karstadt bereits 2013 komplett die Tarifbindung beendet und jahrelang so gut wie keine Gehaltserhöhungen mehr gezahlt. Erst im März dieses Jahres hatte sich Karstadt mit Verdi nach zähen Verhandlungen auf eine schrittweise Rückkehr in den Flächentarif bis zum Jahr 2021 geeinigt. Nach Berechnungen der Gewerkschaft sind die Gehälter dadurch schon um fast zehn Prozent unter den Branchentarif des Einzelhandels gesunken.


Verdi hatte wiederholt betont, dass viele der aktuellen Probleme von Kaufhof erst nach der Übernahme durch den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay Company (HBC) im September 2015 entstanden seien. So habe das Unternehmen durch aggressive Rabatte die Margen verschlechtert und durch eine Anhebung der Mieten für die selbstgenutzten Immobilien den Kostendruck für Galeria Kaufhof zusätzlich verschärft. In der Tat hatte Kaufhof in den Jahren vor der Übernahme zumindest einen kleinen Konzerngewinn ausgewiesen.

Link dagegen macht den Vorbesitzer Metro für einen Großteil der Misere verantwortlich. „HBC hat ein traditionelles Handelsunternehmen übernommen, das in den Jahren davor keine großen strukturellen Maßnahmen mehr angestoßen hat, weil das Unternehmen ja immer zum Verkauf stand“, sagte er. Mit den ausgewiesenen kleinen Gewinnen sei „die Braut jahrelang herausgeputzt“ worden. Die Versäumnisse hätten sich über Jahre summiert. „Und das müssen wir jetzt nachholen.“

KONTEXT

Innovative Kaufhaus-Konzepte

Selfridges: Trends auf der Spur

Das 1843 gegründete Unternehmen ist nach Harrods der zweitgrößte Warenhausbetreiber in Großbritannien. Mit nur vier Filialen macht es einen Umsatz von umgerechnet 1,5 Milliarden Euro. Bei der Inszenierung der Ware und der Zusammenstellung des Sortiments greift das Unternehmen schneller als viele Konkurrenten aktuelle Trends auf. Im vergangenen Jahr beispielsweise griff es die Bewegung der geschlechterlosen Mode auf und präsentierte unter dem Titel "Agender" auf einer Pop-up-Fläche über drei Etagen Männer- und Frauenkleidung gemeinsam. Aufmerksamkeit erzielt hat auch das "Body Studio", das Unterwäsche und Bademoden selbstbewusst zelebriert, zusammen mit einem Beauty Salon und einem Café. In den Mittelpunkt stellt Selfridges stets den Kunden, auch in der Vernetzung mit Online. So konnten sich Kunden beispielsweise Instagram-Fotos auf Geschenkpapier drucken lassen.

La Rinascente: Kunstvolle Imagepflege

Die italienische Kette entstand aus einem 1865 gegründeten Kleidungsgeschäft in Mailand. Heute macht sie mit elf Warenhäusern einen Umsatz von 870 Millionen Euro. Sie gehört zur thailändischen Central Group, die auch an der deutschen KaDeWe Group beteiligt ist. Das Unternehmen versucht mit ungewöhnlichen Kooperationen im Bereich Kunst das Image vom italienischen Lebensgefühl zu transportieren. So bekommen beispielsweise Kundenkarteninhaber vergünstigten Eintritt in Ausstellungen. Kunst spielt auch in den Geschäften eine große Rolle, bis hin zur Schaufenstergestaltung. Beim Sortiment setzen die Häuser ganz stark auf Luxus und haben den Anteil der Eigenmarken deutlich zurückgefahren. Der Fokus wird auf eine starke Inszenierung der Ware in der Filiale gelegt, auf einen eigenen Onlineshop verzichtet La Rinascente bewusst.

Nordstrom: Digitaler Treiber

Auch die US-Kette hat eine lange Geschichte. Ihre Ursprünge liegen in einem 1901 eröffneten Schuhladen schwedischer Einwanderer in Seattle. Heute jedoch setzt Nordstrom weniger auf Tradition als auf innovative Ideen. Als eines der ersten Unternehmen der US-Branche hat es den Onlinehandel als Chance begriffen und macht heute fast einen Viertel des Umsatzes im E-Commerce. Viel Erfolg hat es mit viralen Marketingaktionen in Instagram oder Facebook, es Youtube-Stars exklusive Kollektionen entwerfen, die dann auch in den Filialen angeboten werden. Ein zweites wichtiges Standbein hat Nordstrom mit einem Off-Price-Konzept entwickelt. Die Zweitmarke Nordstrom Rack, die auf preisbewusste Kunden zielt, hat bereits 200 Läden und soll bis 2020 auf 300 Läden ausgebaut werden. So schafft das Unternehmen es, den Umsatz gegen den Markttrend weiter zu steigern.