Kate Winslet und Saoirse Ronan als Liebespaar: Das sind die Kino-Highlights der Woche

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Kate Winslet (links) und Saoirse Ronan spielen in "Ammonite" zwei sehr unterschiedliche Frauen, die sich im England des 19. Jahrhunderts ineinander verlieben. (Bild: Tobis Film)
Kate Winslet (links) und Saoirse Ronan spielen in "Ammonite" zwei sehr unterschiedliche Frauen, die sich im England des 19. Jahrhunderts ineinander verlieben. (Bild: Tobis Film)

"Ammonite", "The Many Saints of Newark" und "Bergman Island": Das sind die Kino-Neustarts am 4. November.

Wie alle Wissenschaften war auch die Paläontologie im 19. Jahrhundert vor allem Männersache. Frauen, die im Schlamm nach Fossilien graben, um etwas über die Vergangenheit unseres Planeten zu erfahren, das war undenkbar. Mary Anning aber war die große Ausnahme: Die 1799 im südenglischen Lyme Regis geborene Fossiliensammlerin gilt als eine der ersten Paläontologinnen überhaupt. Über das Privatleben der unverheiratet gebliebenen Frau ist wenig bekannt. Der britische Regisseur Francis Lee schließt nun diese Lücke - wenn auch mit sehr viel Fantasie. In seinem Film "Ammonite" wirft er Mary Anning eine leidenschaftliche Affäre mit einer aus wohlhabendem Hause stammenden Dame. Gespielt werden die beiden Frauen von Kate Winslet und Saoirse Ronan. "Ammonite" ist eines der Kino-Highlights der Woche - zusammen mit dem "Sopranos"-Prequel "The Many Saints of Newark" und dem Drama "Bergman Island".

Charlotte Murchison (Saoirse Ronan, rechts) begleitet die Fossiliensammlerin Mary Anning (Kate Winslet) bei der Arbeit am Strand von Südengland. (Bild: Tobis Film)
Charlotte Murchison (Saoirse Ronan, rechts) begleitet die Fossiliensammlerin Mary Anning (Kate Winslet) bei der Arbeit am Strand von Südengland. (Bild: Tobis Film)

Ammonite

Südengland in den 1840er-Jahren: Mary Anning (Kate Winslet), eine kalte, schweigsame Frau, lebt zusammen mit ihrer kranken Mutter im kleinen Küstenstädtchen Lyme Regis. Seit frühester Kindheit geht sie bei Wind und Wetter an den Strand, um Fossilien zu sammeln, die sie in ihrem kleinen Laden an Touristen oder an das British Museum in London verkauft. Eines Tages tritt die schwermütige Charlotte Murchison (Saoirse Ronan) in ihr Leben. Charlotte wird von ihrem Mann, einem berühmten Geologen, für mehrere Wochen bei Mary einquartiert - die Arbeit am Strand und die Seeluft sollen ihre "Melancholie" heilen. Was die feine Dame aus gutem Hause aber noch viel mehr braucht als eine frische Brise um die Nase ist Liebe und Zuneigung - Dinge, die sie von ihrem Mann nicht bekommt. Langsam aber kommen sich Charlotte und Mary näher, und die beiden Frauen stürzen sich in eine Affäre, die im viktorianischen eigentlich undenkbar ist.

Nicht nur Mary Anning, auch Charlotte Murchison gab es wirklich. Eine Beziehung zwischen den beiden Frauen ist allerdings nicht verbürgt - Regisseur Francis Lee ("God's Own Country") hat sie sich für "Ammonite" schlichtweg ausgedacht. Sein Film erinnert stark an "Porträt einer jungen Frau in Flammen", Céline Sciammas französisches Liebesdrama, das vor zwei Jahren Publikum und Kritiker begeisterte. "Ammonite" ist nun deutlich spröder geraten, was nicht nur an der kalten, rauen englischen Landschaft liegt, in der der Film spielt. Vor allem Kate Winslet als Mary Anning ist eine Figur, die nur wenig Nähe zulässt - zur zunächst schwermütigen, später jedoch immer lebensfreudigeren Charlotte, aber auch zum Publikum. Tolle Landschaftsaufnahmen und eine großartige Saoirse Ronan machen "Ammonite" dennoch sehenswert.

Michael Gandolfini spielt die Lebensrolle seines verstorbenen Vaters James Gandolfini als junger Mann: In "The Many Saints of Newark" verkörpert er den jungen Tony Soprano. (Bild: 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.)
Michael Gandolfini spielt die Lebensrolle seines verstorbenen Vaters James Gandolfini als junger Mann: In "The Many Saints of Newark" verkörpert er den jungen Tony Soprano. (Bild: 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.)

The Many Saints of Newark

Die melancholischen Augen des Seniors schimmern durch im Antlitz des Sohnes - die Besetzung des 22-jährigen Michael Gandolfini als Tony Soprano ist zweifellos der größte Coup bei "The Many Saints of Newark". Dabei ist die Hauptfigur eine andere. Die Handlung folgt Richard "Dickie" Moltisanti (Alessandro Nivola), der durch die "Sopranos"-Serie wie ein Mythos wehte, hier aber leibhaftig in Erscheinung tritt. Am Ende der 60er-Jahre ringt der Anführer seiner Familie in Newark, New Jersey, um Einfluss gegen den rivalisierenden schwarzen Gangsterboss Harold McBrayer (Leslie Odom). Zugleich schleift er den jungen Neffen, dessen Vater (Jon Bernthal) im Knast sitzt, zu jenem skrupellosen Mafia-Boss, der er einmal werden wird.

Alles in allem ein höchst solider Mafiafilm mit allen wohlbekannten Italo-Ingredienzien und einem sanften Flaum von Zeitgeschichte (unter anderem geht es um die Rassenunruhen von Newark im Jahre 1967). Für eingefleischte "Sopranos"-Fans allerdings ein Kino-Angebot, das man nicht abschlagen kann. Auch weil Autor und "Sopranos"-Erfinder David Chase einige Fragen beantwortet, die in der Serie offen geblieben waren.

"The Many Saints of Newark" erzählt die Vorgeschichte zu einer der bedeutendsten TV-Serien aller Zeiten: "The Sopranos". Von links: Gabriella Piazza, Alessandro Nivola, Ray Liotta und Michela De Rossi. (Bild: 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.)
"The Many Saints of Newark" erzählt die Vorgeschichte zu einer der bedeutendsten TV-Serien aller Zeiten: "The Sopranos". Von links: Gabriella Piazza, Alessandro Nivola, Ray Liotta und Michela De Rossi. (Bild: 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.)

Bergman Island

Als Ingmar Bergman im Jahr 2007 starb, verlor nicht nur das Kino seinen vielleicht bedeutendsten Regisseur; die Insel Fårö verlor auch ihren prominentesten Bewohner. Bergman drehte einige seiner bekanntesten Filme auf der schwedischen Ostseeinsel, darunter sein meisterhaftes Psychodrama "Persona" und die sechsteilige Fernsehserie "Szenen einer Ehe". Alljährlich erinnert die Bergman-Woche an das cineastische Erbe, das der Großmeister des skandinavischen Kinos auf Fårö hinterlassen hat. Der Film "Bergman Island" der Französin Mia Hansen-Løve wandelt nun auf den Spuren des legendären Regisseurs und lässt zwei Filmemacher in der friedlichen Einöde der Insel existenzielle Dramen durchleben.

Christine (Vicky Krieps) und Tony (Tim Roth) reisen nach Fårö, um sich vom Geiste Ingmar Bergmans beflügeln zu lassen. Beide arbeiten sie an neuen Drehbüchern, doch vor allem Christine leidet an einer Schreibblockade. Außerdem hadert die Filmemacherin, die 25 Jahre jünger ist als ihr Mann, mit ihrer Beziehung. Schließlich beginnt sie doch mit dem Schreiben, und vor ihrem geistigen Auge entsteht die Geschichte eines jungen Liebespaares (gespielt von Anders Danielsen Lie und Mia Wasikowska) - eine Romanze, die ihrer eigenen Ehe neuen Auftrieb gibt, die bei Christine aber auch immer mehr Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen lässt.

Vicky Krieps und Tim Roth wandeln in "Bergman Island" auf den Spuren des großen Filmemachers Ingmar Bergman. (Bild: Weltkino Filmverleih)
Vicky Krieps und Tim Roth wandeln in "Bergman Island" auf den Spuren des großen Filmemachers Ingmar Bergman. (Bild: Weltkino Filmverleih)
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