Wohin Katars Herrscher flüchten könnten

Wir können jeden Schock verkraften! Das behauptet die Führung von Katar angesichts der Blockade ihrer Nachbarn. Für den Notfall besitzt die Familie des Emirs ohnehin Immobilien auf der ganzen Welt.


Die ersten Milchkühe sind da. In der Nähe der katarischen Hauptstadt Doha landeten am Dienstag 165 Holstein-Kühe. Knapp 3700 weitere sollen folgen. Sie werden in klimatisierten Ställen leben, die seit Wochen in der katarischen Wüste entstehen. Innerhalb von neun Monaten will sich Katar so selbst mit Molkereiprodukten versorgen.

Die Kuhimporte sind die bislang offensichtlichste Reaktion des kleinen aber sehr reichen Emirats auf die Handelsblockade seiner Nachbarstaaten. Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Ägypten werfen Katar die Unterstützung von Terrororganisationen vor. Deswegen haben sie jegliche Handelsbeziehungen mit dem Emirat abgebrochen. Katar weist die Anschuldigungen zurück – und baut nun selbst einzelne Versorgungsketten auf.


Katars Zentralbankgouverneur, Scheich Abdullah Saud al-Thani, prahlte in einem Interview gar: „Wir haben genug Geld, um jede Art von Schock zu verkraften.“ Doch selbst wenn es zuhause ungemütlich wird, können sich die Emire in ihre Domizile auf der ganzen Welt zurückziehen, die ihnen privat oder über den Staatsfonds Qatar Investment Authority gehören. Ein Überblick über die fünf schönsten Flucht-Residenzen:

Griechenland

Es soll Liebe auf den ersten Blick gewesen sein: Mit seiner Jacht ankerte Hamad bin Khalifa Al Thani, ehemaliger Emir von Katar, vor einigen Jahren in den türkisfarbenen Gewässern des Ionischen Meeres. Der Scheich erblickte die Echinaden, eine weitgehend unbewohnte Inselgruppe – und schlug kurze Zeit später zu. Als erstes schnappte er sich Oxeia, eine 4,2 Quadratkilometer große Insel. Kurze Zeit später folgten fünf weitere Inseln. Insgesamt soll der Katarer 8,5 Millionen Euro für die sechs Inseln bezahlt haben.

Wenn der Emir seine Pläne verwirklicht hat, könnte seine Großfamilie aus drei Ehefrauen und 24 Kindern im Notfall in den Feriendomizilen zwischen Olivenhainen und Buchten unterkommen. Da es sich um Privatinseln handelt, wäre die Herrscherfamilie ganz unter sich.


London

In der britischen Hauptstadt haben die Herrscher aus Katar die Qual der Wahl. Die Nacht im Shard, dem höchsten Gebäuder der EU, verbringen? Im olympischen Dorf unterkommen? Oder doch lieber in Canary Wharf vorbeischauen? Über den Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) besitzt Katar Dutzende Immobilien in London. Nach einem Bericht des britischen Telegraph gehören den Scheichs sogar drei Mal so viele Gebäude in London wie der Queen.

Einen Wunsch aber erfüllten die Briten den Investoren aus dem Golfstaat nicht. Ein Stadtbeamter durchkreuzte den 200-Millionen-Pfund-Plan der katarischen Herrscherfamilie, zwei Villen in der Nähe des Regent’s Park zu einem Palast mit 17 Schlafzimmern, 14 Lounges, vier Esszimmern, Zigarrenraum, Kino und Pool zusammenzufügen. Die trockene Begründung: Der Plan bedeute den Verlust einer Wohneinheit – und verstoße damit gegen den Stadtbebauungsplan.


Kultur in Berlin oder Schweizer Bergidyll

Berlin

Auch in Berlin könnten sich die Scheiche in Ruhe aussuchen, wo sie ein paar Monate Ruhe haben möchten. Für die Naturliebhaber und Frühsportler der Herrscherfamilie bietet sich das Maritim-Hotel am Tiergarten an. Wer mehr Trubel und Kultur haben möchte, geht ins Hyatt am Potsdamer Platz. Beide Hotels gehören der QIA.

Ein etwas privaterer Rückzugsort wäre die Villa Calé. Sie wurde 1904 im Stadtteil Zehlendorf gebaut und 1997 von Katar gekauft. Ursprünglich sollte dort der katarische Botschafter einziehen. Doch die Renovierung verzögerte sich, der Botschafter zog in einen Neubau in Grunewald. Mitte Juli dieses Jahres will Katar nun ein "Haus für arabische Kultur" eröffnen. Derzeit sorgt die Verhüllung einer barbusigen Figur im Giebel der Villa für Ärger.


Singapur

229 Meter hoch, 43 Stockwerke, Büros, Geschäfte und ein Luxushotel mit 280 Räumen. Für den Asia Square Tower 1 in Singapur legte der QIA im Juni vergangenen Jahres 2,45 Milliarden Dollar hin. Im Falle der notwendigen Landesflucht könnten sich die Mächtigen des Landes dort also eine schöne Suite mit Meerblick aussuchen. Praktisch: Die nächsten Tropeninseln sind nicht weit.

Schweiz

Ein besonders idyllischer Rückzugsort wäre der Schweizer Kurort Bürgenstock: mehr als 1100 Meter hoch gelegen, traumhafter Blick auf den Vierwaldstättersee. Bereits vor 143 Jahren eröffnete hier das erste Grandhotel, Hollywood lud in den 50er und 60er Jahren zu Partys hierher.
Nun haben die Kataris das Areal entdeckt. Sie erbauen hier für 550 Millionen Franken Residenzen, ein Spa, zwei Luxushotels, eine als Hotel getarnte Klinik und ein Golfplatz. Vieles ist noch im Bau – aber im Ernstfall dürften sich für die Herrscher ein paar frisch fertig gewordene Zimmer finden lassen.