Katalonien-Wahl: Puigdemont feuert 'unbeugsame' Separatisten an

dpa-AFX

BARCELONA/BRÜSSEL (dpa-AFX) - Der abgesetzte Regionalpräsident Carles Puigdemont hat von Brüssel aus die Unabhängigkeitsbefürworter der spanischen Konfliktregion Katalonien am Wahltag angefeuert. "Wir werden heute erneut die Stärke eines unbeugsamen Volkes unter Beweis stellen", schrieb der 54 Jahre alte Spitzenkandidat der separatistischen Allianz JuntsxCat (Gemeinsam für Katalonien) am Donnerstag auf Twitter.

Puigdemont hatte sich Ende Oktober unmittelbar nach seiner Absetzung durch die Madrider Zentralregierung in die belgische Hauptstadt abgesetzt, um einer Festnahme zu entkommen. Zuvor hatte er am 1. Oktober ein von der Justiz verbotenes Unabhängigkeits-Referendum abhalten lassen und anschließend einen Prozess zur Abspaltung von Spanien eingeleitet. "Dass der Geist des 1. Oktobers uns immer führen möge", twitterte Puigdemont auch.

Kehrt der frühere Journalist und studierte Philologe nach Spanien zurück, droht ihm die Festnahme. Genau wie seine Mitstreiter riskiert der Rock-Fan und Vater zweier kleiner Mädchen wegen Rebellion, Aufruhr und Veruntreuung öffentlicher Mittel eine lange Haftstrafe. Bei einem Wahlsieg will er aber dennoch zurück in die Heimat: "Ich werde das Risiko einer Verhaftung eingehen, um als Präsident eingesetzt zu werden", versprach er seinen Anhängern.

Nach allen Umfragen hat Puigdemont derweil kaum Chancen auf den Sieg. Als Favoriten gelten der Spitzenkandidat der separatistischen linksnationalistischen Partei ERC, Oriol Junqueras, der als Ex-Vize Puigdemonts in Untersuchungshaft sitzt, sowie Separatisten-Gegnerin Inés Arrimadas von der liberalen Partei Ciudadanos.

Puigdemont verzichtete auf eine Briefwahl. Für ihn gab die junge Katalanin Laura Sancho am Donnerstag die Stimme ab. Die 18-Jährige hatte Puigdemont jüngst in Brüssel besucht und ihm angeboten, für ihn die Stimmabgabe durchzuführen, wie der Politiker auf Instagram bekanntgab. Es handelte sich allerdings um eine symbolische Aktion, denn auch in Katalonien darf man die Stimmabgabe nicht "delegieren". "Puigdemont ist sehr einfallsreich", hieß es dazu TV-Sender RTVE.

In Brüssel halten sich mit Puigdemont weiterhin vier Ex-Minister der abgesetzten Regierung auf. Die drei Männer und zwei Frauen wollten nach einem Bericht der spanischen Nachrichtenagentur Europa Press abends den Ausgang der Regionalwahl im Kongresszentrum "Square

- Brussels Meeting Centre" verfolgen.