Katalonien-Krise: Puigdemont bricht Schweigen

Einen Tag nach seiner Absetzung hat der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont die Bevölkerung der Region zum friedlichen Widerstand gegen die von der Zentralregierung in Madrid beschlossenen Zwangsmaßnahmen aufgerufen. Sein Wille sei, weiter zu arbeiten, auch in Kenntnis der aktuellen Schwierigkeiten, sagte Puigdemont. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte zuvor am frühen Samstagmorgen offiziell die Amtsgeschäfte Puigdemonts übernommen.

Puigdemont sagte in einer vorab aufgezeichneten Videobotschaft:“Dies sind Entscheidungen gegen den Willen, den die Bürger unseres Landes in den Wahlen geäußert haben. Diesen Bürgern ist durchaus bewusst, dass in einer demokratischen Gesellschaft die Parlamentsabgeordneten die Präsidenten wählen und entlassen. Die Botschaft, die ich Ihnen sende, ist, dass wir Geduld, Ausdauer und eine Perspektive haben. Wir wissen, dass der beste Weg, die bisher erzielten Erfolge zu verteidigen, eine demokratische Opposition gegen die Anwendung von Verfassungsartikel 155 ist. Dieser Artikel erfüllt das Merkmal einer vorsätzlichen Aggression gegen den Willen der Katalanen, die sich in einer sehr großen Mehrheit und seit vielen Jahren als eine Nation von Europa sehen.”

Puigdemont kündigte die Fortsetzung der Unabhängigkeitsbestrebungen an und rief zur “Gründung eines freien Landes” auf. In spanischen Medien wurde Puigdemonts Rede so interpretiert, dass er der Amtsenthebung nicht Folge leisten wolle.

Euronews-Korrespondent Francisco Fuentes kommentierte in Barcelona:“Die Erklärung von Carles Puigdemont bestätigt das Aufeinanderprallen zweier Souveränitäten. Die vom Regionalparlament ausgerufene Republik Katalonien und die verfassungsmäßige Souveränität nach der Intervention der spanischen Zentralregierung.”