Katalanische Unabhängigkeitsbefürworter heben aus Protest gegen Madrid Geld ab

Geldabheben als Aktionsform für Kataloniens Unabhängigkeit

In ihrem Streben nach einer Abspaltung von Spanien haben die katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter am Freitag zu einer ungewöhnlichen Protestform gegriffen: Zahlreiche Menschen hoben in Katalonien gleichzeitig Geld von ihren Bankkonten ab. Sie folgten damit einem Aufruf der beiden Organisationen Katalanische Nationalversammlung und Omnium Cultural, die sich für die katalanische Unabhängigkeit einsetzen und deren Chefs in Untersuchungshaft sitzen. Die Zentralregierung in Madrid beriet unterdessen darüber, welche Autonomierechte sie der katalanischen Regionalregierung entziehen will - ein beispielloses Vorgehen seit dem Ende der Franco-Diktatur 1975.

Der Unmut der katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter richtete sich insbesondere gegen die beiden Banken CaixaBank und Banco de Sabadell, die wegen der unruhigen politischen Lage ihren Hauptsitz aus Katalonien herausverlegt hatten. "Das ist eine Art des Protests", sagte die 42-jährige Anwältin Roser Cobos, die am Morgen in Barcelona 1714 Euro abhob. Den Betrag wählte sie in Anlehnung an den 11. September 1714, der in Katalonien seit einigen Jahren als "Nationalfeiertag" begangen wird. Damals hatten spanische und französische Truppen während des Spanischen Erbfolgekrieges Barcelona erobert.

Der 58-jährige Verleger Joaquim Curbet entschied sich dafür, 155 Euro abzuheben - und bezog sich damit auf den Artikel 155 der spanischen Verfassung, den die Regierung in Madrid im Ringen mit der katalanischen Regionalregierung heranziehen will, um die Autonomierechte der Region zu beschneiden. Ein Sprecher der CaixaBank wollte die Geldabhebungen nicht näher kommentieren, er sprach von "Normalität" bei den Bankoperationen.

Die Koordinatoren des Protests hatten dazu aufgerufen, zwischen 08.00 Uhr und 09.00 Uhr morgens Geld von den Banken abzuheben, damit der Effekt möglichst eindeutig nachweisbar sei. In ihrem Unabhängigkeitsbestreben argumentieren viele Katalanen damit, dass sie von der Zentralregierung in Finanzfragen ungerecht behandelt werden. Katalonien erwirtschaftet rund ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsprodukts.

Bei einem von der spanischen Zentralregierung und Justiz als rechtswidrig eingestuften Referendum hatten sich am 1. Oktober 90 Prozent der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit Kataloniens ausgesprochen. Die Wahlbeteiligung lag allerdings bei lediglich 43 Prozent. Die Regierung in Madrid will die Unabhängigkeit verhindern.

Die spanische Regierung tagte am Freitag, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Für Samstag ist geplant, dass das Kabinett von Ministerpräsident Mariano Rajoy bei einer Krisensitzung festlegt, welche konkrete Maßnahmen zum Entzug der bestehenden Autonomierechte beschlossen werden sollen.

Die Nachrichten-Webseite eldiario.es berichtete, Rajoys konservative Volkspartei (PP) und die oppositionellen Sozialisten (PSOE) hätten sich bereits darauf verständigt, im Januar in Katalonien Regionalwahlen abzuhalten. Dies wurde von der PSOE-Verhandlungsführerin Carmen Calvo bestätigt. Der PP-Politiker Fernando Martinez-Maillo sagte lediglich, Wahlen in Katalonien seien "natürlich erforderlich".

Rajoys Partei hat im Senat die erforderliche Mehrheit, um Zwangsmaßnahmen gegen die katalanische Regionalregierung unter Regionalpräsident Carles Puigdemont beschließen zu lassen. Die PP setzt aber weiter auf ein Einlenken der Katalanen. Solange Puigdemont die Unabhängigkeit nicht erklärt habe, gebe es Verhandlungsspielraum, sagte Martinez-Maillo.