Ermittlungen zu Anschlägen in Barcelona und Cambrils kommen voran

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Trauerbekundungen am Anschlagsort in Barcelona

Nach dem Doppelanschlag in Spanien kommen die Ermittlungen voran. Wie die Polizei am Freitagabend mitteilte, wurden vier Mitglieder der mutmaßlichen Terrorzelle festgenommen und fünf weitere von der Polizei getötet. Den Ermittlern zufolge hatten die etwa ein Dutzend Angreifer noch größere Anschlagspläne verfolgt, die aber an der Explosion ihrer Bombenmaterialien scheiterten. Bei den Attentaten in Barcelona und Cambrils waren 14 Menschen getötet worden.

Auf der berühmten Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona war am Donnerstagnachmittag ein Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast. Dabei starben 13 Menschen. Im rund hundert Kilometer weiter südlich gelegenen Cambrils lenkten Angreifer gegen Mitternacht einen Pkw in eine Gruppe von Passanten, eine Frau starb. Es gab insgesamt etwa 120 Verletzte. Zu der Tat in Barcelona bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat.

Vier Verdächtige wurden am Donnerstag und Freitag festgenommen, wie der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero mitteilte. Dazu zählte der 27-jährige Driss Oukabir. Nach einem flüchtigen Komplizen wurde mit einem Fahndungsfoto gesucht: Es handelt sich um den 22-jährigen Marokkaner Younes Abouyaaquoub.

Fünf Männer wurden nach ihrem Angriff in Cambrils von der Polizei erschossen. In dem Auto fanden die Beamten nach eigenen Angaben eine Axt sowie Messer. Die Verdächtigen trugen überdies Sprengstoffattrappen an sich.

Zu ihnen zählten drei junge Marokkaner, sie seit ihrer Kindheit in Spanien lebten: der 17-jährige Bruder von Driss Oukabir, Moussa Oukabir, der 18-jährige Saïd Aallaa und der 24-jährige Mohamed Hychami. Sie stammten aus der nordostspanischen Kleinstadt Ripoll.

Die Polizei nannte drei weitere Verdächtige. Zwei von ihnen starben möglicherweise bei der Explosion des Bombenmaterials der mutmaßlichen Terrorzelle in Alcanar, rund 200 Kilometer südlich von Barcelona. Zunächst war die Explosion für einen Unfall gehalten worden.

Am Explosionsort seien Leichenteile von zwei Menschen gefunden worden, sagte Trapero. Die dritte verdächtige Person werde noch gesucht. Der Fahrer des Lieferwagens in Barcelona sei noch nicht identifiziert worden, sagte der katalanische Polizeichef. Medienberichten zufolge handelte es sich um den später getöteten Moussa Oukabir.

Die Anschläge seien "in rudimentärerer Weise" begangen worden als geplant, bilanzierte Trapero. Nach der Explosion in Alcanar hätten die Attentäter "nicht mehr das Material gehabt, um Anschläge noch größeren Ausmaßes zu verüben".

Was das ursprüngliche Anschlagsziel war, blieb zunächst offen. Ein AFP-Journalist beobachtete am Freitag, wie Polizeibeamte dutzende Gasflaschen aus dem Haus in Alcanar trugen. Aus französischen Polizeikreisen verlautete, die spanische Polizei suche nach einem weißen Renault Kangoo, der womöglich die Grenze überquert habe.

Die Opfer der beiden Anschläge stammten aus mindestens 35 Ländern, es gab mindestens 13 verletzte Deutsche. 59 Verletzte befanden sich am Samstag noch im Krankenhaus. 15 Verletzte kämpften laut katalanischem Innenministerium weiter um ihr Leben. Die Todesopfer stammten unter anderem aus Italien, Belgien, Portugal, Kanada, den USA und Argentinien.

Spaniens König Felipe VI. und Ministerpräsident Mariano Rajoy nahmen in Barcelona an der Seite der Regionalregierung an einer Schweigeminute teil. Wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens sind die Beziehungen zwischen Madrid und Barcelona gespannt. Rajoy betonte die Notwendigkeit der Einheit zwischen Katalonien und Spanien. Landesweit wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

Während der Gedenkveranstaltung in Barcelona kam es zu einem Zwischenfall, als rund 20 Rechtsextreme mit Schlagringen demonstrierten. Einige hielten Schilder hoch, auf denen zu lesen war "Keine Moscheen mehr" und "Flüchtlinge sind nicht mehr willkommen". Es kam zu einem Handgemenge mit Teilnehmern der Gedenkveranstaltung.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) und sein französischer Amtskollege Jean-Yves Le Drian reisten am Freitag zu einem Solidaritätsbesuch nach Barcelona. Gabriel sagte nach einem Besuch bei deutschen Opfern im Krankenhaus, einige der Verletzten seien entlassen worden, andere schwebten noch in Lebensgefahr.