Kassenärzte: Bis Jahresende sollten 15 Millionen Auffrisch-Impfung bekommen

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Nach Ansicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sollten bis Jahresende 15 Millionen Menschen in Deutschland eine Auffrisch-Impfung gegen das Coronavirus bekommen. Die Ärzte könnten bis zu 3,5 Millionen Impfungen pro Woche vornehmen, sagte KBV-Chef Andreas Gassen am Dienstag. Über zwei Millionen hätten die Auffrischung bereits bekommen. Gassen äußerte ebenso wie KBV-Vize Stephan Hofmeister deutliche Kritik am Vorstoß des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU), Auffrischimpfungen für alle anzubieten.

Gassen forderte klare Rahmenbedingungen für die Verabreichung der Auffrisch-Impfungen durch die niedergelassenen Ärzte. Die geltenden Regeln sollten nicht alle paar Wochen geändert werden. So müsse etwa geklärt werden, wie mit bestellten Impfdosen umgegangen werde, die in den Praxen dann doch nicht verabreicht werden könnten.

Die Rufe nach umfassenden Booster-Impfungen waren zuletzt durch die steigenden Coronas-Zahlen lauter geworden. Grundsätzlich hat jeder einen Anspruch darauf. Von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen werden sie aber vorerst nur für über 70-Jährige sowie Menschen in Heimen.

Spahn will allerdings allen Bürgerinnen und Bürgern ungeachtet ihres Alters eine Auffrischimpfung gegen das Coronavirus ermöglichen. Diese Impfung solle "grundsätzlich allen Personen angeboten werden, die diese nach Ablauf von sechs Monaten nach Abschluss der ersten Impfserie wünschen", heißt es in einem Entwurf von Spahns Ministerium für die bevorstehende Gesundheitsministerkonferenz mit den Ländern.

Die Auffrischimpfungen könnten "im Rahmen der vorhandenen Kapazitäten und nach ärztlicher Beurteilung und Entscheidung" erfolgen, heißt es in dem Entwurf. Schwerpunktmäßig sollten diese Impfungen besonders gefährdeten Menschen angeboten werden - "wobei vor allem Alten- und Pflegeheime in den Fokus zu nehmen" seien.

KBV-Chef Gassen sagte mit Blick auf den Vorstoß Spahns: "Jetzt Booster-Impfungen wahllos für alle zu empfehlen, macht keinen Sinn." Er verwies auf die relativ hohe Quote von Menschen, die noch gar nicht geimpft seien. Gassen betonte, dass sich die Kassenärzte "sehr stringent" an die Stiko-Empfehlung hielten.

Der stellvertretende KBV-Vorsitzende Hofmeister sagte mit Blick auf Spahn: "Das hilft uns nicht." Die Ärzte brächten viel Zeit auf, "um mit verunsicherten Menschen zu reden". Es sei in einer Situation, in der priorisiert werden müsse, ratsam, nach einem "klaren, gezielten Vorgehen" zu verfahren.

Wenn die Bürgerinnen und Bürger alle zwei Wochen eine andere Botschaft bekämen, wachse das Misstrauen und die Verunsicherung, so Hofmeister. Dies müssten die Ärzte in den Praxen dann wieder mühsam reparieren. "Das kostet Zeit, die wir nicht haben", sagte der KBV-Vize.

Gassen sieht Deutschland insgesamt gut gerüstet, um in der Corona-Pandemie gut durch den Winter zu kommen. Es gebe gegenüber der Situation vor einem Jahr mehr Schutzausrüstung, mehr Informationen über das Virus und vor allem die Möglichkeit zur Impfung. "Wir haben Instrumente in der Hand, dass wir gut und sicher durch den Winter kommen."

chajp

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