Kasparow ruft zu diplomatischem WM-Boykott auf

Kasparow ruft zu diplomatischem WM-Boykott auf

Der Putin-Kritiker und ehemalige Schach-Weltmeister Garri Kasparow hat zu einem diplomatischen Boykott der Fußball-WM in seinem Heimatland Russland aufgerufen. "Verwehren wir Putin die Bestätigung und den Ruhm, die er so sehr begehrt, indem Regierungsvertreter der Weltmeisterschaft fernbleiben", schrieb Kasparow in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Der 54-Jährige gilt seit langen Jahren als Kritiker des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin.
Zuletzt hatten sowohl Großbritannien als auch Island angekündigt, keine Regierungsvertreter zur WM zu schicken. Australien erwägt diesen Schritt ebenfalls, die deutsche Regierung um Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich - zumindest offiziell - noch nicht entschieden. Grund für diese Maßnahmen war der Anschlag auf einen ehemaligen russischen Doppelagenten in Großbritannien, für den Russland verantwortlich sein soll. Russland weist die Vorwürfe zurück.
"Putin besetzte die Krim, als er noch von Sotschi (Ort d. Olympischen Spiele 2014, Anm. d. Red.) beflügelt war. Ihm bei der Weltmeisterschaft einen weiteren solchen Höhenflug für sein Selbstbewusstsein zu verwehren, ist nicht bloß eine rein symbolische Handlung: Es ist ein Weg, Putin zu zeigen, dass die Welt zusieht und dass in Zukunft russische Angriffe nur noch auf dem Spielfeld geduldet werden", schrieb Kasparow.
Als Sportler sei er zwar gegen ein komplettes Fernbleiben der Athleten, "ich bin jedoch für den politischen Boykott des Regimes, das für diese Handlungen verantwortlich ist", hieß es in dem Beitrag weiter.