Karstadt-Eigner bietet für Kaufhof

Karstadt-Eigentümer Rene Benko streckt die Finger nach Kaufhof aus. Der Österreicher hat mit seiner Signa-Gruppe ein Angebot vorgelegt, um die Kette zu übernehmen. Die Aktie des Kaufhof-Eigners HBC zieht deutlich an.


Der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa hat Insidern zufolge in dieser Woche eine drei Milliarden Euro schwere Offerte für die Warenhauskette Kaufhof vorgelegt. Das Angebot sei durchfinanziert und umfasse auch die Schulden, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Die Kaufhof-Immobilien würden dabei mit 2,63 Milliarden Euro bewertet.

Der Kaufhof-Eigentümer Hudson's Bay (HBC) bestätigte am Abend, ein Angebot von Signa bekommen zu haben, das sich auf das Deutschlandgeschäft von Kaufhof und auf Immobilien beziehe. HBC nannte das Angebot jedoch unvollständig und nicht bindend. Außerdem enthalte es keinen Hinweis darauf, wie ein solcher Deal finanziert werden solle. Welche Summe Signa geboten hat, sagte HBC nicht. Der Kaufhof-Eigentümer erklärte, dass er selbstverständlich verpflichtet sei, das Angebot zu prüfen. Er bekräftigte aber erneut, dass das Europageschäft ein wichtiges Element der Strategie des Konzerns sei. Von Signa wird wohl bis Mitte November eine Antwort von HBC erwartet.

Die HBC-Aktie legte nach Bekanntwerden der Nachricht um acht Prozent zu. Signa wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Hinter Signa steht der Investor Rene Benko, der 2015 die Karstadt-Warenhäuser übernommen hatte. Benko wollte danach auch den Konkurrenten Kaufhof kaufen und damit die Idee einer deutschen Warenhaus AG wieder aufleben lassen. Dieser Plan scheiterte jedoch - den Zuschlag für die damalige Metro-Tochter Kaufhof erhielt für 2,8 Milliarden Euro die kanadische Gruppe Hudson's Bay (HBC). Erst Anfang Oktober rüstete sich Signa mit einer Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro für mögliche Zukäufe.


Kaufhof kämpft mit Umsatzrückgängen und Verlusten. Die Warenhauskette drängt die Gewerkschaft Verdi zu Gesprächen über einen neuen Tarifvertrag, um bei den Löhnen und Gehältern ihrer Mitarbeiter zu sparen. Dennoch hatte HBC zuletzt noch betont, keine Verkaufsabsichten für Kaufhof zu haben. „Wir stehen zu HBC Europa. Wir haben kein Interesse und keine Pläne, unser Geschäft an irgendjemanden zu verkaufen – Punkt!“, sagte HBC-Chef Richard Baker erst vergangene Woche der Nachrichtenagentur Reuters.

Doch der Druck auf Baker ist groß. Der aktivistische Investor und HBC-Aktionär Land and Buildings forderte schon im Sommer, dass sich der Konzern von Immobilien und vom Europa-Geschäft um Kaufhof trennt. Zuletzt verschaffte sich HBC etwas Luft, indem er einen neuen Investor an Bord holte, für mehr als 700 Millionen Euro eine Immobilie in New York verkaufte und ein Bündnis mit dem Büroflächen-Anbieter WeWork schmiedete.