Kardinal Müller: «Putin hat einen Machtspieltrieb»

Rom (dpa) - Als Christ lädt der russische Präsident Wladimir Putin durch von ihm verschuldeten Kriegsverbrechen in der Ukraine nach Meinung von Kardinal Gerhard Ludwig Müller besondere Schuld auf sich.

«Hitler und Stalin hatten kein Gewissen, aber Putin bekreuzigt sich in der Christus-Erlöser-Kirche», sagte der ehemalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation der Deutschen Presse-Agentur in Rom. «Damit versündigt er sich am Christentum.»

Der russische Einmarsch in die Ukraine sei durch nichts zu rechtfertigen, betonte Müller. «Putin ist für furchtbarste Verbrechen verantwortlich, Verbrechen an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern. Leider gibt es auch bei uns immer noch Menschen, die ihn verteidigen.» Es sei zutiefst deprimierend, dass ein einzelner Mensch einen solchen Krieg mit Tausenden von Opfern vom Zaun brechen könne. «Putin hat einen Machtspieltrieb mit der Gefühlswelt eines Triebtäters», sagte Müller. «Er genießt es, die ganze Welt in Atem zu halten, seine Armeen in Gang zu setzen, den Gashahn auf- und zuzudrehen.»

Putin pflegt ein enges Verhältnis zur russisch-orthodoxen Kirche, die seine Politik im Gegenzug unterstützt. Müller sagte, möglicherweise sei Putins zur Schau getragener Glaube nur eine Fassade, die er aus machtpolitischen Gründen aufrecht erhalte. «In jedem Fall wird er sich vor Gott für seine Taten verantworten müssen.»

Müller (74) war von 2002 bis 2012 Bischof von Regensburg, dann wurde er von Papst Benedikt XVI. zum Präfekten der römischen Glaubenskongregation berufen, die über die katholische Lehre wacht. Als seine erste Amtszeit 2017 auslief, wurde diese von Papst Franziskus nicht verlängert. Seit 2021 ist Müller Richter am obersten Kirchengericht im Vatikan.

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