Kardinal Lehmann: Ein Mann der klaren Worte ist tot

Er war ein Brückenbauer, der für eine offene und der weltzugewandten Kirche kämpfte: Kardinal Karl Lehmann ist tot. Der frühere Bischof von Mainz starb nach Angaben des Bistums mit 81 Jahren am Sonntagmorgen in seinem Haus. Seit September 2017 hatte er mit den Folgen eines Schlaganfalls und einer Hirnblutung zu kämpfen.

Ein Mann der klaren Worte

Auf den Kardinalstitel musste Lehmann aufgrund seiner liberal-kritischen Äußerungen länger warten: Papst Johannes Paul II. ernannte ihn erst 2001. So plädierte er etwa für verheiratete Priester oder das Amt einer Diakonin, war aber gegen die Ehe für alle. Er vertrat einen gemäßigt liberalen Kurs bei der Schwangeren-Konfliktberatung und bei wiederverheirateten geschiedenen Katholiken. Und Lehmann bedauerte, dass sich die katholische Kirche mit der Gleichberechtigung von Frauen so viel Zeit lässt.

Geboren wurde Karl Lehmann am 16. Mai 1936 als Sohn eines Dorfschullehrers im schwäbischen Sigmaringen. Er entschied sich erst ein halbes Jahr vor dem Abitur für den Priesterberuf. 33 Jahre lang war er Mainzer Bischof - das war die drittlängste Amtszeit in der mehr als tausendjährigen Geschichte des Bistums, 21 Jahre Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Besonders setzte sich der Kardinal für die Ökumene, für das Miteinander der verschiedenen Religionen ein. Er diskutierte gern, es war ihm schwergefallen, seine Tätigkeit als Lehrender an der Universität Freiburg für den Bischofsstuhl aufzugeben.

Mit seinem 80. Lebensjahr ging Lehmann im Mai 2016 in Rente: Im Ruhestand wurde es ruhiger um den Buchautor und Ehrenmitglied von FSV Mainz 05.

Reaktionen auf seinen Tod

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nennt Lehmann auf Twitter einen "treuen Freund." Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte: "Er war einer der wichtigen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und Religionen. Er war ein Mann klarer Worte, der bei aller Nachdenklichkeit und Konzilianz auch die politische Kontroverse nicht scheute, wenn es um zentrale Fragen des Zusammenlebens in Staat und Gesellschaft ging." Peter Altmaier, der im neuen Kabinett Wirtschaftsminister werden soll, würdigte Lehmann als "großartige Leitfigur für eine menschlich/gerechte Gesellschaft.Für Katholiken, Christen&Nicht-Christen zugleich! RIP".

Bundeskanzlerin Angela Merkel schätzte die Gespräche mit dem Theologen: "Er hat mich mit seiner intellektuellen und theologischen Kraft begeistert und war dabei immer auch ein Mensch voll bodenständiger Lebensfreude."

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte, Lehmann habe "Maßstäbe für einen weltoffenen Katholizismus gesetzt". Dabei nannte sie das Engagement des Kardinals für die Aufnahme von Flüchtlingen und zum kirchlichen Beistand für schwangere Frauen in Gewissenskonflikten. Allerdings musste Lehmann beim Thema Beratung von Schwangeren am Ende dem Vatikan nachgeben - und die katholische Kirche zog sich aus der Beratung zurück.

Der Deutschlandfunk ehrt Lehmann als "letzten Intellektuellen auf dem Bischofsstuhl" und als "volksnahen Hirten." Die taz schreibt, Lehmann "versinnbildlichte zwanglos das Beste, was die katholische Kirche noch zu vermitteln mag".