Kapitalanlage: Verantwortung bringt höhere Rendite

 

Noch immer wird nachhaltiges Investment als Marketing-Gag verschrien. Zu unrecht. Wer in verantwortungsbewusste Unternehmen investiert, kann mehr als andere verdienen.

„Um Gutes zu tun, braucht es keiner Überlegung“ ließ Goethe einst seine Iphigenie auf Tauris sagen. Der Satz, der im Alltag eingängig ist, verliert seinen impliziten Imperativ recht schnell, wenn es im harten Wettbewerb der Marktwirtschaften um Erträge geht. Zu unrecht, befindet eine neue Studie der Boston Consulting Group. Das BCG Forscherteam um Douglas Beal, Robert Eccles, Gerry Hansell et al. fanden heraus, dass zwischen den nicht-finanziellen Leistungen eines Unternehmens und seiner finanziellen Performance ein Zusammenhang besteht. 

Sie untersuchten die Performance von mehr als 300 Unternehmen aus den Sektoren Konsumgüterindustrie, Biopharmazie, Öl und Gas, Technologie sowie Banking. Sie entwickelten zunächst ein Set von Mess- und Bewertungsmethoden, um den Einfluss der Unternehmen auf Gemeinwesen und Umwelt messen zu können. In Anlehnung an die Maxime des Total Shareholder Return (TSR (NasdaqCM: TSRI - Nachrichten) ) nennen die Bostoner diesen Set TSI (Total Shareholder Impact). Vor der Folie des TSI analysierten sie, ob sich Unterschiede in den Kennzahlen der Unternehmen ergaben.

Insgesamt: ESG-Vorreiter performen besser

Ergebnis ihrer Untersuchung: Die Unternehmen, die am meisten Wert auf Gesundheit, Sicherheit und Umweltanliegen legen, erzielen überdurchschnittlich gute Bewertungen. Ihre Unternehmensbewertungen lag im Konsumgüterbereich um 11% über dem Durchschnitt, im Pharmasektor um 12%, bei Öl und Gas um 19%, sowie drei Prozent im Bankensektor.

In einem zweiten Schritt widmeten sich Beal et al. der Frage, ob und mit welchen von den jeweiligen Unternehmen implementierten Nachhaltigkeitsprinzipien sich die Margen vor und nach Steuern korrelieren ließen. Sie fanden heraus, dass die stärksten Performer in vier Unternehmenssektoren jeweils die Unternehmen waren, die besondere Stärken im Bereich Nachhaltigkeit hatten. Im Konsumgütersektor erwiesen sich die sozialverträgliche Ressourcenbeschaffung sowie die Berücksichtigung des Umweltschutzes als treibende Motoren. In der Pharmabranche lagen die Margen dann höher, wenn sich die Unternehmen um Arbeitssicherheit und freien Zugang zu Arzneimitteln einsetzten. Im Öl- und Gassektor performten Firmen besonders stark, die auf die Sicherstellung von Gesundheit und Sicherheit ihrer Angestellten sowie auf Mitarbeitertraining setzen.

Finanzinstitute: Nicht immer zahlt sich ESG aus

„Unsere quantitative Analyse hat gezeigt, dass nichtfinanzielle Leistung in spezifischen ESG Themen einen statistischen Einfluss auf die Bewertung und die Margen der Unternehmen hat“, fassen Beal et al. die Ergebnisse zusammen. 

Sie fanden im Bankensektor allerdings auch negative Korrelationen zwischen der Umsetzung von ESG-Prinzipien und Margen. Finanzhäuser, die in ihre Kreditanalyse Umweltfaktoren einfließen ließen, erzielten ebenso unterdurchschnittliche Margen wie Banken, die sich für Chancengleichheit engagierten. In Deutschland gibt es ein altes Sprichwort „Guter Wille und gute Tat (Shenzhen: 002433.SZ - Nachrichten) sind die Eltern des Glücks“ – offenbar nicht in jedem Fall auch des finanziellen Glücks.

(DW)