Kandidaten in Särge gesteckt: SAT.1-Show mit makaberem Gag

Sebastian Bütow

SAT.1 beamt seine coronagebeutelten Zuschauer in die argentinische Steppe. In der Neuauflage der Abenteuershow "The Mole" kletterten eingangs die Kandidaten aus Särgen, dann wurde ein Teilnehmer homophob beleidigt. Zum Gruseln!

Auferstanden aus Gräbern: Das ist Sat1-Show "The Mole" ebenso wie die Kandidaten. (Bild: Sat1)

Wenn du denkst, es geht schlimmer nicht mehr, holt SAT.1 ein neues Format aus der allertiefsten Gruft daher. Nein, das ist keineswegs spöttisch gemeint, sondern gleich in doppelter Hinsicht eine Tatsache. Zum einen handelt es sich bei "The Mole - Wem kannst Du trauen?" um den Wiederbelebungsversuch einer TV-Show, die bereits vor 20 Jahren im Zuge des damals aufkommenden Reality-Booms an den Start ging (und den wenigsten in Erinnerung blieb). Zum anderen lernten die Zuschauer die Kandidaten der Neuauflage kennen, als diese in Särgen lagen, um sich gegenseitig ihre fiktiven Todesanzeigen vorzulesen, welche, na klar, Teil eines mega-pfiffigen Rätselspiels waren. Aber der Reihe nach.

Man nehme: ein Moderatorenduo mit zumindest optischer Cowboy-Attitüde (Alec Völkel und Sascha Vollmer von der Rock-Band The BossHoss) und zehn äußerst verschiedene Kandidaten zwischen 23 und 66 Jahren, verschleppe diese in die argentinische Steppe, um diesen dann wenig spektakulären Rätseln und körperlichen Strapazen zuzumuten. Denn einer im Team meint es in Wirklichkeit gar nicht ernst mit dem Team Spirit, er oder sie ist "The Mole" - zu Deutsch: der Maulwurf. Diesen zu erkennen und auffliegen zu lassen, das ist die eigentliche Challenge.

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Teilnehmer Aaron wurde das Ziel eines homophoben Spruchs. (Bild: Sat1)

Das Zimmer teilen mit "Mr. Gay Germany"? "Eine absolute Katastrophe!"

"The Mole" - so weit wirkt die Programmierung stimmig - gönnt den zuletzt daheim eingepferchten Zuschauern einen Hauch Pandemie-Eskapismus und lässt sie fernen Welten träumen. Ein nachvollziehbarer Schachzug der Programmplaner in Corona-Zeiten - ob Rätselspiele in Särgen auch in diesen Kontext passen, sei mal dahingestellt.

Gleich zu Beginn lagen sie alle unter der Erde, nur per Funk verbunden mit einem Mitstreiter, und es galt, sich zu befreien. In Escape-Room-Manier knackten sie alle früher oder später Zahlencodes, aus zehn Promi-Fotos von Anke Engelke bis Niki Lauda musste festgestellt werden, wer von ihnen noch unter den Lebenden weilt, und - knarrrzzz - ging der Sargdeckel auf.

"Es ist ein Traum, meine Kiste ist offen", jubelte etwas aufgesetzt der Kandidat Aaron, einst Vize-"Mr. Gay Germany", so richtig Platz- oder Todesangst schien aber keiner zu haben, zumindest nicht glaubwürdig. Über Aaron sagte dessen Teampartner Udo später, dass es für ihn "eine absolute Katastrophe" sein würde, wenn er mit dem queeren jungen Mann ein Hotelzimmer teilen müsse, ganz unverblümt homophob.

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"Die Lamas denken doch, wir haben einen an der Waffel"

Als sich endlich alle ihrer Gruft enthoben hatten, traten die Kandidaten erstmals The BossHoss gegenüber, die bei ihrem Moderatoren-Debüt bisweilen wirkten, als wären sie kurz zuvor aus dem Nickerchen im Trailer geweckt und vom Aufnahmeleiter zum Set gescheucht worden. Die Kameraleute bemühten derweil sich redlich, einen Hauch Italowestern-Atmosphäre in ihre Bilder zu lassen. In Einspielern verrieten die Kandidaten immer wieder, was das Besondere an "The Mole" sei. "Hier werde ich möglicherweise angelogen, das ist eine Herausforderung, weil: Das gibt's sonst nicht", schwärmte etwa Muskelmann Martin. So so.

Nach einem Lasso-Crashkurs, erteilt von "zwei echten Gauchos", fingen die Kandidaten Lamas ein. Nur für bestimmte Exemplare klingelte die Teamkasse, es gab auch "Bankrott-Lamas", und zwei Kandidaten brieften ihre Teamkollegen, welche Kameltiere gefangen werden müssen und welche eben nicht. Die blonde Paula fing ein Lama, das kein Geld einbringt. Für einige war das Absicht. Ist sie etwa "The Mole"? "Die Lamas denken doch, wir haben einen an der Waffel", brachte Jessica das Geschehen auf den Punkt.

Auch Team-Best-Ager Wolfgang (66) geriet unter Verdacht, als er sich bei der Challenge "Zusammen abhängen" ungeschickt beim Seil-Abtrennen anstellte, schließlich aber doch noch in den Fluss plumpste. Am Ende mussten alle Kandidaten via Laptop und nullkommanull zuschauertransparent 20 Fragen zum Mole beantworten. Der bodenständige Uwe war damit am meisten überfordert und musste seine Sachen packen. Nur noch neun können "The Mole" sein, die Suche geht weiter am kommenden Mittwoch um 20.15 Uhr. Vorausgesetzt, die Quote ist nicht allzu tief in die Gruft geplumpst.

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