Kanada unter Schock: "Wie ein Speer in die Eingeweide"

Kanada unter Schock: "Wie ein Speer in die Eingeweide"

Der Schock über den sensationellen K.o. im olympischen Halbfinale gegen den krassen Außenseiter Deutschland saß im Eishockey-Mutterland tief. "Ein dunkler Tag für das kanadische Eishockey", schrieb die Tageszeitung National Post nach dem historischen 3:4 gegen die DEB-Auswahl: "Der schlimmstmögliche Ausgang für ein Team ohne NHL-Stars - wie ein Speer in die Eingeweide."
Die Suche nach den Schuldigen begann bei den Spielern auf dem Eis, ging weiter beim Trainer und endete beim NHL-Boss. "Es waren die Aussortierten des kanadischen Eishockey-Systems, sie verloren gegen die nicht wirklich guten Deutschen", schrieb der Toronto Star über die vorwiegend in europäischen Ligen tätigen Spieler von Team Canada: "Das zweite Drittel war nicht mal vorüber, da war es schon schwierig, nicht die meisten von ihnen zu hassen."
Es gebe "keine Entschuldigungen", sagte Stürmer Rob Klinkhammer, der in Russland spielt: "Das war eines der wichtigsten Spiele unseres Lebens, und wir waren nicht bereit." Abwehrspieler Mat Robinson, ebenfalls in der KHL tägig, gab zu: "Das ist nicht die kanadische Art. Wir mussten besser sein."
Harsche Kritik erntete Chefcoach Willie Desjardins. Der 61-Jährige, bis 2017 Trainer der Vancouver Canucks in der NHL, habe eine "ansteckende Nervosität" gezeigt, schrieb der Toronto Star und warf ihm vor, "Uralt-Eishockey" spielen zu lassen. "Alle sind enttäuscht", sagte Desjardins, "wir wussten, was wir wollten, und wir haben hart dafür gearbeitet, aber wir haben es knapp verpasst." 
Den Hauptschuldigen fanden die kanadischen Zeitungen aber in der NHL-Chefetage. "Das Blut ist an den Händen von NHL-Commissioner Gary Bettman", urteilte die Vancouver Sun, "er hat eine gute Sache ruiniert." Die beste Eishockey-Liga der Welt hatte ihre Teilnahme an den Winterspielen in Pyeongchang abgesagt. Als Gründe hatte Bettman unter anderem die hohen Kosten, aber auch die geringe Attraktivität des südkoreanischen Marktes angegeben. Seit die NHL 1998 ihre Stars zu Olympia geschickt hatte, gewann Kanada dreimal Gold.