Kampf um Mossul forderte angeblich über 9.000 Menschenleben

Mehrere Tausend Menschen starben bei der Schlacht um Mossul. Viele Opfer wurden bis heute nicht geborgen. (Bild: AP Photo)

Monatelang wurde die irakische Stadt Mossul vom Islamischen Staat und der Anti-IS-Koalition umkämpft. Wie nun bekannt wurde, ist die Zahl der Todesopfer deutlich höher als bisher angenommen.

Neun Monate lang kämpften die irakischen Streitkräfte mit Unterstützung der internationalen Anti-IS-Koalition in Mossul gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“. Im Juli 2017 vermeldete die irakische Armee die Eroberung der Stadt, die im Sommer 2014 vom IS besetzt worden war.

Wie „Associated Press“ nun berichtet, soll die Zahl der Toten während der Gefechte deutlich höher sein, als bisher angenommen: Nach Recherchen der Nachrichtenagentur, unter anderem bei Leichenhallen und Hilfsorganisationen, kamen bei der Schlacht um Mossul 9.000 bis 11.000 Zivilisten ums Leben. Das sind zehnmal mehr Tote als bisher berichtet.

Demnach seien die irakischen und die Koalitions-Truppen für den Tod von mindestens 3.200 Zivilisten durch Luftschläge und Artilleriebeschuss verantwortlich. Die Anti-IS-Koalition selbst hatte sich zuvor für 326 zivile Getötete verantwortlich erklärt, jedoch bis heute keine Ermittler in die Stadt entsandt, um die Situation vor Ort zu überprüfen. Der irakische Premierminister sprach derweil gegenüber „Associated Press“ von 1.260 toten Zivilisten. Die neuen Zahlen werden von keiner der beteiligten Parteien bestätigt.

Mit Luftschlägen zerstörten irakische und internationale Truppen Stützpunkte des IS in Mossul. (Bild: AP Photo)

„Es war der größte Angriff auf eine Stadt seit mehreren Generationen. Und Tausende sind gestorben“, berichtet Chris Woods von der Organisation „Airwars“, die Luft- und Artillerie-Angriffe im Irak und in Syrien dokumentiert. „Diesbezüglich scheinen sich alle einig zu sein, außer die Regierung und die Koalition. Ein Verständnis darüber, wie diese Zivilisten gestorben sind, könnte viele Leben retten, wenn so etwas noch mal passieren sollte. Das Desinteresse an jeglicher Form von Untersuchung ist sehr entmutigend.“

Ein Sprecher der Anti-IS-Koalition bezeichnete es als „unverantwortlich“, die Kritik nun auf unbeabsichtigte Opfer im Krieg gegen den IS zu fokussieren. „Ohne die Luft- und Bodenfeldzüge hätte es unvermeidlich noch mehr Jahre oder gar Jahrzehnte des Leidens, der sinnlosen Tode und Schändung durch die Taten von Terroristen ohne ethische oder moralische Standards in Syrien und im Irak gegeben“, erklärte Thomas Veale gegenüber der Nachrichtenagentur.