Kampf um afghanische Stadt Ghasni dauert an

Taliban-Angriff in Ghasni

Die Gefechte zwischen Regierungstruppen und Taliban-Kämpfern in der ostafghanischen Stadt Ghasni haben am Sonntag angedauert. "Die Situation ist chaotisch", sagte Amanullah Kamrani vom Provinzrat der Nachrichtenagentur AFP. Lediglich das Polizeihauptquartier, das Gouverneursbüro und einige andere Verwaltungsgebäude seien unter Kontrolle der afghanischen Sicherheitskräfte, fügte er hinzu. Am Samstag hatten die Regierung in Kabul und Vertreter der USA erklärt, die Stadt südwestlich von Kabul befinde sich unter Kontrolle der Regierungstruppen.

Ein AFP-Reporter vor Ort berichtete von Taliban-Kämpfern, die durch die Stadt streiften, Regierungsgebäude anzündeten und mehrere Kontrollstellen der Polizei unter ihre Kontrolle gebracht hätten.

Ein Anwohner sagte dem Sender Tolonews, die Kämpfe wüteten in großen Teilen der Stadt sowie in den Vororten. "Es gibt nicht genug Truppen, um die Taliban-Kämpfer zurückzuschlagen", sagte der Mann. Es handele sich um den bisher größten Angriff der Taliban auf Ghasni. Es seien nicht genug Regierungstruppen in der Stadt, um die Angreifer zurückzuschlagen.

Die Taliban-Kämpfer hatten die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, die nur etwa zwei Stunden von der Hauptstadt Kabul entfernt ist, am Donnerstag angegriffen. Am Samstag hatten sowohl die Regierung als auch die Aufständischen behauptet, Ghasni befinde sich unter ihrer Kontrolle.

Die Angaben zur Lage in Ghasni sind nur schwer zu überprüfen, weil dort weder das Strom- noch das Mobilfunknetz funktionierten. Die Taliban zerstörten einen Fernmeldeturm und griffen die Büros mehrerer Medien an.

Afghanistans Regierung will am 20. Oktober die seit drei Jahren überfälligen Parlamentswahlen nachholen. Präsident Ashraf Ghani hatte den Taliban Ende Februar Friedensgespräche angeboten. Die Taliban gingen nicht offiziell auf das Angebot ein. Im Juli fanden dann Gespräche zwischen den Taliban und US-Vertretern statt.