Auf in den Kampf

Im historischen Stadion „Rote Erde“ in Dortmund haben sich die Genossen auf den Parteitag am heutigen Sonntag vorbereitet. Die schlechten Umfragewerte drücken auf die Stimmung, doch Martin Schulz gibt sich kämpferisch.


Es fällt Martin Schulz nicht leicht an diesem Abend, den Genossinnen und Genossen Mut zu machen. „Wir sind eine starke Partei, wir sind kampfbereit“, ruft er ihnen von der Bühne im historischen Stadion „Rote Erde“ entgegen. Doch die Stimmung ist in diesem Moment noch eher gedrückt.

Es nieselt, schlaff hängen zwei große SPD-Fahnen an ihren Masten. Die SPD-Mitglieder bereiten sich hier in Dortmund auf den Parteitag vor, der am Sonntag um zehn Uhr in der Dortmunder Westfallenhalle gleich nebenan beginnt. Es gibt Bratwürste und Bier aus Pappbechern.

„Das wird ein guter Tag für die Partei“, sagt der SPD-Kanzlerkandidat mit Blick auf den Parteitag. „Wir werden den Rückstand, den wir haben, aufholen.“

„Die andere Seite hat nix, läuft uns hinterher“, macht der Kanzlerkandidat seinen Parteifreunden Mut. „Wir sind geschlossen, wir haben ein Programm.“ Das sei die große Stärke der SPD.


Schulz verweist auf aktuelle Umfragen. Sie kämen zu dem Ergebnis, dass sich 60 Prozent der Wähler noch nicht entschieden hätten, wo sie bei der Bundestagswahl im September ihr Kreuz machen wollten. Aus Sicht von Schulz ist das eine große Chance.

Aktuellen Umfragen zufolge erreicht die SPD nur noch 24 Prozent, die Union kommt auf 39 Prozent. Mit dem Dortmunder Parteitag soll sich das ändern. Das eintägige Treffen der Delegierten und der Parteispitze in der Dortmunder Westfalenhalle steht unter dem Motto „Zeit für mehr Gerechtigkeit“. Kernthemen sind mehr Investitionen in Bildung, Verkehr und Sicherheit sowie eine Entlastung von kleinen und mittleren Einkommen bei Steuern und Abgaben.


Die SPD verspricht zudem eine Sicherung des derzeitigen Rentenniveaus und will die Krankenversicherung zu einer Bürgerversicherung umbauen, für die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge wieder je zur Hälfte teilen sollen.

Als Redner auf dem Parteitag wird auch der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder erwartet, der 2005 knapp gegen seine Herausforderin Angela Merkel (CDU) verloren hatte. „Gerhard Schröder steht wie kein anderer dafür, dass man in einer schwierigen, scheinbar ausweglosen Situation noch etwas bewegen kann“, sagte Fraktionschef Thomas Oppermann in Dortmund.

Die Sozialdemokraten ziehen ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf. Erklärtes Ziel ist es, stärkste Partei im Bundestag zu werden.