Die Kampagnen aggressiver Investoren werden zunehmend persönlich


Die deutschen Großkonzerne müssen sich darauf einstellen, dass sie von aggressiven Investoren mit durchaus rüden Methoden attackiert werden. Davon ist der Investmentbanker Dirk Albersmeier überzeugt.

Herr Albersmeier, Aktivisten wie Paul Singer von Elliott wirbeln die Unternehmen durcheinander. Jüngstes Beispiel ist Thyssen-Krupp, wo der Hedgefonds massiven Einfluss auf den Vorstand ausübt, den Konzern umzubauen. Ist das erst der Anfang?
Keine Frage, der Shareholder-Aktivismus wird auch in Deutschland in Zukunft eine deutlich größere Rolle spielen. Es gibt schon jetzt eine Handvoll Hedgefonds, die alle Szenarien im deutschen Markt durchspielen, in den Dax- und MDax-Unternehmen. Ihre Grundhypothese heißt: Kein Unternehmen kann auf Dauer eine Weltklasse-Leistung abliefern, wenn es zu breit aufgestellt ist.

Deshalb nehmen die Kampagnen zu?
Der US-Markt ist weitgehend abgegrast, deshalb tauchen die Aktivisten verstärkt in Europa auf. Elliott hat in Europa 2018 rund ein Dutzend neue Kampagnen vorangetrieben. Der Hegefonds investiert inzwischen mehr als zehn Milliarden Dollar in Europa.

Die Vorstände müssen mit allem rechnen?
Wir erwarten, dass die Kampagnen nicht nur aggressiver, sondern auch deutlich persönlicher werden und teilweise ganz gezielt einen Wechsel im Topmanagement zum Ziel haben werden.

Deutlich persönlicher – was heißt das?
In den USA mussten sich schon Vorstände dafür rechtfertigen, dass man sie angeblich Freitagnachmittag auf dem Golfplatz gesehen hat. Dort suchen Privatdetektive nicht selten nach persönlichen Verfehlungen der Führungskräfte, wenn ein Unternehmen ins Visier der Aktivisten gerät. Ich weiß aber nicht, ob es in Deutschland auch so extrem werden wird, aber es zeigt die Richtung an, was zu erwarten ist.



Mit Nestlé traf es zuletzt ein Unternehmen, das kerngesund war…

Ja, das ist ein wichtiges Beispiel. Es zeigt, auch große und gut aufgestellte Konzerne sind nicht mehr sicher vor aktivistischen Attacken. Die suchen nach Schwächen in der Aktien-Performance oder Profitabilität und finden sie meistens auch. Die echten Stars sind global unterwegs und stehen überwiegend auf einem Bein – das ist die Devise der Aktivisten.