Kameruns 85-jähriger Staatschef Biya strebt siebte Amtszeit an

Buswracks nach Kämpfen im Westen Kameruns am 10. Juli

Der langjährige kamerunische Staatschef Paul Biya hat am Freitag seine Kandidatur für eine siebte Amtszeit bei der Präsidentschaftswahl am 7. Oktober angekündigt. Im Kurzbotschaftendienst Twitter schrieb der 85-Jährige, für ein "noch einigeres, stabileres und blühenderes Kamerun" müssten die "Herausforderungen gemeinsam" angegangen werden. Mit seiner neuerlichen Bewerbung für das Präsidentenamt reagiere er auf "unaufhörliche Appelle" von Landsleuten aus dem In- und Ausland.

Die Ankündigung erfolgte einen Tag nach einem Angriff auf einen Konvoi von Biyas Verteidigungsminister Beti Assomo im unruhigen englischsprachigen Teil von Kamerun. Dabei wurden nach Angaben des staatlichen Rundfunks Angreifer getötet und vier Soldaten verletzt.

Bei den Angreifern handelte es sich um mutmaßliche Kämpfer der Bewegung für die Unabhängigkeit zweier Regionen im Westen Kameruns ein, in denen der überwiegende Teil der anglophonen Bevölkerung lebt.

Etwa ein Fünftel der Kameruner gehört der englischsprachigen Minderheit an, die übrigen Bewohner des zentralafrikanischen Landes gehören zur französischsprachigen Mehrheit - die sprachliche Aufteilung des Landes ist eine Folge der Kolonialzeit.

Die Unabhängigkeitsbewegung beklagt eine Diskriminierung der Anglophonen durch die Frankophonen. Sie erklärte am 1. Oktober symbolisch die Unabhängigkeit des Staates "Ambazonia", nachdem Biya ihre Forderung nach mehr Autonomie zurückgewiesen hatte. Der Staatschef reagierte mit aller Härte und ordnete Ausgangssperren, Durchsuchungen und Reisebeschränkungen an.

Der bewaffnete Konflikt mit den Unabhängigkeitskämpfern dürfte den Wahlkampf beherrschen. Seit Ende 2017 starben bereits mehr als 80 Sicherheitskräfte, 185.000 Kameruner flohen vor den Kämpfen, etwa 34.000 von ihnen in das Nachbarland Nigeria. Dem zentralafrikanischen Land macht außerdem die im Norden aktive bewaffnete Islamistenorganisation Boko Haram zu schaffen.

Biya herrscht seit 1982 über Kamerun. 2011 änderte er die Verfassung, um seinen Verbleib im Amt zu sichern, nachdem er die Opposition zerschlagen hatte. Vor Biya hatten bereits andere Politiker ihre Kandidatur erklärt, darunter Joshua Osih von der größten Oppositionspartei Sozialdemokratische Front (SDF), der Anwalt und ehemalige Vizechef der Antikorruptionsorganisation Transparency International, Akere Muna, und der Vorsitzende der Bewegung für Kameruns Wiedergeburt (MRC), Maurice Kamto.