Kambodschas Präsident Hun Sen wendet sich vom Westen ab – und China zu


Es ist nur eine von vielen Marotten des Machthabers. Hun Sen, Regierungschef von Kambodscha, befahl Reportern einmal, er möge in Artikeln künftig nur noch wie folgt bezeichnet werden: „Glorreicher Prinz, höchster Beschützer des Volkes und berühmter Kriegsherr.“

Den Titel wird er wohl behalten. Die Partei des Machthabers des südostasiatischen Landes hat erwartungsgemäß die Wahl gewonnen – nach eigenen Angaben stimmten 75 Prozent Wähler für Hun Sens Cambodian People’s Party (CCP). Das offizielle Ergebnis kommt im August.

Alles andere als ein Sieg Sens wäre eine Überraschung gewesen. Schließlich löste er 2017 die wichtigste Oppositionspartei auf, die Cambodian National Rescue Party (CNRP). Noch vor wenigen Jahren hätte der Machthaber vor starken Repressalien bei Wahlen zurückgeschreckt, auch weil ihn Sanktionen des Westens stark getroffen hätten.

Die USA haben bereits kurz nach der Verkündung das Wahlergebnis damit gedroht, weitere Strafen zu verhängen. Zudem riskiert Hun Sen, Handelsbegünstigungen der EU zu verlieren, was den Textilsektor des Landes treffen könnte.


Doch mittlerweile ist dem 65-Jährigen, der einst für die Roten Khmer kämpfte und schließlich zu dessen von Vietnam unterstützten Gegnern überlief, das Verhältnis zum Westen ziemlich egal. Auf Wahlkampfveranstaltungen wettert er gegen EU und USA und wirft ihnen vor, zu wenig für die Entwicklung seines Landes zu tun. Sein wichtigster Partner ist China, das im ganzen Land Kraftwerke und Straßen baut. Mehr als ein Drittel der Direktinvestitionen kommt mittlerweile aus der Volksrepublik.

Hun Sen gehört mit einer Regierungszeit von 33 Jahren zu den Staats- und Regierungschefs, die sich weltweit am längsten an der Macht halten. Angesichts der geschwächten Opposition und der starken Unterstützung aus China scheint ihn nichts aufhalten zu können.