Kalte Schulter für Petrus

Comdirect-Chef Arno Walter weist die Kritik des Aktionärs Petrus Advisers am Verhältnis zum Mutterkonzern Commerzbank zurück. Im Interview spricht er außerdem über den Boom an den Märkten und Pannen im Online-Banking.


Comdirect-Chef Arno Walter hat ins Clubhaus der Frankfurter Rudergesellschaft Germania geladen, um die Zahlen der Direktbank in den ersten neun Monaten zu präsentieren. Bereinigt um einen Sondereffekt aus dem Vorjahr stieg der Vorsteuergewinn um zehn Prozent auf 72,5 Millionen Euro. Ein ordentliches Ergebnis, findet Walter.

Doch mehr als die Zahlen interessiert viele, was Walter zur Kritik von Petrus Advisers sagt. Der aktivistische Investor hatte sich im September in einem Brief an Commerzbank-Chef Martin Zielke bitterlich über die Lage bei Comdirect beschwert. Die Commerzbank, die 82 Prozent an Comdirect hält, bezeichnete Petrus als „dominierenden und ideenlos agierenden Aktionär“.

Doch Walter sieht trotz der Kritik keinen Anlass, am Verhältnis von Commerzbank und Comdirect etwas zu ändern. Die Zahlen von Comdirect entwickelten sich gut. Und von vielen anderen Investoren gebe es positive Rückmeldungen, sagt Walter. „Neben den Aktionären und Investoren honorieren auch die Kunden, dass wir eine ganze Menge richtig machen. Insofern würde ich jetzt keinen Anpassungsbedarf sehen.“ Kritisch sieht Petrus besonders die hohen Kosten bei Comdirect. Das Verhältnis von Kosten zu Erträgen (Cost-Income-Ratio) liegt bei der Commerzbank-Tochter deutlich höher als bei anderen Direktbanken. Doch Vorstandschef Walter hat damit kein Problem, wie er im Handelsblatt-Interview deutlich macht.


In den ersten neuen Monaten ist die Cost-Income-Ratio von Comdirect auf 74,4 Prozent gestiegen. Damit schneiden Sie deutlich schlechter ab als andere Direktbanken. Warum?
Die Cost-Income-Ratio ist eine Kennziffer, die wir uns auch anschauen, aber nach der wir nicht primär die Bank steuern. Wir orientieren uns viel stärker an der Eigenkapitalrendite und den Wachstumszahlen. Die Cost-Income-Ratio wird von vielen Faktoren beeinflusst. Wenn wir ein positives Zinsumfeld hätten, würden unsere Erträge sofort steigen, und auch die Cost-Income-Ratio würde sich verbessern. Im aktuellen Marktumfeld bin ich mit unserer Quote durchaus zufrieden. Aber natürlich ruhen wir uns darauf nicht aus.

Ihr Aktionär Petrus Advisers kritisiert, Sie würden viele Dienstleistungen bei ihrem Mutterkonzern Commerzbank zu teuer einkaufen.
Die Kritik einzelner Investoren kommentiere ich nicht. Natürlich gibt es auch Dienstleistungen, die wir bei der Commerzbank einkaufen, so zum Beispiel Geldautomaten-Service oder auch bei der Wertpapierabwicklung. Alles wird zu Marktpreisen erworben und das prüft auch der Wirtschaftsprüfer sehr genau.

Ein anderer Kritikpunkt von Petrus Advisers ist, dass Sie Commerzbank-Aktien als Bonus bekommen und keine Comdirect-Aktien. Würde da eine Veränderung nicht Sinn machen?
Das Vergütungsmodell liegt in der Verantwortung des Aufsichtsrats. Aber wir sind an dieser Stelle komplett transparent. Und wir erfüllen alle Anforderungen, die vom Aktiengesetz und von der Institutsvergütungsverordnung vorgegeben sind. Insofern denke ich: Da passt alles.


Ein anderes unangenehmes Thema sind Pannen im Onlinebanking. Im Sommer 2016 landeten Comdirect-Kunden beim Einloggen auf Konten und Depots anderer Sparer. Im September 2017 hatten einige Comdirect-Kunden Kontoauszüge von anderen Kunden in ihrer Postbox. Sind solche Pannen das „new normal“ in der Bankenwelt?
Nein, das ist nicht das ‚new normal‘. Wir haben aus dem Vorfall im vergangenen Jahr gelernt und haben Vorsorge dafür getroffen, dass so etwas nicht noch mal passiert. Bei dem anderen Thema wurden einige wenige Kontoauszüge falsch sortiert, also etwas ganz anderes. So etwas ist unschön. Wir sehen jedoch, dies hat nicht zu einer Verunsicherung der Kunden geführt.

Wie hat sich das Geschäft in den ersten neun Monaten entwickelt? Und sind sie mit dem Vorsteuergewinn von 72,5 Millionen Euro zufrieden?
Es ist ein sehr ordentliches Ergebnis, bei einem weiter sehr anspruchsvollen Marktumfeld mit Niedrigzinsen. Auch am Kapitalmarkt haben wir im dritten Quartal kaum Impulse gesehen. Dennoch haben wir unseren Provisionsüberschuss gesteigert und damit den Rückgang des Zinsergebnisses mehr als kompensiert. In den ersten neun Monaten kommen wir auf eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von über 16 Prozent. Das ist im branchenvergleich sehr gut. Außerdem haben wir seit Jahresbeginn 190.000 neue Kunden gewonnen, die Anlagen sind um zwölf Milliarden Euro gestiegen.

Warum gibt es an den Märkten kaum noch Ausschläge?
Ich habe das Gefühl, dass sich die Anleger an politische Unsicherheiten und vielleicht auch schlechte Nachrichten gewöhnt haben. Nach einem Anschlag wie jetzt in New York gibt es keine Panikverkäufe. Und auch andere politische Großereignisse ­in diesem Jahr – egal ob in den USA, Asien oder Europa – haben die Anleger eher kaltgelassen. Die Volatilität an den Märkten ist daher eher gering.

Wie geht es an den Märkten weiter?
Momentan warnen viele vor Rückschlägen, weil der Dax einen Höchststand nach dem anderen markiert und jetzt über 13.000 Punkten steht. Aber ich bin seit 30 Jahren in der Branche unterwegs und kann Ihnen sagen: Man hat auch bei 2000, 5000, 7000 und 10.000 Punkten gesagt, der Dax sei hoch. Auf lange Sicht werden wir sicher auch höhere Werte als 13.000 sehen. Und ganz grundsätzlich gilt: An der Wertpapieranlage führt nichts vorbei, denn anders kann man bei Nullzinsen kein Vermögen aufbauen. Und wenn man langfristig investieren will, ist der Zeitpunkt immer richtig. Auch ich mache meine Altersvorsorge deshalb mit Wertpapieren.