Kalender voll: Wäre eine Verschiebung des China-GP überhaupt möglich?

Norman Fischer

Was macht die Formel 1 mit dem Großen Preis von China? Das Rennen in Schanghai steht dank des Coronavirus stark auf der Kippe. Zahlreiche Sportevents wurden bereits abgesagt, sodass es nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis die Formel 1 dem Beispiel folgt. Doch was passiert dann? Sagt man das Rennen ganz ab oder verschiebt man es erst einmal nur?

"Wir werden uns die Möglichkeit offenlassen, das Rennen später im Jahr durchzuführen", hatte Formel-1-Sportchef Ross Brawn gestern gesagt. Denn klar ist: Die Serie möchte sich die Antrittsgelder nicht entgehen lassen und sieht China als immens wichtigen Markt an. "Wir würden gerne ein Rennen in China haben", betont Brawn.

Doch besteht überhaupt die Möglichkeit, das Rennen in einem mit 22 Grands Prix ohnehin schon proppevollen Kalender irgendwo hin zu verschieben? Einen Tausch mit einem anderen Rennen - etwa Russland - wird es nicht geben. Denn kein Promoter wird sich sechs Monate an Marketing-Zeit freiwillig klauen lassen.

Realistisch ist eine Austragung ohnehin erst in der zweiten Jahreshälfte, wenn sich die Situation bis dahin wieder gebessert hat. Ein Blick in den Kalender verrät jedoch, dass man nicht so einfach ein freies Wochenende belegen kann.

30. August: Belgien

6. September: Italien

13. September: frei

20. September: Singapur

27. September: Russland

4. Oktober: frei

11. Oktober: Japan

18. Oktober: frei

25. Oktober: USA

1. November: Mexiko

8. November: frei

15. November: Brasilien

22. November: frei

29. November: Abu Dhabi

6. Dezember: frei

13. Dezember: frei

Für eine Verschiebung muss man vor allem zwei Dinge beachten. Die Teams wollen nach Frankreich-Österreich-Großbritannien 2018 keinen weiteren Triple-Header, um die Belastung der Mitarbeiter nicht noch weiter zu strapazieren. Damals waren es sogar drei Europarennen ohne lange Flüge, Jetlag oder Zollkomplikationen. Bei Übersee-Rennen wäre das logistisch fast unmöglich.

Kein Platz frei

Zudem hat man China in der jüngeren Vergangenheit keinen Back-to-Back-Slot mehr eingeräumt, weil es einige Probleme mit dem Zoll gegeben hat.

Bedenkt man diese beiden Sachen, ist ein Einfügen in den Kalender unmöglich. Eine Verkürzung der Sommerpause, indem man das Rennen auf eine Woche nach Budapest legt, lehnen die Teams ab, alle anderen Slots sind belegt. Mit dem 13. September hätte man fünf Rennen in Folge, die vier folgenden freien Wochenenden würden vier Rennen in Folge bedeuten - und das mit unsinnigen Reiserouten wie Mexiko - China - Brasilien.

Theoretisch könnte man einen Triple-Header von Brasilien nach Abu Dhabi machen, doch auch das wäre bei drei Rennen in verschiedenen Zeitzonen unpraktikabel. Die einzige Möglichkeit wäre also die Saison zu verlängern.

Rückt Abu Dhabi nach hinten?

Fraglich ist jedoch, ob die Teams dazu bereit wären, nach der ohnehin schon anstrengenden Saison einen weiteren Grand Prix in China auszutragen, der Mitte Dezember stattfinden würde, wenn die Vorbereitungen für 2021 schon in vollem Gang sind. Und dann wäre da ja noch der Fakt, dass Abu Dhabi laut Vertrag das Saisonfinale austragen darf.

Das könnte man nur umgehen, indem man Abu Dhabi um eine Woche nach hinten verschiebt und Schanghai auf den ursprünglichen Finalslot setzt. Doch auch hier dürften die Teams über die zusätzliche Belastung am Saisonende nicht erfreut sein.

Sollte man sich doch dafür entscheiden, dann sollte man einen Blick auf das Wetter nicht vernachlässigen: Im Dezember betragen die Temperaturen durchschnittlich drei bis elf Grad Celsius bei zehn Stunden Sonnenlicht pro Tag. Ein graues Wochenende in einem grauen Paddock wäre fast garantiert - nicht gerade attraktiv für ein Saisonende.

Ob die Formel-1-Saison 21 oder 22 Rennen haben wird, bleibt aber erst einmal abzuwarten.

Mit Bildmaterial von LAT.