Bayerns Sportchef: Kahn und van Bommel sagen ab

Martin Volkmar, Reinhard Franke
Spätestens Anfang September wollen die Bayern einen neuen Sportdirektor präsentieren

Diese Einsicht kam schneller als gedacht:

Noch im April hatte Karl-Heinz Rummenigge erklärt, der FC Bayern habe keine Eile bei der Suche nach einem neuen Sportchef.

"Wir gehen mit dem Thema Sportdirektor intern extrem entspannt um. Wann und mit wem wir diese Position besetzen, kann ich heute nicht seriös beantworten", sagte der Vorstandsboss damals.

Rund dreieinhalb Monate später sieht die Situation plötzlich ganz anders aus. Grund sind offenbar die vielen gemeinsamen Fahrten mit Uli Hoeneß auf der Asienreise.

Gute Gespräche mit Rummenigge

"Wir sehen das Problem auch", hatte der Präsident schon vor einigen Tagen erklärt:

"Karl-Heinz Rummenigge und ich haben hier viel Zeit, wir fahren viel mit dem Auto gemeinsam stundenlang durch die Gegend. Sie können versichert sein, dass dabei etwas Vernünftiges rauskommen wird."


Am Montag in Singapur wurde Hoeneß dann bei einer Medienrunde noch wesentlich konkreter. "Ich habe es ja bereits gesagt: Karl-Heinz Rummenigge und ich sind viel Auto gefahren. Da haben wir das ein oder andere Gespräch geführt", berichtete er.

Das überraschende Ergebnis: "Innerhalb der nächsten sechs Wochen werden wir einen Sportdirektor präsentieren."

Hoeneß geht also fest davon aus, dass der FC Bayern spätestens Anfang September, vielleicht sogar schon beim Saisonauftakt am 18. August gegen Bayer Leverkusen einen neuen Mann präsentieren kann.

Unwahrscheinlich angesichts der kurzen Zeitspanne, dass die Münchner erst jetzt mit der Suche für den Nachfolger des im Sommer 2016 zurückgetretenen Matthias Sammer beginnen.

Van Bommel und Kahn nicht interessiert

Als Top-Kandidaten wurden zunächst Oliver Kahn und Mark van Bommel gehandelt. Doch Ex-Kapitän Kahn hatte im Interview mit SPORT1 schon vergangenes Jahr gesagt, dass ihn der Job nicht reizen würde.

Daran hat sich nach SPORT1-Informationen nichts geändert, wie auch Hoeneß der Sport Bild bestätigte: "Oliver Kahn hat uns klar gesagt, dass er nicht Sportdirektor werden will. Darum ist er auch kein Thema."

Auch van Bommel, den Eurosport zum Favoriten ernannt hat, ist laut seines Schwiegervaters Bert van Marwijk nicht an einer Rückkehr als Sportchef interessiert.

"Mark wird nicht Sportdirektor bei Bayern, er ist in Eindhoven Trainer bei der U19 und das macht ihm großen Spaß. Wenn er zu Bayern gehen würde oder mit denen verhandeln würde, dann hätte ich es gewusst. Ich denke, er hätte seinem Schwiegervater davon erzählt", sagte van Marwijk SPORT1.

Zumal van Bommel neben seinem Job beim PSV Eindhoven, den er erst zur neuen Saison angetreten hat, auch noch Co-Trainer van Marwijks beim Nationalteam von Saudi-Arabien ist, das gute Chancen auf die Qualifikation für die WM 2018 hat.

Van Marwijk weiter: "Ich weiß, dass Bayern ihn damals als Co-Trainer wollte, aber dass Mark Sportdirektor werden soll, das höre ich zum ersten Mal."

Carlo Ancelotti soll van Bommel allerdings als Assistenten abgelehnt und sich stattdessen für Willy Sagnol entschieden haben. Und als Sportdirektor wäre der Niederländer dem italienischen Chefcoach sogar nominell vorgesetzt.

Lahm und Xabi Alonso wollen nicht

Ancelotti hatte sich bei der Suche nach einem Assistenten zuvor bereits Absagen von Xabi Alonso und Philipp Lahm geholt, die beide nach dem Karriereende erst mal eine Auszeit einlegen wollen und daher auch nicht als Sportdirektor zur Verfügung stehen.


"Lahm gehört nicht zum Kandidatenkreis. Aber das ist ja nicht unsere Entscheidung, sondern er hat diese Entscheidung getroffen, dass er das nicht machen will. Sportdirektor wollte er eh nicht werden", bekräftigte Hoeneß.

Doch wer kommt dann in Frage? Zahlreiche Kandidaten haben in den vergangenen Monaten ein Engagement beim FCB abgelehnt wie Max Eberl, Stefan Reuter und Oliver Bierhoff oder mittlerweile einen anderen Job gefunden wie Hoffenheims neuer Sportvorstand Hansi Flick.

Frühere Bayern-Leitwölfe wie Lothar Matthäus, Stefan Effenberg und Michael Ballack kann man aufgrund persönlicher Animositäten mit der Führung und fehlender Erfahrung außerhalb des Platzes wohl ebenso ausschließen wie Miroslav Klose, der sich vorerst auf seinen Job im Trainerstab von Bundestrainer Joachim Löw konzentrieren will.


Sofort zur Verfügung stünde hingegen Thomas Linke, der fast alle Kriterien erfüllt: Sieben Jahre spielte der frühere Nationalspieler in München und gewann unter anderem fünfmal die Meisterschaft sowie 2001 die Champions League.

Zudem hat der 47-Jährige fünf Jahre Erfahrung als Sportdirektor beim FC Ingolstadt, wo er im Sommer auf eigenen Wunsch aufhörte.

Linke und der FCB - das könnte passen.