Kaepernicks aussichtsloser Kampf gegen die NFL

Eric Böhm
Colin Kaepernick steht in der NFL auf der Schwarzen Liste - auch dank Präsident Donald Trump

Als hätte Roger Goodell dieser Tage nicht schon genug Ärger.

Die unendliche Geschichte um die Sperre für Cowboys-Star Zeke Elliott und die Diskussionen über seine eigene Vertragsverlängerung rauben dem NFL-Boss bereits jeden Nerv, jetzt steckt er aber auch noch mittendrin im Fall Colin Kaepernick.

Der auf der schwarzen Liste stehende Quarterback denkt nämlich gar nicht daran, seine Ausgrenzung still zu schlucken. Stattdessen hetzt er der Liga seine Anwälte auf den Hals.

Eine Rehabilitierung oder gar ein neues Team sind allerdings aussichtsloser als das Ende der Twitter-Tiraden von Donald Trump. Das System NFL ist einfach zu mächtig.

41 Quarterbacks Kaepernick vorgezogen

Seit der ehemalige Super-Bowl-Quarterback Kaepernick im März Free Agent wurde, fanden ganze 41 Quarterbacks einen neuen Job in der Liga.

Die überwältigende Mehrheit mit nicht annähernd den Erfolgen und individuellen Zahlen wie "Kaep", der noch dazu ein absoluter Musterprofi ist. Statt mit Alkohol- oder Gewaltexzessen verbringt er seine Freizeit mit humanitären Missionen.

Genau deshalb hat Kaepernick mit Hilfe seiner Anwälte bei der NFL eine offizielle Beschwerde wegen ungerechter Behandlung in Folge seines Hymnenprotests eingereicht.

Im Schreiben seiner Anwälte heißt es, die Teambesitzer hätten "sich untereinander abgesprochen, um Mr. Kaepernick seiner Beschäftigungsrechte wegen seines Einsatzes für Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit zu berauben".


Goodell und Besitzer müssen Daten offenlegen

Dies zu beweisen, wird allerdings extrem schwierig werden. Zumindest wird es eine Anhörung vor einem Schiedsgericht der NFL geben, dort kann Kaepernicks Team seine Beweise vorlegen.

Dass einige Teambesitzer wie Robert Kraft (Patriots), Jerry Jones (Cowboys) oder Bob McNair (Texans) ebenso wie Goodell nun ihre Telefon- und E-Mail-Daten offenlegen müssen, ist immerhin ein erster Sieg für Kaepernick - und peinlich für die NFL.

"Jeder Tag, der vergeht, ohne dass Colin unter Vertrag genommen wird, ist ein weiterer Sargnagel für die Verteidigung der NFL", sagt Anwalt Mark J. Geragos.

Verschwörung würde gegen Tarifvertrag verstoßen

Kaepernick muss eine Verschwörung zwischen mehreren Teams oder mindestens einem Team und der NFL nachweisen, ihm schwächere Quarterbacks aus nicht-sportlichen Gründen vorgezogen zu haben.

Dieser Fakt würde gegen den aktuellen Tarifvertrag verstoßen und Kaepernick Recht geben. Das Problem ist, wie der neutrale Schlichter Stephen Burbank (Rechtsprofessor an der University of Pennsylvania) davon überzeugt werden kann.

Der Schlüssel zur Strategie von Kaepernicks Star-Verteidiger, der einst unter anderem Michael Jackson und Chris Brown vertrat, ist dabei ausgerechnet Kaeps Widersacher Donald Trump.

Trump ist der Schlüssel

Während des Wahlkampfes und nach seiner Amtseinführung hat Trump Kaepernick als unpatriotisch, Schande oder gar "Hurensohn" bezeichnet.

Im März flog Patriots-Boss Kraft zusammen mit Trump in der Air Force One. Einen Tag später sagte Trump auf einer Veranstaltung in Kentucky, dass es Berichte gäbe, NFL-Besitzer würden Kaepernick nicht holen, weil sie Angst vor bösen Tweets des Präsidenten hätten.

Außerdem sind Kraft, Jones und McNair erklärte Gegner der Proteste - und spendeten massiv für Trumps Wahlkampf. Kraft schenkte Trump sogar einen Super-Bowl-Ring.

"Es kann nicht sein, dass Sportlern von der Exekutive des Landes ihr Recht auf Arbeit mit Hilfe einer politischen Provokation (gemeint sind Trumps Attacken auf Kaepernick, Anm. der Red.) aktiv verweigert wird", sagt Geragos.


Cowboys-Boss mit Pizzakette verstrickt?

Der zweite Kernpunkt ist die Kontroverse um eine Pizzakette, die Sponsor der Liga und insgesamt 23 Teams ist. Deren Boss John Schnatter hatte unlängst der NFL vorgeworfen, die Hymnenproteste würden dem Geschäft schaden.

Nach Informationen der Sports Illustrated soll Cowboys-Boss Jones das aggressive Statement Schnatters mitverfasst haben. Das wäre ein Beweis für Einflussnahme durch Jones auf Liga und andere Besitzer. Telefondaten und Mails sollen entsprechende Absprachen zusätzlich belegen.

Sieg extrem unwahrscheinlich

Dennoch wird es für Kaepernick extrem schwierig, diesen Fall vor einem NFL-Schiedsgericht - oder später vor einem ordentlichen Gericht - zu gewinnen und wieder spielen zu dürfen. Diese Blöße wird das Multimilliarden-Konstrukt NFL mit allen Mitteln verhindern.

Der bestmögliche Ausgang für den 30-Jährigen scheint ein massiver Schadensersatz zu sein, falls er wirklich Recht bekäme. Ein durchschnittlicher Vertrag eines Starting-Quarterbacks liegt 2017 bei rund zwölf Millionen Dollar pro Jahr.

Bei einem erwiesenen Verstoß gegen den Tarifvertrag bekäme Kaepernick dann 36 Millionen Dollar von der NFL. Die Symbolkraft würde die Summe allerdings bei weitem überstrahlen.