Wie die künstliche Intelligenz das Wachstum von Microsoft beschleunigt

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Es ist erst ein Jahr her, dass Microsoft (WKN:850747) eine neue Forschungsgruppe für künstliche Intelligenz ins Leben gerufen hat, die zunächst 5.000 Wissenschaftler und Ingenieure beschäftigte. Die Tatsache, dass Microsoft neben den Kerngeschäftsbereichen Windows, Office und Azure eine eigenständige Gruppe für die KI-Entwicklung ins Leben rief, war ein deutliches Indiz dafür, dass Microsoft ernsthaft darauf bedacht war, diesen Technologietrend für langfristige Gewinne zu nutzen.

Nur ein Jahr später ist die Forschungsabteilung von Microsoft um 60 % gewachsen. Die Sparte beschäftigt derzeit 8.000 Mitarbeiter, da der Software-Riese eine Mischung aus  Übernahmen und Neueinstellungen genutzt hat, um dieses Team zu verstärken. Das Unternehmen ist bestrebt, KI in einer Vielzahl von Anwendungen einzusetzen – von der Cloud über das Gesundheitswesen bis hin zu selbstfahrenden Autos – um sich für die Zukunft der rückläufigen PC-Verkäufe abzusichern.

Sehen wir uns nun genauer an, wie Microsoft die Leistungsfähigkeit der künstlichen Intelligenz nutzt, um sein Geschäft zu steigern.

Office 365 profitiert bereits von den Vorteilen der KI

Microsoft versucht, ein Anbieter von Software-as-a-Service (SaaS) zu werden, und KI hilft dabei, diesen Wandel voranzutreiben. Das Unternehmen hat bekannt gegeben, dass die Einnahmen aus den abonnementbasierten Office-365-Produkten im letzten Quartal den Umsatz der traditionellen Microsoft Office-Software übertrafen.

Microsoft hat nicht genau erklärt, wie viel Umsatz Office 365 genau gemacht hatte, aber die Office-Commercial-Einnahmen (die sowohl Office 365 als auch die traditionelle Office-Software enthält) stieg um 5 % gegenüber dem Vorjahr auf 277 Millionen US-Dollar. Das Büro-Kundengeschäft verzeichnete im Vergleich zum Vorjahr mit 13 % ein stärkeres Wachstum.

Microsoft führt dieses Wachstum auf die zunehmende Beliebtheit der Office-365-Plattform zurück, was nicht überraschend sein sollte, da das Unternehmen diese mit Hilfe von KI intelligenter gestaltet hat. Beispielsweise ist die PowerPoint-Software in Office 365 mit einer QuickStarter-Funktion ausgestattet, die Empfehlungen für die Präsentation enthält.

Ebenso kann der Microsoft Cortana-Assistent Daten aus Outlook Mail abrufen, um Aufgaben und Besprechungen zu planen. Das Gute daran ist, dass Microsoft die Office 365-Plattform mit weiteren KI-Features erweitern wird. Beispielsweise wird die Excel-Tabellenkalkulationsfunktion ab dem nächsten Jahr in der Lage sein, “neue Datentypen über Text und Zahlen hinaus zu verstehen und diese Daten auf der Grundlage öffentlicher und unternehmensinterner Informationen zu erweitern”.

Aber das ist nur eines der vielen Features, die das Unternehmen auf diese Plattform bringt. Die Integration von LinkedIn-Profilen in Office 365 wird den Benutzern in einem Unternehmen umfassende Einblicke zu den Mitarbeiter innerhalb und außerhalb des Unternehmens ermöglichen. Durch solche Wertsteigerungen wird die Office-365-Plattform in Zukunft attraktiver, sodass Microsoft mehr Einnahmen aus diesem Geschäft erzielen kann, das bereits eine jährliche Run Rate von 1,5 Milliarden US-Dollar aufweist.

Das  Gesundheitswesen

Ein großes Feld für die Anwendung der künstlichen Intelligenz wird das Gesundheitswesen sein. Nach einer Schätzung könnte die künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen von 2017 bis 2025 jährlich um 40 % wachsen. Microsoft will diesen Zug nicht verpassen und hat im vergangenen Monat deshalb eine eigene Abteilung eingerichtet, die sich mit der Erforschung von KI-Einsätzen im Healthcare-Bereich in seiner Einrichtung in Cambridge beschäftigt.

Diese Abteilung wird sich auf die Entwicklung von prädiktiven analytischen Instrumenten und Überwachungssystemen konzentrieren, um Patienten frühzeitig auf mögliche Krankheiten wie Diabetes und Krebs aufmerksam zu machen. Darüber hinaus wendet Microsoft das maschinelle Lernen auf die Suche nach Krebstherapien an, um Heilmittel zu finden. Es nutzt auch Computer-Vision-Technologie, um Radiologen zu helfen, das Fortschreiten von Krebs bei Patienten zu verstehen.

Alles in allem tut Microsoft das Richtige, indem es ein spezialisiertes Labor für diesen Bereich einrichtet; das Potenzial für künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen könnte bis 2022 auf bis zu 8 Milliarden US-Dollar steigen.

KI-fähige Technologie könnte das Rückgrat selbstfahrender Autos sein

Anfang dieses Jahres hat Microsoft seine Connected Vehicle Platform auf der Azure Cloud für selbstfahrende Autos eingeführt. Diese Plattform wird die riesigen Datenmengen aufnehmen, die von den Sensoren der selbstfahrenden Autos generiert werden, und dann mithilfe von KI in Echtzeit Entscheidungen treffen.

Die Cloud wird das ultimative Ziel für die Daten sein, die vernetzte und selbstfahrende Autos generieren. Nach einer Schätzung kann ein 2017er Modelljahr mit 16 Sensoren und zwei Kameras bei einer Fahrzeit von nur zwei Stunden 20 GB Daten erzeugen. Ein vollautonomes Auto wird voraussichtlich mit mindestens 20 Sensoren und mehreren Kameras ausgestattet sein, sodass die Datenmenge unglaublich groß sein wird.

Kein Wunder, dass ein vollautonomes Auto pro Sekunde 10 GB an Daten generiert, die größtenteils in der Cloud weiterverarbeitet werden. Dies könnte Microsoft eine große Chance eröffnen, sein Cloud-Geschäft zu stärken, da immer mehr Automobilhersteller eine Plattform mit Supercomputing-Leistung benötigen.

Wie es aussieht, hat Microsoft bereits Partnerschaften mit Renault-Nissan und Tata Motors geschlossen. Das erstgenannte Unternehmen hat sich entschieden, die Plattform von Microsoft als Grundstein für das Testen selbstfahrender Autos zu verwenden, während Tata die Plattform einsetzen wird, um die Konnektivität in seinen Autos zu ermöglichen und andere Aktivitäten wie die vorbeugende Wartung durchzuführen. Darüber hinaus nutzt Swiss Re auch Microsofts Fahrzeugplattform, um maßgeschneiderte Versicherungen auf Basis des Fahrerverhaltens zu erstellen.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass Microsofts Azure-Cloud-Geschäft im Vergleich zum Vorjahresquartal um 97 % gewachsen ist, während der Umsatz aus dem Intelligent-Cloud-Geschäft (mit Azure) um 11 % gestiegen ist. Darüber hinaus hat Microsoft seinen Cloud-Marktanteil um 3 % gesteigert, und es könnte sogar noch mehr werden, wenn vernetzte Autos und autonome Fahrzeuge an Zugkraft gewinnen.

Offensichtlich ist KI bereits in vielerlei Hinsicht das Geschäft von Microsoft. Doch das ist erst der Anfang – die oben genannten Technologietrends stehen noch am Anfang und könnten für Microsoft als Langzeit-Wachstumstreiber dienen.

Teresa Kersten ist Angestellte von LinkedIn und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. LinkedIn ist Teil von Microsoft.

The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Harsh Chauhan auf Englisch verfasst und am 26.10.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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