Die künstliche Intelligenz ist bereits weit verbreitet — und steht kurz vor dem Durchbruch

Motley Fool Investmentanalyst

Es gibt einen häufig zitierten PwC-Bericht, der besagt, dass 38 % der Arbeitsplätze in den USA Gefahr laufen, bis 2030 von künstlich intelligenter Automatisierung überholt zu werden. Ähnlich warnte ein Artikel im Scientific American Anfang dieses Jahres davor, dass 40 % der 500 größten Unternehmen innerhalb eines Jahrzehnts verschwinden werden, wenn sie Opfer der künstlichen Intelligenz (AI) werden.

Seien wir ehrlich, diese Vorhersagen sind im Moment ziemlich einfach abzuweisen. Der Durchschnittsbürger sieht sich um und wird sich fragen: “Wo denn?“ Immerhin zeigen die weltweit führenden AI-Unternehmen – Alphabets (WKN:A14YH) Google, der Chiphersteller NVIDIA Corporation (WKN:918422) und Amazon.com (WKN:906866) – noch keine TV-Spots über den Kauf neuer AI-Bots. Warum sich also Sorgen machen?

Aber AI beginnt bereits, auf sehr subtile Weise die Kontrolle zu übernehmen, und es gibt viele Beweise dafür, dass AI ein größerer Teil dessen sein wird, was diese Unternehmen gerade tun. Schließlich wird AI ein wichtiger Teil davon werden, wie unsere Welt funktioniert.

Beispiele für AI

Wenn du ein Smartphone besitzt, dann hast du wahrscheinlich schon mit der künstlichen Intelligenz gesprochen. Genauer gesagt, wenn du Siri eine Frage gestellt, mit dem Google-Assistenten gesprochen, nach einem Foto in Google Photos gesucht oder ein Foto auf Facebook hochgeladen hast und deine Freunde automatisch markiert wurden, dann hast du eine Form der künstlichen Intelligenz verwendet.

Google ist wahrscheinlich eines der bekanntesten AI-Unternehmen derzeit, weil das Tochterunternehmen DeepMind die weltbesten Spieler im antiken Go-Spiel geschlagen hat. Aber Google benutzt AI auch auf weniger öffentliche Art und Weise. Das Unternehmen hat seinen wichtigsten Diensten – wie z. B. Suche und Fotos – Algorithmen für das maschinelle Lernen hinzugefügt und sein Werkzeug TensorFlow kostenlos zur Verfügung gestellt, so dass Entwickler ihre eigenen AI-Anwendungen erstellen können.

Natürlich hat Amazon auch AI in seinen beliebten Echo-Geräten eingesetzt. Die Produktpalette des Unternehmens für Smart Speaker und In-Home-Geräte enthält die Assistentin des Unternehmens, Alexa, aber Amazon verwendet auch Algorithmen für das maschinelle Lernen, um die relevantesten Inhalte bei der Suche nach Artikeln auf seiner E-Commerce-Plattform bereitzustellen.

Zusätzlich hat Amazon Web Services (AWS) AI-Tools für Entwickler, mit denen sie Apps erstellen können, genau wie Google.

Dies sind Beispiele, die bereits im Hintergrund der gebräuchlichsten Technologien arbeiten, aber auch Hardware, die speziell für AI-Anwendungen entwickelt wurde, ist allgegenwärtig.

Google sagte letztes Jahr, dass es seine eigene Tensor Processing Unit (TPU) speziell für die Ausführung von AI designt hat. Diese werden die bei einigen der fortschrittlichsten AI-Server von Microsoft, Amazon und anderen eingesetzt werden sollen.

Die NVIDIA-Grafikprozessoren sind ein integraler Bestandteil des unternehmenseigenen autonomen Fahrsystems Drive PX Pegasus sowie des leistungsstarken DGX-1-Servers, der für Deep Learning und Analyse verwendet wird.

NVIDIAs Vorreiterrolle im AI-Hardwarebereich hat dem Unternehmen geholfen, sich seine eigene Nische für künstliche Intelligenz zu erschließen und könnte dem Unternehmen in den nächsten acht Jahren einen Gesamtmarkt für künstliche Intelligenz von mehr als 30 Milliarden US-Dollar erschließen.

Wann die Maschinen die Macht übernehmen

O. K., es gibt also viele Beispiele aus unserem täglichen Leben, aber wie genau wird uns diese Technologie die Arbeitsplätze wegnehmen? Die Antwort ist, dass AI exponentiell immer schneller und intelligenter wird.

NVIDIA hat beispielsweise 2016 seinen halb-autonomen Fahrcomputer der zweiten Generation, den Drive PX 2, auf den Markt gebracht. Die neue Pegasus-Version, die erst im letzten Monat auf den Markt kam, ist jedoch bereits 13-mal schneller und das weniger als zwei Jahre später.

Natürlich gilt diese Beschleunigung nicht nur für die autonome Fahrzeugtechnik. Ein neuer Mother Jones Artikel sagt, dass AI bis 2035 ein Zehntel der menschlichen Gehirnfähigkeiten haben wird – aber dass die künstliche Intelligenz bis 2060 die menschliche übertreffen wird.

„Chirurgen, Schriftsteller, Bauarbeiter, Polizisten und so weiter. Diese Arbeitsplätze könnten in den 2040er Jahren vollständig automatisiert werden. Bis 2060 wird die künstliche Intelligenz in der Lage sein, jede Aufgabe zu erfüllen, die derzeit von Menschen erledigt wird“, schreibt der Autor.

Wenn sich das bewahrheiten sollte, dann bedeutet das, dass auch andere Vorhersagen, wie die untenstehenden von der Marktforschungsfirma Gartner, wahrscheinlicher werden.

  • Bis 2020 werden 20 % der Unternehmen Arbeitskräfte für die Überwachung von neuronalen Netzen einsetzen.
  • Marktführende Unternehmen könnten bis 2019 30 % ihres Umsatzes an AI-Software-Plattformenverlieren.

Das alles sind natürlich nur Vorhersagen, und niemand hat eine Kristallkugel, die vorhersagen kann, wann all diese Dinge eintreten werden. Klar ist jedoch, dass die Technologieunternehmen bereits stark in AI investieren, dass die Technologie häufig genutzt wird und dass die Nutzung immer mehr wird.

Die Investoren irren sich, wenn sie denken, dass wir zu weit von diesem Technologietrend entfernt sind, um jetzt damit zu beginnen, uns einzukaufen. Google, NVIDIA, Amazon und viele andere setzen bereits auf AI und je mehr Zeit vergeht, desto mehr werden bestehende Industriezweige auf den Kopf gestellt

Kai-Fu Lee, Gründer der Venture-Capital-Firma Sinovation Ventures, sagte kürzlich, dass AI,”größer sein wird als alle Revolutionen der menschlichen Technologie zusammen, einschließlich Elektrizität, industrielle Revolution, Internet, mobiles Internet – weil AI allgegenwärtig ist“.

Das kann man als Investor jetzt natürlich ignorieren, aber bitte auf eigene Gefahr.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Teresa Kersten ist Angestellte von LinkedIn und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. LinkedIn ist Teil von Microsoft.

The Motley Fool hält und empfiehlt Alphabet (A- und C-Aktien), Amazon, Facebook und Nvidia. The Motley Fool empfiehlt Gartner.

Dieser Artikel wurde von Chris Neiger auf Englisch verfasst und am 09.11.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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