Kündigungswelle bei Rosberg und Phoenix: Wieso Abt nicht betroffen ist

Sven Haidinger
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Der Ausstieg der Hersteller aus der DTM fordert sein Tribut: Nach der Kündigungswelle bei der DTM-Dachorganisation ITR und der unklaren Zukunft für das Ex-BMW-Werksteam RBM müssen sich nun auch die ehemaligen Audi-Werksteams Rosberg und Phoenix von Mitarbeitern trennen.

Bei der Rosberg-Truppe aus Neustadt an der Weinstraße, die Rene Rast diese Saison noch zum dritten Meistertitel führte, müssen laut Informationen von 'Motorsport.com' sieben von 21 bisherigen DTM-Mitarbeitern gehen. Beim Phoenix-Team aus Meuspath sind fünf von zuletzt 17 Mitarbeitern betroffen.

"Es stimmt, dass wir teilweise Leute entlassen mussten", bestätigt Rosberg-Teamchef Kimmo Liimatainen. "So etwas ist nie schön, aber die Zeiten ändern sich." Gerüchte, die Kündigungen würden das Aus für Rosberg als mögliches Audi-Kundenteam in einer GT3-DTM bedeuten, sind aber laut Informationen von 'Motorsport.com' unrichtig.

Warum Rosberg-Team keine Wahl hat

Und werden von Liimatainen, der sich gerade in Gesprächen mit Audi befindet, entschieden dementiert: "Das bedeutet nicht, dass wir nicht DTM machen werden. Wir können das DTM-Team nur nicht in der bisherigen Form als Werksteam weiterführen."

Das klingt nachvollziehbar, denn bislang finanzierte Audi den kompletten DTM-Einsatz der Werksteams, die Mitarbeiter waren festangestellt. "Audi hat von uns eine gewisse Struktur verlangt", erklärt der Rosberg-Teamchef. "Und sie haben auch darauf geschaut, dass die Struktur machbar ist. Wenn die GT3-DTM nächstes Jahr funktioniert - und da bin ich absolut zuversichtlich -, dann muss das Team effektiver und kleiner werden."

Die Rede ist von einer Redimensionierung "mit ein paar festangestellten Mitarbeitern und ein paar Freelancern - von der Größenordnung zwischen der bisherigen DTM und dem GT-Masters. Ich rechne aber trotzdem mit einer sehr guten DTM-Stammmannschaft", sagt Liimatainen.

Phoenix-Bemühungen um "sozialverträgliche" Lösung

Auch Teamchef Ernst Moser vom Phoenix-Rennstall, der seit 20 Jahren - zunächst mit Opel, dann mit Audi - als Werksteam agiert, bestätigt den Personalabbau. "Wir müssen im Winter die Kosten reduzieren", erklärt er. "Deswegen mussten wir uns von einem Teil der Mitarbeiter trennen. Das hat sich aber teilweise auch von selbst ergeben. Manche Leute wollten aufhören, andere sind woanders hingegangen. Wir haben versucht, das sozialverträglich umzusetzen."

Wie bei Rosberg handelt es sich bei den betroffenen Mitarbeitern um Ingenieure und Mechaniker. Schon in den vergangenen Monaten hatte man die Mannschaft verkleinert: Während das Team ursprünglich 20 Mitarbeiter umfasste, waren es gegen Saisonende nur noch 17. Auch die aktuelle Ungewissheit spielt diesbezüglich eine Rolle, stellt Moser klar, der sich mit seinem Team über Prototypeneinsätze für einen LMDh-Werksvertrag empfehlen will.

"Wir mussten reagieren, bis die neuen Projekte laufen und wir wissen, ob die DTM bei uns weitergeht", sagt er. "Dazu kommt das Thema Motorsport und Corona: Man weiß nicht, wann die Saison losgeht und ob es Veranstaltungsverbote geben wird."

Keine Kürzungen bei Abt: "Mitarbeiter das höchste Gut"

Interessant ist, dass das Abt-Team aus Kempten vom aktuellen Personalabbau bei den ehemaligen Audi-Werksteams in der DTM nicht betroffen ist. "Bis jetzt haben wir niemanden aktiv entlassen. Und das ist momentan auch nicht geplant", stellt Abt-Sportdirektor Thomas Biermaier klar.

Und ergänzt: "Das höchste Gut sind unsere Mitarbeiter. Sie haben das Know-how und das Wissen. Wir würden so lange wie möglich darum kämpfen, unsere Leute zu halten. Das war das Ziel von Hans-Jürgen (Abt, geschäftsführender Gesellschafter von Abt Sportsline; Anm. d. Red.) und mir. Das werden wir auch weiterhin so machen."

Dennoch bestätigt Biermaier, dass man in einer GT3-DTM - wenn diese zustande kommt - weniger Mitarbeiter brauchen werde als unter dem bisherigen Class-1-Reglement als Werksteam. "Das glaube ich schon, aber wenn wir DTM machen, schauen wir uns das endgültige Reglement an und entscheiden dann, wie viele Leute wir brauchen", erklärt er die Herangehensweise.

Warum Abt kein Personal abbauen muss

Denn nach wie vor sind die Teams nicht im Besitz des technischen und sportlichen Reglements für die Saison 2021 - und können daher nur bedingt abschätzen, wie die Rahmenbedingungen aussehen. Bekannt ist allerdings bereits, dass die Anzahl der Mechaniker bei der Boxencrew von neun auf sechs reduziert wird.

Dass Abt bisher nicht gezwungen war, Mitarbeiter abzubauen, hat aber auch einen anderen Grund: Denn im Gegensatz zu Rosberg und Phoenix ist man kein reinrassiges Rennteam, sondern beschäftigt als Fahrzeugveredler insgesamt rund 200 Mitarbeiter.

"Wir schichten ein bisschen um, denn wir sind ja ein großes Unternehmen und haben unterschiedliche Projekte", bestätigt Biermaier. "Wir können auch Leute an unsere Tuning-Abteilungen verleihen. Das machen wir momentan. Und das ist definitiv ein Vorteil."

Während sich das Phoenix-Team durch die Prototypen-Pläne gerade im Umbruch befindet, hat Rosberg neben den DTM-Plänen aktuell nur das Extreme-E-Projekt mit Teamchef Nico Rosberg und dem Pilotenduo Johan Kristoffersson und Molly Taylor am Start. Um dort Personal unterzubringen, ist das Projekt aber zu klein, weiß Liimatainen: "Es sind nur fünf Leute plus die Fahrer."

Mit Bildmaterial von Audi.