Chaos beim HSV: Kühne sucht die ultimative Machtprobe

Reinhard Franke, Sportinformationsdienst (SID)

Investor Klaus-Michael Kühne sorgt vor den Aufsichtsratswahlen beim Hamburger SV für neue Unruhe beim Nordklub.

Er übt harsche Kritik am Klub, Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt - und droht mit Abschied, wenn die anstehende Neubesetzung des HSV-Kontrollgremiums nicht in seinem Sinne verlaufen sollte.

Kühnes Forderung, die man sich in ihrem Wortlaut auf der Zunge zergehen lassen muss: Er will einen "von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat".

SPORT1 konfrontierte Bruchhagen mit Kühnes Attacken. Dessen Reaktion: erkennbar bemüht, kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen.

Bruchhagen spricht von "freundschaftlichem Austausch"

"Es ist ein Austausch zwischen dem Gesellschafter Herrn Kühne und dem Aufsichtsrat", sagt der 69-Jährige: "Der Vorstand hat nicht das Recht und nicht die Pflicht zu diesen Dingen Stellung zu nehmen. Das habe ich nicht zu kommentieren, das ist auch bei großen Unternehmen so. Ich habe mit Herrn Kühne einen sehr guten und freundschaftlichen Austausch."

Kühne hatte Bruchhagen, Todt und deren Personalpoltik zuvor aufs Schärfste kritisiert: "Diese Herren waren im Kampf gegen den Abstieg erfolgreich, schafften es aber nicht, die Mannschaft zur Saison 2017/18 so zu verbessern, dass sie sich in der Bundesliga-Tabelle gut platzieren konnte - im Gegenteil, wieder wurde das Thema 'Abstieg' akut."

Außerdem stellte der 80 Jahre alte Logistik-Milliardär Bedingungen, wenn er weiterhin Geld in den HSV pumpen soll.

Kühne stellt Bedingungen

In Kühnes Visier: die nahende AG-Hauptversammlung am 18. Dezember. Der Unternehmer befürchtet nach eigenen Angaben, dass Vereinspräsident Jens Meier bei der Neubesetzung des Aufsichtsrats zu großen Einfluss hat und "größtenteils vereinsabhängige Personen" durchsetzen könnte.


Der Investor will das verhindern: "Ich erkläre hiermit, dass ich der HSV Fussball AG zukünftig nur dann eine finanzielle Unterstützung gewähren werde, wenn sie über den von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat verfügt und es diesem gelingt, Persönlichkeiten für die Führung der HSV Fussball AG zu gewinnen, die über große Managementqualität und -erfahrung verfügen."

Der letzte Teil dieser Ansage wird teils sogar als Aufforderung zur Ablösung von Bruchhagen und Todt interpretiert.

Er droht deshalb nicht nur damit, den Geldhahn zuzudrehen. Auch sein Vertrauter Karl Gernandt, einst Chef des Gremiums und derzeit einfaches Mitglied, stehe "nicht zur Verfügung", sollte Kühne das neue Gremium nicht genehm sein.

Präsident Meier übt sich in Zurückhaltung

Die Reaktion von Präsident Meier, im Hauptberuf Geschäftsführer des Hamburger Hafens? Ähnlich diplomatisch wie Bruchhagen: "Wir reden intern miteinander und nicht extern übereinander. Wir äußern uns zu den Diskussionen rund um die Kandidaten für den Aufsichtsrat nicht, da der interne Auswahlprozess noch nicht beendet ist."


Kühne ist diese Zurückhaltung - wie so oft - fremd. Er sucht öffentlich die Kraftprobe.

Aus vielerlei Gründen habe die vor drei Jahren ins Leben gerufene Initiative "HSVPlus" nicht das erhoffte Ergebnis gebracht, so Kühne. 

Der HSV-Geldgeber trete nun dafür ein, dass "der voraussichtliche Wahlvorschlag des Vereinspräsidenten nicht zum Zuge kommt, eine "HSVPlus2"-Initiative gestartet wird, die es ermöglicht, dass auch zukünftig ein unabhängiger Aufsichtsrat bestimmt wird, dem zukünftigen Aufsichtsrat der HSV Fussball AG qualifizierte und unabhängige Persönlichkeiten mehrheitlich mit wirtschaftlicher Kompetenz angehören sollen."