Kühne gegen Meier: Machtkampf um HSV-Aufsichtsrat geht weiter

Der Machtkampf um die neue Zusammenstellung des Aufsichtsrates beim Hamburger SV geht weiter. Die Besetzung des Kontrollgremiums wurde verschoben.

Hafencity, beste Lage, mit Blick auf die imposante Elbphilharmonie. Hier, im Firmensitz des Investors Klaus-Michael Kühne, sollte es eigentlich zum großen Friedensgipfel beim Hamburger SV kommen. Doch stattdessen geht nach einer Aufsichtsratssitzung der Machtkampf um die neue Zusammenstellung des Gremiums weiter. Geldgeber Kühne und Jens Meier, Präsident des Stammvereins, zanken sich immer noch um die Besetzung.

Bei dem Treffen "haben der Vorstand und der Aufsichtsrat der HSV Fußball AG beschlossen, die anstehende Hauptversammlung innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist im ersten Quartal 2018 durchzuführen", teilte der Klub etwas verklausuliert am Mittwochabend mit. Übersetzt bedeutet das: Man hat sich nicht auf die sechs Kandidaten einigen können. Die Neubesetzung der Kontrolleure, eigentlich für die "anstehende Hauptversammlung" am 18. Dezember geplant, wurde auf Anfang des nächsten Jahres verschoben.

Kühne stellt Bedingungen

Kühne hatte die Vorschläge von Meier, der aus beruflichen Gründen in Südkorea weilt und deshalb nicht persönlich an der Sitzung teilnehmen konnte, zuletzt mit deftigen Worten abgelehnt. Der Unternehmer hatte dem Bundesliga-15. in einer Erklärung unverhohlen damit gedroht, nur dann seine finanzielle Unterstützung fortzuführen, "wenn er über einen von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat verfügt". Kühne hat zwar keinen rechtlichen Anspruch, in dieser Frage mitzureden. Allerdings hat man beim HSV auch kein gesteigertes Interesse daran, dass es zum endgültigen Bruch mit dem Milliardär kommt.

Kühne befürchtet offenbar, dass Meier, der als Vereinsboss automatisch im Aufsichtsrat der HSV Fußball AG sitzt, das Gremium mit eigenen Gefolgsleuten besetzen will. Kühnes Vertrauter Karl Gernandt, einst Chef des Gremiums und derzeit einfaches Mitglied, scheidet aus, und der 80-Jährige wünscht sich Kandidaten, die "über große Managementqualität und -erfahrung verfügen".

Neben einigen Hamburger Persönlichkeiten gilt auch der ehemalige Profi Marcell Jansen als möglicher Kandidat für den Aufsichtsrat, der 32-Jährige liebäugelte auch schon öffentlich mit dem Posten. "Ich kann mir das prinzipiell vorstellen, weil es mir um den Verein geht und nicht um Einzelschicksale", sagte Jansen dem Onlineportal Sportbuzzer: "Wenn Menschen davon überzeugt sind, dass ich mit meiner Art irgendwas zum Gesamtwerk beitragen kann – und sei es auch nur als Puzzle, dann wäre ich bereit."

Meier habe Jansen angesprochen, "und ich habe ihm gesagt, dass ich mich dem Verein verbunden fühle. Das hat man sieben Jahre lang als Spieler gesehen, ich bin Stiftungsgesicht des Hamburger Wegs und auch in anderen Bereichen des Vereins involviert", sagte Jansen: "Ein Verein muss aus sich heraus stark sein und darf nicht extern geführt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Kühne ein rein geschäftliches Interesse am HSV hat. Ein Investor wird nicht zurückerhalten, was er in den Fußball steckt."