Könnte Tesla bei Robotaxis zum großen Verlierer werden?

Christoph Gössel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Die Tesla-Aktie (WKN: A1CX3T) befindet sich auf einem astronomischen Kursniveau – zumindest, wenn man die Fahrzeugverkäufe aus 2020 als Vergleich heranzieht. Das zeigt, dass die Börse auf starkes zukünftiges Gewinnwachstum bei dem Tech-Konzern setzt. Ein besonders starker Gewinntreiber soll dabei das autonome Fahren und die Entwicklung von Robotaxis sein. Die Bewertung der Tesla-Aktie beruht ein Stück weit darauf, dass Investoren hier mit einem Erfolg des kalifornischen Konzerns rechnen.

Der Chef der Alphabet (WKN: A14Y6F, A14Y6H)-Tochterfirma Waymo stellte kürzlich jedoch Teslas gesamte Strategie infrage. Waymo wird von vielen als Vorreiter beim autonomen Fahren gesehen. Könnte das langfristig zu einer Bedrohung für die Tesla-Aktie werden?

„Kein vollautonomes Fahrsystem“

Waymo-CEO John Krafcik sieht Tesla nicht als Konkurrenten bei der Entwicklung vollautonomer Autos. Teslas Ansatz werde das Unternehmen zu einem „richtig guten Fahrassistenzsystem“ führen. Robotaxis lassen sich damit aber nicht umsetzen. Diese verlangen Level-5-Autonomie: Ein Auto auf diesem technologischen Stand kann alle Situationen im Straßenverkehr ohne Input oder Aufmerksamkeit des Fahrers lösen.

Es sei eine „Fehleinschätzung“, dass man ein Fahrassistenzsystem wie Teslas Autopilot so lange weiterentwickeln könne, bis irgendwann ein Level-5-System dabei herauskomme. Noch dazu seien Waymos Sensoren um Größenordnungen besser. Müssen sich Investoren der Tesla-Aktie Sorgen machen?

Eine Gefahr für die Tesla-Aktie?

Natürlich ist es nicht das erste Mal, dass Experten Tesla (oder Elon Musks anderem Unternehmen SpaceX) eine Entwicklung nicht zutrauen. Ob es nun die Massenproduktion des Model 3, das Landen von Raketenstufen oder der Bau der Gigafactory Shanghai in zwölf Monaten ist: Bei jedem dieser erfolgreichen Projekte meldeten sich zahlreiche Skeptiker zu Wort, teilweise von Rang und Namen. In vielen Fällen behielten sie unrecht.

Unabhängig davon erscheint die Strategie, den Autopiloten immer weiter auszubauen, schlüssig. Das System lernt immer besser, seine Umgebung wahrzunehmen und auf Basis dessen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das ist dem riesigen Datenschatz zu verdanken, den Tesla täglich sammelt und mit dem es die künstlichen neuronalen Netze trainiert. Dieser Datenschatz taucht zwar nicht in der Unternehmensbilanz auf, ist aber einer der größten Vermögenswerte des Unternehmens, der den Investoren der Tesla-Aktie zugutekommen wird.

Die Konkurrenz gibt Tesla (zumindest teilweise) recht. Auch Mobileye-CEO Amnon Shashua setzt auf die kontinuierliche Entwicklung vom Fahrassistenzsystem hin zum Level-5-System.

Und selbst wenn Waymo-CEO Krafcik recht behält und die Entwicklung eines vollautonomen Systems im Hause Tesla scheitert, lässt sich auf dem Weg dahin viel Geld verdienen. Viele Tesla-Kunden sind bereit, zum gegenwärtigen Zeitpunkt 10.000 Dollar auf den Tisch zu legen, um sich Zugang zu Teslas voller Funktionalität zu sichern. Auch mit einem „richtig guten Fahrassistenzsystem“ lassen sich dicke Margen verdienen, die die Investoren der Tesla-Aktie freuen sollten.

Ich denke daher nicht, dass die Aussagen des Waymo-CEOs Investoren der Tesla-Aktie beunruhigen sollten. Das Rennen zum ersten Level-5-System bleibt nichtsdestotrotz weiterhin spannend.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Tesla. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A-Aktien & C-Aktien) und Tesla.

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