Können sich BMW, Daimler und VW die hohen Preise für ihre Elektroautos erlauben?

Marlon Bonazzi, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
Mercedes-Benz Concept EQ

Elektropionier Tesla (WKN:A1CX3T) wird oft für seine hohen Preise kritisiert. Da man noch ziemlich lange auf das bezahlbare, wenn auch nicht übermäßig günstige, Model 3 warten muss, dessen Produktion gerade erst hochgefahren wird, bleiben einem derzeit unter Tesla-Modellen nur noch die hochpreisigen Modelle S und X zur Auswahl. Ab 67.970 Euro kann man Model S-Besitzer werden und je nach Ausstattungsvariante landet man hier preislich schnell im eindeutig sechsstelligen Bereich.

Der hohe Preis ist also eine Schwachstelle, die sich BMW (WKN:519000), Daimler (WKN:710000) und VW (WKN:766400) zunutze machen können, aber tun sie das auch? Bisher bitten sie für ihre Elektromodelle ganz schön zur Kasse und noch ist kaum ein Ende in Sicht.

BMW langt bisher auch bei kleinen Autos zu

BMW hat als einziger großer deutscher Hersteller schon länger ein Auto im Angebot, das komplett auf Elektro getrimmt wurde. Der i3 ist eher ein kleiner Cityflitzer mit überschaubarer Reichweite, dafür aber mit futuristischem Design. Obwohl das Auto klein ist, lassen es sich die Münchener eine Menge kosten: Nach langer Suche auf der BMW-Website lässt sich anhand der aktuellen Preisliste herausfinden, dass man stolze 37.550 Euro für die Basisversion hinblättern muss. Kein Wunder, dass der Absatz sich bisher in Grenzen hält.

Abhilfe könnte der elektrische Mini schaffen, der ab 2019 verfügbar sein soll und laut Focus durchaus günstiger als der i3 sein könnte. Ob die Reichweite weit genug und der Preis tief genug sein wird, um viele Kunden zu locken, bleibt allerdings abzuwarten.

Wie es jetzt weitergeht ist nicht ganz klar. Visionäre Elektromodelle wie der iNext sollen mit so viel neuester Technik ausgestattet werden, dass moderate Preise quasi ausgeschlossen sind. Andererseits soll das Elektromodell i Vision Dynamics eher an den vergleichbar erschwinglichen 3er BMW angelehnt sein. Da der erste BMW-Stromer aber überraschend teuer ist und BMW bisher der Ansicht ist, dass es auch Elektromodelle mit satten Gewinnspannen verkaufen wird, scheint fraglich, ob die Preise hier fair genug sein werden, um viele Käufer zu finden.

Daimler schickt nur Smart in den Preiskampf

Daimler will ab 2019 sein elektrisches SUV-Coupé EQC auf dem Markt haben. Mit 500 Kilometern an Reichweite und einem mutigen Design will man hier vermutlich vor allem Teslas Model X Konkurrenz machen. AUTO BILD rechnet mit einem saftigen Preis zwischen 60.000 und 80.000 Euro. Erst kürzlich wurde auch der kompaktere EQA in Aussicht gestellt, der laut Schätzungen immerhin noch mit einem Preis in Höhe von 40.000 Euro an den Start gehen soll.

Zumindest bisher gibt sich Daimler ein wenig bescheidener als BMW und bietet den Smart Electric Drive ab 21.940 Euro an. Dafür kommt der im Alltag gerade einmal 120 Kilometer weit, was ihn trotz eines erschwinglicheren Preises wahrscheinlich zu einem Ladenhüter machen wird.

VWs Elektro-Langweiler kostet viel

Man kauft ein VW-Auto ja nicht wegen des aufregenden Designs, aber der e-Golf ist Langeweile pur. Ein paar blaue Außendetails sind alles, was das Elektroauto optisch von seinem beliebten Bruder mit herkömmlichen Motor unterscheidet, ach ja, und dass er das Doppelte kostet. Ab 35.900 Euro ist der e-Golf zu haben, womit er nicht nur dieselbe Reichweite wie BMWs i3 hat, sondern auch fast exakt den gleichen Preis.

VW gab sich zwar zuletzt optimistisch, die Preise von zukünftigen Elektromodellen moderater gestalten zu können, aber bisher langt man noch ordentlich zu und wundert sich dann, dass die Deutschen noch wenig Interesse an Elektroautos zeigen.

Wieso die deutschen Hersteller eine böse Überraschung erleben könnten

Bisher fällt die Bilanz also ziemlich durchwachsen aus. Deutsche Hersteller denken, sie können weiterhin einfach saftige Preise verlangen und die Kunden werden schon kommen. Das ist aber eine gefährliche Rechnung, denn der Umstieg auf Elektromobilität wird bald einiges verändern.

Die klassische Stärke der deutschen Autohersteller, nämlich hochwertige und verlässliche Motoren zu bauen, wird plötzlich komplett an Bedeutung verlieren. Das heißt man wird auch nicht mehr bereit sein, dafür die bisherigen Aufpreise hinzunehmen. Außerdem werden in Zukunft Autos an einer konkreten und immens wichtigen Messzahl verglichen, nämlich wie viel Reichweite sie liefern.

Sofern die deutschen Hersteller also nicht bald attraktive Elektromodelle mit sehr guten Reichweiten im Angebot haben, könnten sie feststellen, dass ihre Preise so hoch sind, dass sich die Verbraucher für die Konkurrenz entscheiden.

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Marlon Bonazzi besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler.

Motley Fool Deutschland 2017