Kölns römische Vergangenheit: Neuer Verein will antike Stadtmauer vor Verfall retten

Die ehemalige Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner übernimmt den Vorsitz.

Mit Hilfe eines neuen Fördervereins wollen engagierte Kölner den Erhalt der antiken Römermauer sicherstellen. Die Pflege des bedeutendsten Kölner Bodendenkmals mit einer Länge von ursprünglich fast vier Kilometern lässt aus Geldmangel zu wünschen übrig. Manche Stellen sind sogar einsturzgefährdet.

Auf eine Anfrage der FDP-Ratsfraktion vom August 2016 bezifferte Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach das Volumen für eine Gesamtsanierung auf vier Millionen Euro. Die Stadt und das zuständige Römisch-Germanische Museum (RGM) sähen sich finanziell und personell außer Stande, solche eine Auf- und zu stemmen.

Nachdem Dombaumeisterin a.D. Barbara Schock-Werner in ihrer Kolumne „Auf den Punkt“ im mehrfach Alarm geschlagen hatte, ergriff RGM-Direktor Marcus Trier die Initiative zur Gründung des „Fördervereins Römische Stadtmauer Köln“.

Dieser werde „dazu beitragen, die erhaltenen Abschnitte der römischen Stadtmauer von Köln, die wie kein zweites Denkmal die antike Geschichte der Colonia Claudia Ara Agrippinensium verkörpert, in einen denkmalgerechten und würdigen Zustand zu versetzen, der ihrem Anspruch auch international gerecht wird“, heißt es in einem Konzeptpapier Triers, das dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt.

Antikes Mauerwerk soll von Pflanzen befreit und konserviert werden

Erste finanzielle Zusagen an den neuen Verein gibt es bereits: Die „Irene und Sigurd Greven Stiftung“ stellt 50.000 Euro bereit, um den Mauerabschnitt an der Zeughausstraße (Höhe Kölnisches Stadtmuseum) von der Überwucherung durch Bäume, Sträucher und andere Pflanzen zu befreien, das antike Mauerwerk zu konservieren und so vor dem drohenden Verfall zu bewahren.

Schock-Werner wird den Vorsitz des Vereins übernehmen, dessen formale Gründung unmittelbar bevorsteht. Die Ex-Dombaumeisterin sprach – passend zu ihrem 70. Geburtstag an diesem Sonntag – von einem „tollen Geschenk“. „In meinem Alter braucht man ja nicht mehr so viel. Die Vorstellung aber, dass die Kölner die Römermauer aus eigener Kraft retten und sie für künftige Generationen erhalten, macht mich sehr froh.“

Die Geschäftsstelle des Fördervereins soll beim „Kölner Haus- und Grundbesitzer-Verein von 1888“ angesiedelt sein. Dessen Vorstandsvorsitzender, Konrad Adenauer, sprach von einer wichtigen Aufgabe, „die wir gern unterstützen“. Adenauer wird im Vorstand des Fördervereins als Stellvertreter von Barbara Schock-Werner fungieren. Ihr Engagement nannte Adenauer einen Glücksfall für Köln. „Barbara Schock-Werner ist nach der Oberbürgermeisterin eine der bekanntesten Kölnerinnen und eine großartige Werbeträgerin.“

Mögliche Fördermittel von Institutionen

Ein wissenschaftlicher Beirat soll die fachgerechte Ausführung aller künftigen Arbeiten an der Römermauer begleiten und überwachen. Ihre Mitwirkung in dem Gremium zugesagt haben unter anderem Stadtkonservator Thomas Werner, Stadtmuseumsdirektor Mario Kramp, Dombaumeister Peter Füssenich und Henriette Meynen vom Verein „Fortis Colonia“.

Auch ist an die Akquise von Fördermitteln einschlägiger Institutionen wie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz oder der NRW-Stiftung gedacht. Der neue Verein will überdies den „Schulterschluss“ mit alteingesessenen Einrichtungen wie der Archäologischen oder der Historischen Gesellschaft Köln suchen.

Rückgrat einer Tätigkeit soll aber die Hilfe privater und institutionellen Förderer sein. „Ich hoffe, dass viele Kölner Bürger sich nicht nur für die Geschichte ihrer Stadt begeistern, sondern auch für die Geschichtspflege“, so Schock-Werner. Nach Triers Angaben haben die Kölner Lions- und Rotary-Clubs bereits ihre Unterstützung angekündigt. Und noch eine andere Hoffnung hegen die Verantwortlichen des neuen Vereins: dass sie OB Henriette Reker als Schirmherrin gewinnen können. Denn wer sollte den Einsatz der Stadtgesellschaft für Kölner Geschichte und Kultur besser vertreten und glaubwürdiger dazu motivieren können als die erste Bürgerin?

Stadtmauer sei in beklagenswertem Zustand

Die Notwendigkeit umreißt Trier in drastischen Worten. Die Stadtmauer des antiken Köln sei abschnittweise „in einem beklagenswerten Zustand“, der umfangreiche Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen erforderlich mache. „Die schwierige Finanz- und Personalausstattung des Römisch-Germanischen Museums als zuständigem Fachamt ist für derart umfangreiche Maßnahme nicht ausreichend bemessen. Auch die kontinuierliche Pflege nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten kann dort in Anbetracht der Monumentalität des Denkmals nicht angemessen umgesetzt werden.“

Trier erinnert in diesem Zusammenhang an die für 2021 geplante Eintragung des Niedergermanischen Limes, der antiken Grenzbefestigung des Römischen Reichs, in die Unesco-Welterbe-Liste.

Eine denkmalgerechte Sanierung der römischen Mauer um die Colonia Claudia Ara Agrippensium würde diese auch als Touristenattraktion aufwerten. Sie hat sich wie kein zweites antikes Bauwerk im modernen Stadtbild Kölns erhalten. Fast 700 Meter davon sind oberirdisch oder in unterirdischen Abschnitten öffentlich zugänglich....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta