Kölns Baudezernent geht nach Hamburg: Abschied vom schwierigen Amt

Stadtentwicklungsdezernent Franz-Josef Höing wird Oberbaudirektor in Hamburg.

Seit Wochen wurde spekuliert: Einem Ruf aus Hamburg, wo in Sachen Stadtentwicklung und Bauen vieles deutlich besser zu klappen scheint als in Köln, würde Kölns Baudezernent Franz-Josef Höing wohl nicht widerstehen können.

Hamburg suchte einen neuen Oberbaudirektor. Das ist die Stelle des höchsten städtischen Beamten der Hansestadt. Nun hat sich die Auswahlkommission unter Vorsitz der Hamburger Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen tatsächlich für Höing entschieden – und Kölns Beigeordneter für Stadtentwicklung, Planen und Bauen hat zugesagt.

Hamburg gilt als Vorbild

Wenn in Deutschland über effektive Verfahren der öffentlichen Verwaltung, über erfolgreichen Wohnungsbau und gelungene Stadtentwicklungsprojekte gesprochen wird, gilt Hamburg oft als Vorbild. Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Hansestadt, hat seine Verwaltung auf Trab gebracht.

Hafenquartier als Herausforderung

Zu den Aufgaben des Oberbaudirektors gehört etwa der Umgang mit den Folgen des Bevölkerungswachstums: Während Köln in ähnlicher Lage debattiert und lamentiert, wird in Hamburg im großen Stil gebaut. Eine der zentralen Aufgaben Höings wird die Gestaltung des Hamburger Hafenquartiers sein – eines der größten innerstädtischen Entwicklungsprojekte der Welt.

Seit Anfang des Jahrtausends verwandelt Hamburg 157 Hektar eines ehemaligen Industrieareal in ein buntes Stadtviertel, zu dem auch die gerade eingeweihte Elbphilharmonie gehört.

„Die Position des Hamburger Oberbaudirektors besitzt eine große Tradition und ist die vielleicht renommierteste ihrer Art im gesamten Bundesgebiet“, so Höing in einer knappen Erklärung. „Ich freue mich über das Angebot der Freien und Hansestadt Hamburg, habe aber zugleich großen Respekt vor der Aufgabe.“

Kein völlig neues Terrain

Der Stadtplaner, der sein Diplom an der Universität in Dortmund gemacht hat, betritt kein völlig neues Terrain: Von 2000 bis 2008 übte er bereits mehrere Funktionen in der Hamburger Bauverwaltung aus. Er war Referent des Oberbaudirektors, der er nun selber wird. Er leitete die Projektgruppe „Hafen-City“ und war Senatsbaudirektor. 2008 wechselte er nach Bremen, 2012 wählte ihn der Kölner Stadtrat zum Dezernenten.

Spuren in Köln

Höing hinterlässt manche Spur in Köln. Dazu gehört die gelingende Neugestaltung des Domumfelds, die Fortentwicklung des Masterplans für die Innenstadt, die Erprobung neuer Beteiligungsverfahren auch in sozial benachteiligten Stadtteilen oder die Fertigstellung des Rheinboulevards. Vor allem die drei großen neuen Stadtquartiere Parkstadt Süd, Deutzer Hafen und Mülheim-Süd waren ihm eine Herzensangelegenheit.

Er verband das Entwickeln dieser Groß-Areale mit einem Bild von der Stadt der Zukunft, die Herausforderungen schultert und gleichzeitig die Idee einer bunten, urbanen Mischung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit umsetzt. Die Chancen und die Reputation, die sich mit der Umwandlung der drei zentralen Quartiere verbinden, hatten manchen Kölner hoffen lassen, dass Höing auf Dauer bleibt.

Wie aus Hamburg zu hören ist, hat ihn das nicht halten können; er habe sich auf den Job des Oberbaudirektors beworben. In der letzten Auswahlrunde setzte er sich gegen drei Mitbewerber durch.

Ein attraktiver Job

Über die Gründe für den Weggang lässt sich nur spekulieren. Vielleicht ist die Antwort ganz einfach: „Es gibt in ganz Deutschland keinen attraktiveren Job in diesem Bereich“, sagt Hamburgs Senatssprecher Magnus-Sebastian Kutz. Hinzu mag gekommen sein, dass der parteilose Dezernent in den letzten Monaten immer häufiger in der Kritik stand. Die Zahlen beim Wohnungsbau sind weiterhin viel zu niedrig, eine Beschleunigung der Bauprojekte ist bislang nicht gelungen. Auch Bauaufsicht und Gebäudewirtschaft gehören in seinem Verantwortungsbereich – zwei Dienststellen mit schlechtem Ruf.

Baudezernent stand in der Kritik

Es kommt zu wenig voran, so hält etwa der Schulbau nicht Schritt mit dem Bevölkerungswachstum. Im Rathaus heißt es, Höing hätte sich mehr um die verwaltungsinternen Abläufe kümmern müssen. An der Kritik mag etwas dran sein, aber es sei unfair sie an seiner Person festzumachen, sagen andere.

Sie verweisen auf das riesige Aufgabenfeld, das Höing zugeordnet war und ihn oft bis tief in die Nacht arbeiten ließ. Und weil er nicht darauf verzichten wollte, an Fachdebatten zum Städtebau teilzunehmen, stand er in aller Herrgottsfrühe auf, um sich zu informieren und Vorträge vorzubereiten.

Opern-Debakel stand im Fokus

Erst nach der Wahl von Andrea Blome Ende 2016 konnte Höing das Verkehrsressort abgeben, das ähnlich viel Zeit wie Planen und Bauen beanspruchte. Zuletzt stand Höings Arbeit zunehmend im Zusammenhang mit dem Opern-Debakel im Fokus. Als die SPD als Bedingung für die von CDU, Grünen und FDP geforderte Abwahl der Kulturdezernentin die Prüfung der Verantwortung anderer Akteure nannte, hatte sie auch Franz-Josef Höing im Visier....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta